09.01.2017

Veränderungen gehören zum Leben

Ermioni ist das Auswanderungsziel von Roland Ryser.
Zum Jahresbeginn drei Geschichten über grosse Veränderungen im Leben von drei ganz unterschiedlichen Personen.

Frei sein und das Leben geniessen

Veränderung – keine materielle, körperliche oder berufliche, sondern eine ganzheitliche. Die passiert für Roland Ryser aus Köniz, frisch pensioniert und voller Lebensfreude, im März 2017. Er bricht seine Zelte ab und baut sich ein neues Leben in Ermioni, Griechenland, auf. Was ihn da erwartet? Freiheit, Delfine, Offenheit und Herzlichkeit – und vor allem weniger Bürokratie.

Auswandern – dein Kindheitstraum oder eine sich stetig weiterentwickelnde Idee?

Roland Ryser: Ich wusste schon mit 18 Jahren, dass ich in der Schweiz nicht glücklich werde. Bei uns gibts zu viel Bürokratie und zu viele Menschen, die sich aufregen und trotzdem nichts unternehmen. Anfang 20 wollte ich erstmals auswandern, nach Australien. Doch wer dahin will, muss viele Kriterien erfüllen. Wenn ich auswandere, dann stresslos, ich will frei sein und das Leben geniessen. So habe ich erst mal nur viele Reisen gemacht und die Welt während unbezahlten Ferien kennengelernt.

Auswandern ist mit vielen Verlusten verbunden. Was gibt dir Griechenland, das du in der Schweiz nicht finden kannst?

Das Meer! Die Unterwasserwelt hat mich in ihren Bann gezogen, ich brauche sie wie die Luft zum Leben. Wenn ich ins Meer gehe und tauche, dann ist der Tag gerettet. Und auch die Mentalität der Griechen: In Ermioni ist das Dorf eine Familie, jeder unterstützt jeden, so gut er kann. Ermioni ist authentisch, ohne Touristen. Die Griechen sind ein spontanes, herzliches und offenes Volk. Sie denken auf eine andere Art als Schweizer, sie geniessen das Leben. Und sie lächeln. So wenig das auch sein mag, es ist eben doch so viel. Seit Monaten sagen sie mir, ich soll endlich runterkommen. Diese Mentalität passt besser zu mir als die der reservierten Schweizer.

Welche Tipps gibst du Menschen, die sich das Auswandern überlegen?

Wenn man auswandern will, muss man den Ort kennen, wohin man möchte. Man kann nicht einfach so auswandern, das muss gut überlegt sein. Ist man überhaupt der Typ dazu, alles stehen und liegen zu lassen? Ich glaube, man ist dafür geboren oder nicht. Und es ist wichtig, nicht nur das Schöne am neuen Ort zu sehen. Man muss wissen, wie es läuft, die Sprache lernen, sich dort Freunde machen. Wenn man den Ort zuvor mehrmals besucht und den Menschen zeigt, dass man da wirklich hin möchte, dann empfangen sie dich mit offenen Armen.

Was ist das Wichtigste, das du in dein neues Leben mitnimmst?

Was ich mitnehme, das habe ich im Herzen, das kann mir niemand nehmen. Die vielen Erfahrungen von meinen Reisen nehme ich mit. Reisen ist wichtig, andere Kulturen kennenzulernen, einen Kulturschock erlebt zu haben. Es gibt dieses Gefühl, das einen wegzieht, man will Sachen erleben, den Rucksack packen. Egal, ob das Leben mit Mönchen in Taiwan, das Schwimmen mit Delfinen in Australien oder das Kennenlernen von Menschen überall auf der Welt: Diese Reisen geben mir Sicherheit. Und das Zurückdenken an diese schönen Momente ist das Wichtigste, das ich nach Griechenland mitnehmen kann.