Bösingen 15.07.2017

«Jeder Abend war ein Fest»

Die Freilichtbühne zwischen Bauernhaus und Speicher sorgte für eine spezielle Ambiance.
Heute findet die letzte der 17 Vorstellungen des Freilichtspiels «Hörti Zytte» statt. Rund 5400 Personen haben es gesehen – ein Erfolg auf der ganzen Linie. Gute Nachrichten für alle, die keines der begehrten Tickets ergattern konnten: Nächstes Jahr gehts weiter.

Der Schlussapplaus, den die Schauspielerinnen und Schauspieler des Freilichtspiels «Hörti Zytte» hoffentlich auch heute Abend erhalten werden, ist wohlverdient: Nicht nur für diese Derniere, sondern für die ganze Performance, die sie in den 17 Vorstellungen seit Mitte Juni gezeigt haben. «Es ist super gelaufen», zieht Mark Kessler Bilanz. Der Autor, Regisseur und Gesamtleiter des Theaters hat sich über die gewaltige Resonanz des Publikums auf das Stück gefreut. «Jeden Abend gab es ein sehr positives Feedback.» Der Entscheid, dass es nächstes Jahr eine Fortsetzung geben soll, sei deshalb relativ leichtgefallen, sagt er (siehe Kasten).

Den Zeitgeist getroffen

«Hörti Zytte» nahm die Zuschauerinnen und Zuschauer Abend für Abend mit auf eine Zeitreise in die 1950er-Jahre im Sensebezirk. Das Stück zeigt, dass es für einige Familien damals nicht einfach war. Viele waren arm, und es fehlte an Arbeit. Zudem sorgte das konservative, von der katholischen Kirche geprägte Umfeld und der langsam erwachende Wunsch der Jugend, aus diesem Mikrokosmos auszubrechen, für zusätzliche Spannung.

Er habe denn auch öfters von älteren Zuschauern gehört, dass sie das damals genauso erlebt und in Erinnerung hätten, sagt Mark Kessler. «Wir haben den Zeitgeist offenbar genau getroffen.» Aber auch die jüngeren Zuschauer waren begeistert. «Weil die Geschichte als Ganzes funktioniert und allgemeingültig ist. Sie ist für alle nachvollziehbar.» Kessler ist glücklich, dass das Stück auf der Bühne genau so umgesetzt werden konnte, wie er es sich beim Schreiben vorgestellt hatte.

Auf hohem Niveau

Das Stück überzeugte nicht zuletzt durch die gute Besetzung der Rollen. Viele der Mitwirkenden haben bereits bei den früheren Produktionen des Theatervereins Hintercher mitgewirkt: Bei den Stücken «D’Hintercher-Banda» und «Falli-Hölli». Diese Verbundenheit kam auf der Bühne zum Ausdruck. «Es ist eine sehr zusammengeschweisste Gruppe», sagt der Regisseur. «Jeder Abend war ein Fest.» Er ist des Lobes voll über die Qualität der Leistung der Darsteller. «Sie spielen auf sehr hohem Niveau und haben sich voll auf die Szenen eingelassen.»

Starker Eindruck

Einige Szenen hat er den Spielern auf den Leib geschrieben, zum Beispiel jene zwischen dem reformierten Käser und seinem Sohn, der mit einem katholischen Mädchen anbandelt. Gespielt wird die Szene von Werner und Nicolas Linder, die auch im richtigen Leben Vater und Sohn sind. Weil die Auseinandersetzung dabei nicht nur verbal, sondern auch handgreiflich verläuft, hinterlässt sie beim Publikum einen starken Eindruck.

Einsatz hinter der Bühne

Das gilt auch für andere emotionale Szenen und tragende Figuren. Mark Kessler mag zum Beispiel den Korber, gespielt von Hubert Dietrich. Der Korber ist für Kessler eine zentrale Figur, ein Schlitzohr, das in allen Szenen vorkommt und die Geschichte zusammenhält – «von einem Komiker besetzt», ergänzt er. Aber auch die Figur der alleinerziehenden Bäuerin, die von Christiane Thalmann dargestellt wird, ist für ihn eine topbesetzte Rolle.

Nicht zuletzt sorgte auch bei jeder einzelnen Vorstellung das «Auftauchen» der Kanzel, von der aus Pfarrer Markus Mülhauser predigt, für ein Raunen im Zuschauerraum. Dieses technische Extra steht für alles, was hinter der Bühne geleistet wurde. Mark Kessler spricht deshalb auch dem Team im Hintergrund ein grosses Kompliment aus. Alle hätten zum Erfolg beigtragen, von der Küchenmannschaft über die Verantwortlichen für Kostüm und Bühnenbild bis zu jenen Helfern, die für viele organisatorische Details zuständig waren. «Sie haben super Arbeit gemacht und das Ganze abgerundet.»

Nur eine Vorstellung fiel aus

Das Wetter ist natürlich ein ständiges Thema bei einem Freilichtspiel. «Wir hatten einigermassen Glück», sagt Marc Kessler. Nur einmal musste eine Vorstellung wegen schlechter Prognosen verschoben werden. Und bei einer weiteren Vorstellung gab es am Schluss statt Applaus Blitz und Donner – die Vorstellung wurde nach der letzten Spielminute aus Sicherheitsgründen abrupt abgebrochen. Ab und zu hätten die Schauspieler bei etwas Regen gespielt. «Aber es gab auch viele laue Sommernächte.»

Fortsetzung

«Hörti Zytte» wird nächstes Jahr noch einmal gespielt

5400 Personen haben das Freilichtspiel «Hörti Zytte» im Weiler Friseneit gesehen. Gestern haben die Verantwortlichen des Theatervereins Hintercher bekannt gegeben, dass das Stück nächstes Jahr nochmals aufgeführt werde. Angesichts des grossen Erfolges fiel ihnen der Entscheid relativ leicht. «Unsere Vorstellungen waren einen Tag nach Beginn des Vorverkaufs bereits ausverkauft, und auch an den Aufführungen hörten wir immer wieder, dass die Leute das Stück gerne noch einmal sehen würden», erklärt Regisseur Mark Kessler. Bei den beiden vorhergehenden Stücken der Sensler Saga habe dies auch gut geklappt. Die Aufführungen 2018 sind wieder zwischen Mitte Juni bis Mitte Juli geplant. Bereits heute ist klar, dass ein Grossteil des Ensembles auch nächstes Jahr wieder dabei sein wird.

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