Giffers 11.01.2017

Guglera-Eröffnung verzögert sich

Der Bund liess das Areal des zukünftigen Ausreisezentrums in der Guglera umzäunen.
Der Bund hat die Bewilligung für den Umbau der Guglera in ein Bundesasylzentrum erhalten. Weil erst die Wasserschäden behoben werden müssen, wird das Zentrum frühestens im Winter 2017/18 eröffnet.

Das einstige Institut St. Joseph in der Guglera ob Giffers ist eingezäunt. Weil das Gebäude in ein Ausreisezentrum für abgewiesene Asylbewerber umgebaut wird, haben Arbeiter in den letzten Tagen einen Zaun um das Areal errichtet. Dieser ist Teil des Baugesuchs des Bundes, das im ­Juli 2016 öffentlich auflag. Obwohl drei Einsprachen gegen das Baugesuch eingegangen waren (die FN berichteten), hat der Bund am 23. Dezember 2016 die Baubewilligung erhalten, wie Jonas Spirig vom Bundesamt für Bauten und Logistik auf Anfrage erklärt.

Vonlanthen hat zurückgezogen

Gemäss Sarah Hagi Göksu, Vize-Oberamtfrau des Sensebezirks, hatte ein Einsprecher seine Beschwerde zurückgezogen, und auf die beiden anderen sei man gar nicht eingetreten, weil den Einsprechern die Beschwerdelegitimation abgesprochen worden sei. Dies in Anbetracht der grossen räumlichen Distanz zur Guglera: Um überhaupt zu einer Einsprache legitimiert zu sein, müsse man von einer Sache besonders betroffen sein. Die Einsprecher würden jedoch bis zu drei Kilometer von der Guglera entfernt wohnen und seien somit nicht stärker betroffen als die Allgemeinheit, so Hagi.

Einer der Einsprecher war FDP-Grossrat Ruedi Vonlanthen aus Giffers (die FN berichteten). Er habe seine Einsprache zurückgezogen, sagte er gestern auf Anfrage. «Weil ich die Probleme, die ich gerne gelöst hätte, über das Baurecht nicht lösen kann», so Von­lan­then. Diese würden die Sicherheit und Infrastrukturen betreffen, etwa den Strassenausbau und das Abwasser. Auch ohne Einsprache fordere er weiterhin, dass die Anliegen der Gemeinde Giffers in der Vereinbarung mit dem Bund erfüllt werden. Die Vereinbarung ist gemäss Ammann Othmar Neuhaus noch nicht unterzeichnet. Er gehe aber davon aus, dass die Verhandlungen in den nächsten Monaten weitergeführt werden. Der Inhalt der Vereinbarung wird zurzeit nicht veröffentlicht. Neuhaus erklärt jedoch, dass es um Schnittstellen zwischen Gemeinde, Bund und Kanton wie Wasserversorgung, Transport oder Sicherheit gehe.

Die Eröffnung des Bun­des­asyl­zen­trums ist gemäss Jonas Spirig frühestens für Winter 2017/18 vorgesehen. Als im Februar 2015 erstmals bekannt wurde, dass aus der Guglera ein Bundesasylzentrum werden soll, war die Eröffnung für Anfang 2017 geplant, später dann für Herbst 2017. Der Zeitpunkt der Eröffnung lasse sich erst dann näher bestimmen, wenn die Arbeiten zur Behebung der Wasserschäden abgeschlossen seien und deren Auswirkungen auf den ursprünglichen Zeitplan feststünden, teilt Spirig schriftlich mit. Zurzeit werde das Gebäude getrocknet, und es seien auch weitere Arbeiten in Zusammenhang mit dem Wasserschaden im Gang.

Täter noch immer unbekannt

Die Überschwemmung in der Guglera war entstanden, weil Anfang Oktober 2016 Unbekannte ins Gebäude einbrachen und Wasserhähne und -abflüsse so manipulierten, dass danach sieben Etagen unter Wasser standen. In der Folge bekannte sich auf der linksautonomen Internetplattform Indymedia eine anonyme Gruppe zum Sabotageakt. Die Kantonspolizei ermittle weiter, erklärte Mediensprecher Martial Pugin gestern. Es gebe zurzeit aber keine neuen Elemente in diesem Fall.

Zahlen und Fakten

Vom Waisenhaus zum Asylzentrum

Einst war die Guglera in Giffers ein Waisenhaus und bis 2007 eine Internatsschule, die von den Ingenbohler Schwestern geleitet wurde. Die Schwesterngemeinschaft verkaufte das Institut St. Joseph vor neun Jahren an den Unternehmer Beat Fasnacht, der dort ein Therapiezentrum für übergewichtige Jugendliche betrieb. Der Bund kaufte ihm die Liegenschaft vor zwei Jahren für 19 Millionen Franken ab, um daraus ein Ausreisezentrum für abgewiesene Asylbewerber zu machen – eines von zwei in der Westschweiz. Dieses umfasst 250 Plätze. Die Kosten für die Umbauarbeiten der Guglera betragen 8,8 Millionen Franken.

ak