Murten 07.01.2017

Striptease für harte Manager-Seelen

Die Figuren Frank Baumann (oben), Erich Kopp (unten links) und Carlo Burri diskutieren über ihr seltsames Bewerbungsgespräch.
Vier Manager kämpfen mit harten Bandagen um einen Führungsjob. Das gemeinsame Bewerbungsgespräch wird zu einem Psychotrip. Dies ist der Inhalt der neuen Eigenproduktion des Kellertheaters Murten, die am nächsten Samstag Premiere feiert.

Es ist das sprichwörtliche Haifischbecken des Wirtschaftslebens, das der katalanische Dramatiker Jordi Galceran in seinem Theaterstück «Die Grönholm-Methode» aus dem Jahr 2003 darstellt. Das Kellertheater Murten hat sich für das Stück als Stoff für die Eigeninszenierung 2017 entschieden und führt es ab nächstem Samstag im Kulturzentrum im Beaulieu (KiB) in Murten auf. «Es ist ein tolles und spannendes Stück. Es zeigt die Abgründe zwischenmenschlicher Beziehungen auf», schwärmt Produzentin Gerti Haymoz anlässlich eines Probenbesuchs.

Die Ausgangslage: Vier Managertypen – drei Männer und eine Frau – sind in den Ausstellungsraum einer Fabrik für Waschmaschinen zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen. Sie aspirieren auf eine Führungsposition in der Firma. Im Laufe des fast zweistündigen Stücks werden sie einer Reihe von Aufgaben ausgesetzt. Sie schummeln, beschuldigen sich gegenseitig, lügen, übertrumpfen und umschleichen einander; jeder kämpft für sich allein. Scheinbar werden sie wie Laborratten in einem Experiment getestet. Die Bewerbungssituation ist aussergewöhnlich: «Etwas speziell, die ganze Sache», sagt der Bewerber Erich Kopp (Hannes Wittwer) – Typus hemdsärmeliger Patron mit viel Führungserfahrung. Solche Gespräche liefen in der Regel diskreter ab.

Die Anweisungen kommen aus dem Off und liegen jeweils als Briefe in den Waschmaschinen. Schon die erste Aufgabe sät Zwietracht zwischen ihnen. Einer sei kein echter Kandidat, und sie müssten herausfinden, wer dies sei. Bis zum Schluss des Stücks bleibt unklar, ob wirklich alle Bewerber sind oder sich nicht etwa ein Vertreter der Firma als Maulwurf eingeschlichen hat. Die vier Darsteller breiten ihre Lebensschicksale aus, entblössen sich psychisch. Aber sind diese Geschichten auch wirklich echt? «Wir müssen im Team vorgehen. Lügen bringt uns nicht weiter», formuliert Melanie Delay (Marlies Schneeberger) eine der gangbaren Strategien. Frank Baumann (Marc-André Flück) vertritt die Gegenposition des dynamischen, schmierigen Jung-Managers, dem nichts heilig ist, um sein Ziel zu erreichen und den Job zu bekommen. Nacheinander werden die Bewerber mit den Briefen unter Druck gesetzt; Kopp hat einen depressiven Anfall: «Alles, was ich in die Finger nehme, scheint kaputt zu gehen», klagt er. Baumann wird aggressiv, beleidigt seine Konkurrenten und setzt sie unter Druck. Die Nachricht des Todes ihrer Mutter wirft Delay fast aus dem Rennen. Und Carlo Burri (Stephan Hugentobler) wagt sein Coming-Out als Frau im Männerkörper.

Schauspieler sind gefordert

Das Stück um die unerbittliche Konkurrenz im Wirtschaftsleben ist ein unterhaltsames, gesellschaftskritisches, manchmal etwas dick aufgetragenes Drama um «Jeder gegen jeden» mit viel Humor. Fachleute können auch Ansätze aus der klassischen Spieltheorie erkennen: Lohnt sich Kooperation oder Konflikt, Teamwork oder Alleingang, Herde oder Individuum, Ehrlichkeit oder Lüge? Das Ende des Stücks ist gleichermassen überraschend wie irgendwie absehbar.

Produzentin Haymoz weist darauf hin, dass alle vier Schauspieler fast durchgehend auf der Bühne stehen. Das mache es nicht einfach: «Es stellt hohe Anforderungen an die Schauspieler.» Dass mit Hannes Wittwer – im Privatleben Geschäftsführer der Pflegeheimgruppe Senevita – ein erfolgreicher Wirtschaftsmann die Rolle des Managers spielt, sei für sie von Beginn an ihr Wunsch gewesen, sagt Haymoz. «Er führt ja dieses Leben des Business-Mannes, muss aber im Stück schauen, dass er eben nicht sich selbst spielt», sagt sie.

Programm

Konkurrenz belebt die Dramaturgie

Die Premiere der Kellertheater-Eigeninszenierung «Die Grönholm-Methode» unter der Leitung von Alex Truffer im KiB in Murten geht am Samstag, 14. Januar, um 20.15 Uhr über die Bühne. Die weiteren Aufführungen sind am Do., 19. Januar. Fr., 20. Januar, Sa., 21. Januar, Mi., 25. Januar, Do., 26. Januar, Fr., 27. Januar, Sa., 28. Januar, Mi., 1. Februar, Do., 2. Februar, Fr., 3. Februar und Sa., 4. Februar, jeweils um 20.15 Uhr, sowie an den Sonntagen 22. und 29. Januar, um 17 Uhr. Abendkasse und Bar sind jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn geöffnet. Die Kulinarikgruppe des Kellertheaters präsentiert an den Vorstellungsabenden ein Gourmetmenü auf Voranmeldung und in Verbindung mit einem Konzertticket. Die Platzzahl ist beschränkt. Die besten Chancen haben Reservationen für die späteren Aufführungen und unter der Woche.

fca

www.kellertheatermurten.ch