Murten 17.03.2017

«Schere, Stein, Papier» im Museum

Emmanuel Lendenmann (links), Marylène Joye und Julien Burgy haben einen Raum zur Murtenschlacht gestaltet.
Morgen Samstag eröffnet das Museum Murten seine neue Wechselausstellung «Schere, Stein, Papier». Eine Frau und zwei Männer kombinieren abstrakte Bilder mit Skulpturen aus Metall und Stein.

Künstler arbeiten häufig für sich allein, jeder mit seinen Materialien, jeder nach seinem Stil. Schliessen sich drei Künstler aus unterschiedlichen Stilrichtungen für eine Ausstellung zusammen, entstehen daraus interessante Kombinationen. Das zeigt die neue Wechselausstellung «Schere, Stein, Papier» eindrücklich, welche das Museum Murten morgen Samstag eröffnet. Museumsleiter Ivan Mariano konnte dafür die Malerin Marylène Joye, den Steinbildhauer Julien Burgy sowie den Metallkünstler Emmanuel Lendenmann verpflichten.

Das Museum kombiniert dabei wiederum Exponate der Dauerausstellung mit Werken der Wechselausstellung. «Das ist eine Formel, die sich bewährt hat», sagte Ivan Mariano, als er gestern Medienvertreter durch die Ausstellung führte. Die Kombination zeigt sich eindrücklich bei einer Skulptur im untersten Geschoss. Ein massiver Block aus Kalkstein zeigt ein grosses, ausgefranstes und kreuzförmiges Loch. Die Skulptur erinnert entfernt an ein Schweizerkreuz. Das Werk trägt den Titel «Impact», also «Einschuss». Erst ein zweiter Blick in den Raum zeigt, warum. Wenige Meter von der Skulptur entfernt steht eine alte Kanone samt Kugel. Damit entsteht eine Beziehung zwischen den alten Gegenständen des Museums und den neu geschaffenen Werken der Künstler. «Ich zeige in dieser Skulptur, wie die Energie das harte Material Stein verwandelt», sagte Künstler Julien Burgy.

Fliessende Strukturen

Die abstrakten Gemälde von Marylène Joye lassen sich nur schwer fassen. Die Künstlerin arbeitete für die Ausstellung hauptsächlich mit Löschpapier, auf dem sie Farbpigmente, Tusche und Acrylfarben anbrachte. Daraus entstanden dunkle Gemälde mit fliessenden Strukturen. «Ich will weniger etwas Bestimmtes darstellen, sondern vielmehr meine Empfindungen zu Papier bringen.» Die Bilder würden dabei keineswegs zufällig entstehen. «Ich habe immer eine Idee im Kopf, muss aber manchmal auch darauf reagieren, wie das Papier mit den Farben reagiert.» Die Bilder sollen laut Joye den Betrachter auf eine eigene Entdeckungsreise mitnehmen.

Geschichte wiederholt sich

Wie Joye und Burgy arbeitete der Metallkünstler Emmanuel Lendenmann für die Ausstellung stark abstrakt. In einer Skulptur schafft er aber Bezüge zur Aktualität. Sie zeigt ein Schiff mit 21 Menschen darin. «Das Schiff stellt den Aufbruch der Menschen in die Migration dar», erklärte Lendenmann. Er habe eigentlich an den Aufbruch von Wikingern gedacht. Er fühle sich aber auch an die Flüchtlingskrise erinnert, bei der immer wieder afrikanische Migranten mit Booten in Richtung Europa aufbrechen. Aus diesem Grund trage die Skulptur auch den Titel «21. Jahrhundert?». Man könne sich fragen, so Lendenmann, ob sich die Geschichte immer wiederhole. Passend zur Skulptur hängt dahinter ein Gemälde von Marylène Joye, das an Wellen erinnert. «Es ist wohl eines meiner konkretesten Bilder», meinte Joye. Die Kombination der Werke sei teilweise Zufall. «Beide Künstler haben ihr Werk geschaffen, ohne vom anderen zu wissen. Als wir die Ähnlichkeit entdeckten, haben wir sie bewusst nebeneinander platziert», sagte Ivan Mariano.

Für den Museumsleiter war es zentral, dass sich die Werke in das Museum einfügen und das Gebäude aufnehmen. Das haben die Künstler umgesetzt, indem sie im obersten Stock unter dem Titel «Murtenschlacht» einen gemeinsamen Raum gestaltet haben. «Wir wollten zeigen, was sich kurz nach der Schlacht abgespielt haben könnte», erklärte Julien Burgy. Dafür hat er gemeinsam mit Lendenmann Skulpturen aus Granit und Stahl geschaffen. Sie zeigen abstrakte Krieger, die Verletzungen aus der Schlacht davontragen. Passend dazu zeigt ein Gemälde ein Freiburger Wappen, allerdings seitlich gekippt. «Das Bild zeigt, dass nach der Schlacht nichts mehr ist wie vorher. Es herrscht Unsicherheit, wie es politisch und gesellschaftlich weitergeht», so Ivan Mariano.

Zahlen und Fakten

Turnier für «Schere, Stein, Papier»

Die Wechselausstellung «Schere, Stein, Papier» ­dauert vom Sonntag, 19. März, bis am Mittwoch, 31. Mai. Mehrere Veranstaltungen begleiten die Ausstellung. Morgen Samstag findet um 18 Uhr die Vernissage statt. Am Donnerstag, 23. März, führen die Künstler auf Französisch durch die ­Ausstellung, am 11. Mai folgt die deutsche Führung. ­Dazwischen findet am 1. April ein zweisprachiges «Schere, Stein, Papier»- Turnier statt.

sos

Weitere Informationen: www.museummurten.ch