Avenches 17.07.2017

Über 20 Pferde und Ponys sterben im Feuer

Auch eine an den Stall angrenzende Wohnung ist abgebrannt. Die Menschen konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen.
Im Broyebezirk und in der Region Vully hat es in der Nacht auf Samstag sieben Mal gebrannt. Einem Feuer in Avenches fielen zwölf Pferde und elf Ponys zum Opfer. Menschen kamen nicht zu Schaden. Die Waadtländer Polizei ermittelt wegen Brandstiftung.

Am frühen Samstagmorgen hat sich in Avenches ein schlimmes Drama abgespielt: Ein Stall mit Pferden und Ponys auf dem Areal des privaten Instituts Equestre National Avenches (Iena) ist in Flammen aufgegangen. «Bisher sind zwölf Trabrennpferde und elf Ponys Opfer des Feuers geworden», sagte der Mediensprecher der Waadtländer Kantonspolizei, Christian Bourquenoud, gestern auf Anfrage. Einige davon hätten Stunden nach dem Brand von ihren Leiden erlöst und eingeschläfert werden müssen. Die Tiere gehörten Privatpersonen. Das Areal des Iena befindet sich unmittelbar angrenzend an das Schweizer Nationalgestüt in Avenches (siehe Kasten). Letzteres war nicht betroffen von dem Feuer.

Eine Brandserie

Doch der Brand in den Stallungen im Iena war nicht der einzige in der Nacht von Freitag auf Samstag: Die Feuerwehren rückten wegen insgesamt sieben Bränden in der Region aus. Die erste Meldung ging um halb eins Uhr in der Nacht wegen zwei brennenden Gerstenfeldern zwischen St-Aubin und Domdidier ein. Während der Intervention wurde die Freiburger Polizei auf zwei weitere Feuer auf dem Areal des Iena aufmerksam. Dort brannte nebst dem Stall und einer an den Stall angrenzenden Wohnung auch eine Scheune. Das ist einer gemeinsamen Medienmitteilung der Freiburger und der Waadtländer Kantonspolizei zu entnehmen.

Zeitgleich zu den Ereignissen sind Meldungen zu drei weiteren Bränden eingegangen: In Villars-le-Grand brannte ein landwirtschaftliches Fahrzeug, in Avenches ging ein weiteres Getreidefeld in Flammen auf, und zwischen Salavaux und Avenches brannten Strohballen. Aufgrund der Brandserie geht die Polizei von Brandstiftung aus und ermittelt verstärkt in diese Richtung, wie sie schreibt. Die Polizei sucht nach Zeugen.

100 Feuerwehrleute vor Ort

Laut Polizeisprecher Bourquenoud kamen keine Menschen zu Schaden. Es seien über hundert Angehörige der Feuerwehr aus Avenches, Broye-Vully, Murten, St-Aubin, Domdidier, Lausanne und Belmont-Broye im Einsatz gestanden; «die genaue Anzahl ist uns noch nicht bekannt». Auch seien ein Ambulanzfahrzeug aus Murten, Tierärzte und verschiedene Spezialisten vor Ort gewesen, sagte Bourquenoud.

Die meisten der sieben Brände waren laut Kantonspolizei rasch eingedämmt; das grösste Feuer in den Pferdeställen war am frühen Samstagmorgen unter Kontrolle. Die Stallungen sind vollständig zerstört.

Eine Polizeimeldung vom Samstagmorgen, dass sich Pferde auf der Autobahn A 1 zwischen Avenches und Yverdon befänden, sei eine Vorsichtsmassnahme gewesen, erklärte der Waadtländer Polizeisprecher: «Wir wussten zu diesem Zeitpunkt nicht, ob einige der Pferde das Weite gesucht hatten.» Das sei jedoch nicht der Fall gewesen, wie sich später gezeigt habe.

Pferdeszene unter Schock

Wie ein Blick auf das soziale Netzwerk Facebook zeigt, steht die Pferdeszene unter Schock. Viele zeigen sich zutiefst betroffen von den Ereignissen. «Es gibt keine Worte für den Horror dieser Nacht», schreibt eine Nutzerin. Auch der Schweizerische Verband für Pferdesport (SVPS) zeigte sich zutiefst bestürzt. Einige Facebook-Nutzer bekundeten in ihren Beiträgen ihre Wut über das Geschehene und fragen sich, wie ein Mensch Tieren so etwas antun kann. «Wahrscheinlich gibt es im Moment keinen Trost, der über diese Tragödie hinweghilft. Die Kinder, die dort reiten, und die Besitzer der Pferde machen eine unheimlich schwere Zeit durch», schreibt eine Facebook-Nutzerin.

Zahlen und Fakten

Eine Plattform für den Pferdesport

Das private Institut Equestre National Avenches (Iena) vereint verschiedene Reitsportdisziplinen unter einem Dach und ist in der Nähe des Murtensees gelegen. Es wurde 1999 eröffnet und grenzt an das Schweizer Nationalgestüt von Avenches. Für Trainings und Wettkämpfe der verschiedenen Reitdisziplinen stehen auf dem Areal des Iena diverse Rennstrecken, Military-Gelände, Reitplätze für den Spring- und den Dressursport zur Verfügung. Auf rund 142 Hektaren Land befinden sich auch verschiedene private Pferdeställe und Weiden. Auf dem Gelände sind sowohl Profis wie auch Amateure willkommen; es finden regelmässig verschiedene Kurse statt. Bekannt ist das Iena für Besucher auch wegen der Trabrennen. Zudem gibt es Pony-Rennen für Kinder.

emu