Schwingen 11.07.2017

«Die Gäste sind erneut die Favoriten»

Steven Moser (oben) gehört zu den wenigen Südwestschweizern, die am Sonntag die Gästeschwinger in Verlegenheit bringen können.
Am Sonntag findet in Kerzers das Südwestschweizerische Schwingfest statt. Im Interview spricht der Düdinger Christian Schmutz, Technischer Leiter des Teilverbandes, unter anderem über die Chancen seiner Schwinger.

Christian Schmutz, Sie sind seit einem halben Jahr Technischer Leiter beim Südwestschweizerischen Schwingerverband. Welche erste Zwischenbilanz ziehen Sie?

Eine positive. Unter dem Strich wird man in einer solchen Position an Kränzen gemessen. In dieser Saison haben wir bereits sechs Kränze an auswärtigen Festen geholt. Hinzu kommt noch der Kranz am Schwarzsee-Schwinget. Das ist durchaus eine gute Bilanz.

Was haben Sie im Vergleich zu Ihrem Vorgänger Ruedi Schläfli geändert?

Ich kann das Schwingen natürlich auch nicht neu erfinden. Auch hatte ich bei den kantonalen Festen noch nicht gross Einfluss auf die Einteilung. In diesem Bereich kann ich deshalb noch nicht viel sagen. Geändert habe ich hingegen die Trainings. Dort konzentrieren wir uns wieder vermehrt auf das Schwingen selber.

«Es nützt nichts, wenn du fünfmal in der Woche in den Kraftraum gehst und nur einmal in den Schwingkeller.»
 

Sie haben bei Ihrem Amtsantritt mehr Zusammenzüge und eine bessere Trainingspräsenz gefordert. Ist es gelungen, diese Forderung umzusetzen?

Die Trainingspräsenz ist sicher noch nicht dort, wo ich sie mir vorstelle. Und auch Zusammenzüge wünschte ich mir noch den einen oder anderen mehr. Wir werden nächstes Jahr versuchen das gemeinsame Schwingtraining weiter zu intensivieren.

Der Südwestschweizerische Verband hat in den letzten Jahren den Anschluss an die übrigen Verbände verloren. Haben Sie mittel- und langfristige Pläne, wie Sie die Lücke zu den anderen Verbänden schliessen oder zumindest verkleinern können?

Das Wichtigste ist, das Augenmerk wie gesagt wieder vermehrt auf das Schwingen zu richten. Es nützt nichts, wenn du fünfmal in der Woche in den Kraftraum gehst und nur einmal in den Schwingkeller. In der Vergangenheit gab es das eine oder andere Beispiel in diese Richtung. Wenn wir uns auf allen Ebenen – vor allem auch bei den Jungen – wieder vermehrt auf das Schwingen selbst und die Technik konzentrieren, bin ich überzeugt, dass wir den Anschluss wieder finden werden.

Gerade in Freiburg gibt es mehrere Schwinger, die auch regelmässig im Kanton Bern mit Schwingern des bernischen Verbandes trainieren. Unterstützen Sie diese Idee?

Grundsätzlich finde ich es gut, wenn Schwinger motiviert sind und versuchen diese Trainingsmöglichkeit zu nutzen. Ich verurteile es deshalb nicht. Persönlich profitieren sie sicher davon, mit den starken Berner Schwingern zu trainieren. Schwingen ist ein Einzelsport, ein bisschen Egoismus gehört dazu, jeder muss in erster Linie auf sich selbst schauen. Dennoch gilt es zu bedenken: Um trainieren zu können, musst du Gegner haben. Das gilt auch für die Südwestschweizer Schwinger, die nicht die Möglichkeit haben, in Bern zu trainieren. Da ist es natürlich schade, wenn einige Schwinger abwesend sind, weil sie sich in Bern oder in Kirchberg im Training befinden.

Inwiefern beeinträchtigen die Trainings in Bern die Trainings innerhalb des Verbandes?

Die Zusammenzüge des Südwestschweizer Verbandes fallen jeweils auf Samstage, sie sind deshalb davon nicht tangiert. Es kommt eher zu Überschneidungen zwischen den Trainings in Bern und den Trainings des Freiburger Verbandes. Deshalb sind dort bereits Anpassungen vorgenommen worden, indem das Training in Freiburg nur noch alle zwei Wochen stattfindet, damit diejenigen, die die Möglichkeit dazu haben, alle zwei Wochen in Bern trainieren können.

Zu Ihrem Verband gehören die Kantone Freiburg, Waadt, Neuenburg, Wallis und Genf. Lange Zeit war Freiburg die klare Nummer eins in der Südwestschweiz. Ist das immer noch der Fall?

Die Waadtländer haben extreme Fortschritte gemacht. Da sind einige sehr vielversprechende junge Schwinger mit dabei. Als klare Nummer eins kann man Freiburg deshalb nicht mehr bezeichnen. Für die Entwicklung eines Verbandes ist es eine gute Sache, wenn verschiedene Kantone als Zugpferde infrage kommen.

«Es wäre eine grosse Überraschung, wenn am Sonntag ein Südwestschweizer gewinnen würde.»
 

Am Wochenende findet in Kerzers das Südwestschweizerische Schwingfest statt. Welche Priorität messen Sie dem Wettkampf bei?

Es ist unser Teilverbandsfest. Nach dem Unspunnenfest Ende August in Interlaken ist das Schwingen in Kerzers deshalb eines der Saisonhighlights für uns. Alle unsere besten Schwinger werden anwesend sein.

Seit Stefan Zbinden 2008 in La Chaux-de-Fonds gewann, hat nie wieder ein Südwestschweizer das Teilverbandsfest für sich entschieden. In den vergangenen acht Jahren ging der Sieg stets an einen der jeweils acht Gästeschwinger aus den anderen Verbänden. Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich das am Sonntag in Kerzers wieder ändert?

Es wäre eine grosse Überraschung, wenn am Sonntag ein Südwestschweizer gewinnen würde. Die Favoriten sind auch in diesem Jahr wieder die Gästeschwinger.

Welches sind die grössten Hoffnungsträger aus der Südwestschweiz?

Da ist sicherlich einmal Steven Moser, der in einer Superform ist. Er hat bereits das Waadtländer Kantonale gewonnen und beim Schwarzsee-Schwinget und am vergangenen Wochenende beim Berner Kantonalen an hervorragend besetzten Wettkämpfen einen Kranz gewonnen. Hinzu kommt Lario Kramer, der ein sehr guter Schwinger ist und zudem in Kerzers ein Heimspiel hat. Ausserdem gefällt mir auch Pascal Piemontesi in diesem Jahr sehr gut. Er ist einer der Schwinger, die nach dem Eidgenössischen letztes Jahr in Estavayer Anpassungen vorgenommen haben. Das zeigt allmählich Wirkung, wie sein Kranz am Baselstädtischen unter Beweis gestellt hat.

Welches sind für Sie am Sonntag die Topfavoriten?

Die Gästeschwinger sind so stark, dass ich sie alle zu den Favoriten zähle. Niklaus Zenger, Bernhard Kämpf, Christian Schuler, Philipp Laimbacher, Roger Rychen, Raphael Zwyssig, David Schmid und Patrick Räbmatter sind allesamt Eidgenossen. Im Südwestschweizerischen Verband haben wir hingegen keinen einzigen Eidgenossen. Deshalb sind für mich genau diese acht Gäste die Favoriten auf den Sieg.