Eishockey 20.06.2017

French will eine Bande von Brüdern

Am Wochenende traf der neue Gottéron-Trainer Mark French in Freiburg ein. Nun will der Kanadier seine Spieler kennenlernen. Dabei ist ihm der Mensch hinter dem Spieler genau so wichtig wie dessen Talent.

Derweil das Team nebenan in der Halle auf der abgetauten Eis äche die physische Saisonvorbereitung vorantrieb, präsentierte sich Mark French im Café erstmals den Medien. Eloquent und in gewinnender Manier stellte sich der 46-jährige Kanadier vor, und es wurde dabei offensichtlich, wie er Sportdirektor Christian Dubé von sich überzeugen konnte. Frenchs Diskurs ist klar, seine Philosophie erscheint passend für einen Club wie Gottéron, dessen legendäre Spieler der Aufstiegsmannschaft von 1980 als «Copains» in die Geschichte eingegangen sind.

«Ich hatte immer dann Erfolg in meiner Karriere, wenn meine Spieler wie Brüder waren. Mein Ziel ist es, eine familiäre Mentalität in dieser Mannschaft aufzubauen. Diese Botschaft will ich den Spielern rüberbringen», erklärt French, der zuletzt in der kanadischen Junioren-Liga WHL (West Ho- ckey League) erfolgreich die Calgary Hitmen gecoacht und 2009 sowie 2010, zunächst als Assistent, dann als Headcoach, mit den Hershey Bears die AHL (American Hockey League) gewonnen hatte.

Coaching-Erfahrung wichtiger als Psychologie-Studium

Das Zwischenmenschliche, das wird schnell deutlich, spielt für French eine wichtige Rolle. Deshalb will er in den kommenden Tagen mit allen Spielern persönliche Gespräche führen. «Seit meiner Ankunft konnte ich erst mit ein paar einige wenige Worte wechseln», sagt French. «Um die Spieler an ihr Limit pushen zu können, muss ich sie kennen. Nicht nur ihre spielerischen Qualitäten, sondern auch den Menschen neben dem Eis. Die Beziehung zu den Spielern ist mir sehr wichtig.»

Gleichwohl gibt French zu verstehen, dass der mentale Aspekt nur einer von vielen ist. «Meine 20-jährige Erfahrung im Coaching ist wichtiger als die vier Jahre Studium zuvor», hält French, der im Besitz eines Universitätsabschlusses in Psychologie ist, fest. Schaden indes wird ihm diese Ausbildung nicht, fehlte es Gottéron-Spielern zuletzt doch immer wieder an mentaler Stärke. «Diese entscheidet, wie auf Probleme reagiert werden kann. Die mentale Härte wird deshalb ab dem ersten Tag im Fokus stehen.»

Wer wird Frenchs Assistent?

Dabei helfen wird French seine Unvoreingenommenheit. Die Tatsache, dass dem Kanadier die NLA und das Schweizer Eishockey fremd sind, kann jedoch auch zum Nachteil werden. «Wissen ist zentral. Ich werde diesbezüglich meine Hausaufgaben machen und viele Videos schauen. Auch für das Spiel auf der grösseren Eis äche werde ich wie schon in Zagreb (Red.: French trainierte die damalige KHL-Equipe in der Saison 2013/14) Anpassungen vornehmen müssen.» Entscheidend wird deshalb auch sein, wer French an der Bande assistieren wird. «Christian Dubé und ich werden demnächst eine Liste von Kandidaten erstellen, die wir uns genauer ansehen werden.» Ein Schweizer Assistent sei sicher optimal, so French, wichtiger sei aber, dass es ein guter Typ ist, wenn möglich mit anderen eishockeytechnischen Qualitäten, als er selber mitbringe.

«Die primäre Verantwor- tung meines Assistenten wird in der Defensiv-Arbeit sowie beim Penaltykilling liegen.» French weiss natürlich, dass die Abwehr in den letzten Jahren stets das Sorgenkind der Freiburger gewesen ist. «Als Coach kann man grossen Einfuss auf die Verteidigungsarbeit nehmen. Sie muss mit Hingabe betrieben werden. Jeder Spieler muss mit Stolz sein Tor verteidigen.»

Mit Demut

Brüderschaft, Stolz, Engagement – es sind diese Einstellungen, die French bei Gottéron wieder verankern will. «Du musst dir alles verdienen, nichts wird dir einfach so gegeben», gibt er eine für Kanadier typische Parole wieder. Er tut das jedoch mit einer solchen Überzeugung, dass der Zuhörer ihm diese Worte abnimmt. Ab sofort geht es darum, die Spieler für sich zu gewinnen. French jedenfalls wird seinen neuen Job mit vollem Elan angehen. «Es ist eine Chance, für diesen traditionsreichen Club mit der treuen Fanbasis arbeiten zu können. Ich gehe mit Demut an diese Aufgabe heran.» Demut. Diese Tugend würde auch seinen Spielern auf dem Weg, die katastrophale letzte Saison vergessen zu machen, gut anstehen.