Murten 19.05.2017

Trivapor hat sich verrechnet

Damit das historische Dampfschiff «Neuchâtel» fahren darf, muss Trivapor teure Unterhaltsarbeiten finanzieren.
Das Dampfschiff «Neuchâtel» ist ein Publikumsliebling. Doch der Unterhalt des historischen Schiffes kostet den Verein Trivapor mehr als ursprünglich erwartet. Nun ergreift der Verein Massnahmen.

Am nächsten Dienstag beginnt auf dem Neunburger- und dem Murtensee die Saison des Dampfschiffs «Neuchâtel». Vor dem Saisonstart hält der Verein Trivapor als Besitzerin des Schiffs morgen Samstag in Murten seine Generalversammlung ab. «Die Neuchâtel ist ein Erfolg», sagt Trivapor-Präsident François Kistler gegenüber den FN. Das Schiff bringe auch zusätzliche Touristen auf die Seen.

Aufwendiger Unterhalt

Doch das historische Schiff verursacht auch Kosten. Mehr Kosten als ursprünglich gedacht, wie François Kistler einräumt. Alleine im vergangenen Winter investierte Trivapor rund 120 000 Franken in den Unterhalt des Schiffes, dies bei einem Jahresbudget von rund 100 000 Franken. Der Grund: Die mechanischen Teile würden sich schneller abnützen als angenommen. Zudem muss die Trivapor strenge gesetzliche Vorschriften befolgen. «So brauchen wir etwa jedes zweite Jahr einen spezialisierten Kaminfeger, was uns bis zu 20 000 Franken kostet.» Die Folge: Die Finanzlage des Vereins ist angespannt. 2016 präsentiert Trivapor, die sich zu einem grossen Teil aus Mitgliederbeiträgen finanziert, einen Verlust von gut 7000 Franken. «Wir sind nicht gefährdet, aber wir haben keine finanziellen Polster.» Um weitere Verluste zu vermeiden, hat der Vorstand verschiedene Massnahmen ergriffen. So hat der Verein die Miete für seine Räumlichkeiten in Neuenburg aufgekündigt. Das entlastet die Vereinskasse laut Kistler um 12 000 Franken pro Jahr. Gleichzeitig übernimmt die Stadt Neuenburg neu die Vereinszeitschrift mit 15 000 Franken pro Jahr. Zudem konnte der Vorstand ein Sponsoringabkommen mit der Uhrenfirma Tissot erneuern. So kann das Unternehmen gegen eine Entschädigung seine Produkte im Schiff platzieren. «Ursprünglich sah das Budget für 2017 ebenfalls einen Verlust vor. Dank der verschiedenen Massnahmen konnten wir das Budget ausgleichen», erklärt Kistler.

Erfahrungswerte fehlen

Kistler räumt ein, dass die hohen Kosten etwas überraschend kommen. «Als der Verein die Restaurierung des Schiffes anstrebte, hat er sich vielleicht zu wenig überlegt, welche Unterhaltskosten der Betrieb nach sich zieht.» Es sei aber auch nicht einfach, diese Kosten zu budgetieren: «Wir hatten kaum verlässliche Erfahrungswerte, auf die wir uns hätten stützen können.» Komme dazu, dass das Schiff nach seiner Sanierung nach wie vor einige Kinderkrankheiten zeige. «Darum prüfen wir bei jeder Ausgabe genau, ob es sich um einmalige Arbeiten oder wiederkehrende Kosten handelt.»

Betrieb ist nicht teurer

Positiv stimmt François Kistler dafür der Betrieb des Schiffes. Für diesen ist die Schifffahrtsgesellschaft für den Neuenburger- und den Murtensee (LNM) verantwortlich. «Eine detaillierte Analyse für das Jahr 2015 hat gezeigt, dass das Dampfschiff die LNM im Betrieb nicht mehr kostet, als ein normales Motorschiff.» Die Neuchâtel benötige zwar eine Crew von fünf Personen. Das sind zwei bis drei Personen mehr als bei den übrigen Schiffen. Das habe entsprechende Mehrkosten zur Folge, dafür müsse die LNM keine Abschreibungen leisten, da das Schiff Trivapor gehöre. Diese Erkenntnis sei auch für den Verein erfreulich, erklärt Kistler. «Als die LNM den Betrieb des Dampfschiffes übernommen hat, haben die Kantone als Besitzerin der LNM die Bedingung gestellt, dass das Dampfschiff der LNM keine zusätzlichen Kosten verursachen darf.» Die Analyse belege, dass die Forderung erfüllt sei.

Zerstörung

Ein Einbrecher hatte es auf die Uhren im Schiff abgesehen

Im Januar 2017 wurde das Dampfschiff «Neuchâtel» Opfer eines Vandalenaktes. Dies schreibt dessen Besitzerin Trivapor in seiner Information an die Vereinsmitglieder. «Es handelte sich um einen Einbruchdiebstahl», präzisiert François Kistler auf Anfrage der FN. Der Täter habe es auf die Uhren abgesehen gehabt, die der Uhrenhersteller Tissot im Rahmen des Sponsoringabkommens in einer Vitrine platziert. Laut der Mitgliederinformation hat der Einbruch Glasscherben und Löschschaum hinterlassen, der den Boden und die Messingteile angegriffen hat. Die Polizei habe mittlerweile den Täter eruieren können, sagt François Kistler.

sos