Unihockey 14.09.2017

Ärgeras Kampf um einen Playoff-Platz

Christel Köstinger (l.).
Das Frauen-NLA-Team von Ärgera Giffers startet am Samstag gegen Berner Oberland in die Saison – mit einem schmalen Kader.

«Es wird eine sehr, sehr schwierige Saison für uns werden», sagt Ärgeras Headcoach Jan Jungo pragmatisch. «Dennoch bin ich der Überzeugung, dass Platz acht in Reichweite liegt.» Dass die Aufgabe für die Freiburgerinnen keine einfache werden wird, zeichnete sich bereits im Verlauf des letzten Championats ab. Weil die NLA auf die Saison 2017/18 hin auf zehn Teams aufgestockt wurde, gab es keinen Absteiger. Als Achte und Letzte stieg Ärgera in die Playoff-Viertelfinals gegen den späteren Triple-Gewinner Dietlikon und verlor die Best-of-3-Serie mit 0:3. Das war so zu erwarten gewesen. Nicht aber die Tatsache, dass sich die Spielerinnensuche für die am Wochenende startende Meisterschaft so schleppend verlaufen würde.

Viele Absagen

Mit Fabienne Etter, Isabelle Wyder, Maria Ruffieux, Fabienne Weibel und insbesondere Skorerin Christelle Wohlhauser (zu Dietikon) verliessen einige wichtige Spielerinnen den Club. Sie alle zu ersetzen, gestaltete sich als echte Knacknuss. «Schon seit letzten November sind wir dran, aber es ist alles andere als einfach», kon­statiert Jungo, der seine neunte Saison als Ärgera-Trainer in Angriff nimmt. Bei vier, fünf Spielerinnen sei Ärgera kurz vor der Unterschrift gestanden, doch dann hätten diese aus verschiedenen Gründen einen Rückzieher gemacht. Pech hatte der Verein auch beim Engagement einer Ausländerin. «Wir hatten bereits eine Arbeitsstelle für sie gefunden, dann sagte jedoch auch sie ab.» Noch sei die Rekrutierung nicht abgeschossen, aber es sähe nicht rosig aus. Mitunter deshalb, weil in der Region Bern gleich vier Nationalliga-Teams positioniert sind. «Trotzdem bringen wir absolut ein Team zusammen. Das Grundgerüst steht, auch, weil wir unsere U21-Juniorinnen intensiver einbeziehen.» Weil eine Ausländerin vorderhand kein Thema mehr ist, ist Torhüterin Sarah Berger (Bern Wizards) der wichtigste Zuzug. «Sie verfügt über Nationalliga-Erfahrung und hat uns in der Vorbereitung bereits viel gebracht.» Berger wird ein Tandem mit Patricia Roux bilden, die eigentlich aufhören wollte, nun aber doch noch eine Jahr anhängt, weil Ärgera keine zweite Tothüterin fand.

Effizienz bleibt ein Thema

Dass Ärgera trotz der überaus schwierigen Transferkampagne ein gewisses Potenzial mitbringt, zeigte es am Kallsta Open in Schweden, wo es am Vorbereitungsturnier erst in den Viertelfinals an einem Team der schwedischen Top-Liga gescheitert war. «Dort hat sich ausbezahlt, dass wir das Offensiv- und Defensiv-Coaching klar definiert haben», sagt Jungo. Eine wichtige Rolle spielen dabei seine Assistenten Thomas Köstinger und Benjamin Abplanalp. «Ich halte die Hand über das Ganze und gebe meine Inputs», so der Headcoach, der auch für die kommunikative Ebene verantwortlich zeichnet – einer jener Aspekte, die gegenüber dem Vorjahr verbessert werden sollen.

Dazu gehört auch – einmal mehr – die Chancenauswertung; bei Ärgera ein leidiges Thema. «Sie ist immer noch ein Problem.» Die Abschlüsse seien zwar da, die Effizienz jedoch eine Katastrophe. «Der letzte Kick, das Tor zu schiessen, fehlt. Aber das ist ja nichts Neues.» Dank neuer Angriffsauslösungen komme sein Team nun einfacher in die Gefahrenzone, deshalb laufe es sicher ein wenig besser. Diesbezüglich Druck auferlegen will Jungo dem Team aber nicht. «Das Selbstvertrauen der Spielerinnen muss wachsen.» Insgesamt sei seine Equipe taktisch flexibler aufgestellt. «Das System funktioniert, aber noch müssen die Automatismen greifen.»

Gleich gegen einen Aufsteiger

Viel Zeit, um das neue System zu perfektionieren, hat Ärgera nicht. Nach der Aufstockung der NLA gibt es statt drei Runden nur noch eine Hin- und Rückrunde. «Wir müssen gleich parat sein. Auch die beiden Aufsteiger gilt es nicht zu unterschätzen. Wir haben vor Jahren selber gesehen, was als Aufsteiger möglich ist.» Es werde bestimmt wieder eine Zweiklassengesellschaft geben, mit ein paar Spitzenteams, die vorneweg marschieren. «Dahinter ist alles möglich», ist Jungo sicher. «Auch die Playoffs für die Aufsteiger. Aber wie gesagt, ich bin trotz des schmalen Kaders überzeugt, dass der achte Platz für uns machbar ist.»

Am Samstag wird Ärgera einen ersten Anhaltspunkt darüber erhalten, wohin die Reise in dieser Saison hingehen könnte: Es ist zu Gast bei NLA-Aufsteiger Berner Oberland.

Saison 2017/18

Kader Ärgera Giffers

Tor: Patricia Roux, Sarah Berger (neu, Burgdorf Wizards).

Verteidigung: Lea Bertolotti, Nadine Dietrich, Livia Gross, Angela Kohler, Melanie Stump, Adrienne Wieland.

Sturm: Valerie Reinhard (neu, Floorball Freiburg), Carole Bertschy (neu, U21), Eliane Ganz, Lara Rumo, Lea Jungo (neu, U21), Martina Buri, Fanny Ecoffey (neu, U21), Valentina Danzi, Christel Köstinger.

Headcoach: Jan Jungo. Assistenten: Thomas Köstinger, Benjamin Abplanalp.

Abgänge: Fabienne Etter (UH Gurmels), Isabelle Wyder (Rücktritt), Maria Ruffieux (Rücktritt), Christelle Wohlhauser (UHC Dietikon), Fabienne Weibel (Rücktritt), Sophie Gnaegi (Rücktritt), Miia Saari (Floorball Uri), Laura Kulla (Floorball Uri).

«Ich bin trotz des schmalen Kaders überzeugt, dass der achte Platz für uns machbar ist.»

Jan Jungo

Trainer Ärgera Giffers