Murten 19.01.2018

Nicht die Landi ist Bauherrin

Die neue Landi soll in nächster Nähe zur Fribosa (links) und zu Johnson Electric (im Hintergrund) gebaut werden.
Zwei Unternehmen aus Bern und Herisau haben der Landi ein Projekt für einen neuen Laden vorgeschlagen. Der VCS steht dem neuen Gebäude positiv gegenüber, dennoch schliesst er eine Einsprache nicht aus.

Heute endet die Frist für Einsprachen zum Bauprojekt beim Champ-Olivier-Kreisel in Murten. Hier sollen ein Landi-Fachmarkt, eine Agrola-­Tankstelle mit Shop sowie ein Gewerbegebäude entstehen (die FN berichteten). Es ist bereits der dritte Anlauf für eine neue Landi an diesem Standort. Das letzte Projekt scheiterte im Jahr 2015 am Widerstand des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS). Die Vereinigung kritisierte damals, dass das Areal um das Gebäude herum mit Parkplätzen verbaut werden sollte.

Gemäss aktuellem Baugesuch befinden sich die Parkplätze nun auf dem Dach des Fachmarktes. Savio Michellod, Präsident der Sektion Freiburg des VCS, zeigt sich auf Anfrage zufrieden: «Das Projekt wird unseren Erwartungen gerecht. Wir begrüssen es, dass sich die Parkplätze nun im Gebäude befinden und nicht die Fläche ringsum belegen.»

Wegen zwei Punkten wolle der VCS noch beim Bauherr vorsprechen, anschliessend werde er über eine Einsprache entscheiden, sagt Michellod. Zum einen solle es bei den Velo­ab­stell­plätzen Platz haben für Velos mit Anhänger. Zum anderen habe der VCS Fragen zur geplanten Verkehrsführung. Bis gestern hatte die Sektion Freiburg noch nicht über eine Einsprache entschieden.

Landi hat keinen Auftrag erteilt

Als der VCS vor fast drei Jahren seine Einsprache vor das kantonale Verwaltungsgericht zog, sagte der damalige Landi-­Geschäftsführer Martin Bieri, dass ein Neubau auf dem Fribosa-Areal endgültig gescheitert sei. Warum wagt die Landi nun einen erneuten Anlauf für ein Gebäude auf diesem Areal?

Martin Schmid, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Landi Seeland, unterstreicht, dass sein Unternehmen diesmal nicht der Bauherr ist. «Die Forol Generalunternehmung und die Immobiliengesellschaft E. Bornand haben aus eigener Initiative ein Bauprojekt entwickelt und uns vorgestellt. Die Landi Seeland hat hierfür den beiden Unternehmen keinen Auftrag erteilt.»

Auf Anfrage erklärt Etienne Bornand, Geschäftsführer der Immobiliengesellschaft, sein Vorgehen: «Wir suchen in der ganzen Schweiz nach Standorten, um Neubauprojekte mit unterschiedlichen Nutzungen zu realisieren. So haben wir erfahren, dass das Areal beim Champ-Olivier-Kreisel erwerbbar ist.» Zudem sei ihnen bekannt gewesen, dass in der Region eine Nachfrage nach Gewerbe- und Dienstleistungsflächen bestehe. «Daraufhin erstellten wir eine Studie, wie das Areal für unterschiedliche Nutzungen bebaut werden könnte», sagt Bornand. Wegen der Vorgeschichte des Fribosa- Areals habe er bereits früh Gespräche mit der Landi geführt. «Das Unternehmen bekräftigte sein Interesse an einem neuen Standort in Murten.» So sei ein Teil des Projektes auf eine Nutzung durch die Landi ausgerichtet worden.

Eine neue Konstellation

Martin Schmid von der Landi Seeland ist zuversichtlich: «Von den Behörden verspüren wir Unterstützung.» Das Projekt sei eine neue Konstella­tion, die Chancen habe, realisiert zu werden. Damit spielt er auf den Parkplatz an, der auf dem Dach des Fachmarktes errichtet werden soll.

Ein unterirdisches Parkinggeschoss sei auf dem Areal nicht sinnvoll gewesen, sagt Bornand. Er verweist auf geologische Gegebenheiten und eine bestehende kommunale Werkleitung. Unter dem Gebäude verläuft nämlich die Abwasserleitung von Gurwolf. Hingegen biete sich die um mehrere Meter ansteigende Topografie der Parzelle für ein Parkinggeschoss auf dem Dach an. Ein ähnliches Projekt habe er 2015 mit der Forol Generalunternehmung in Romont realisiert. Die Kosten seien mit einem unterirdischen Parking vergleichbar, so Bornand. Zahlen nennt er nicht. Auch die Kosten für die gesamte Überbauung könne er momentan nicht beziffern, da nicht alle Verhandlungen abgeschlossen seien. Schmid kann ebenfalls keine Kosten nennen. Er erwartet aber, dass das notwendige Budget «im Rahmen ähnlicher Projekte» liegen wird.

«Das Projekt wird unseren Erwartungen gerecht. Wir be­grüssen es, dass sich die Parkplätze im Gebäude befinden.»

Savio Michellod

Präsident VCS-Sektion Freiburg

Zahlen und Fakten

Die Landi soll eine der zwei Neubauten nutzen

Die Forol Generalunternehmung aus Herisau und die Immobiliengesellschaft E. Bornand aus Bern wollen auf dem Fribosa-Areal in Murten zwei Neubauten errichten. Im grösseren Gebäude soll ein Landi-Fachmarkt mit rund 1800 Quadratmetern Verkaufsfläche Platz finden. Daran angebaut sind eine Agrola-Tankstelle mit sechs Betankungsplätzen und ein Tankstellenshop mit 120  Quadratmetern Verkaufsfläche. Die 107 Parkplätze befinden sich zum Grossteil auf dem Dach des Landi-Marktes. Welche Unternehmen das zweite, kleinere Gebäude nutzen werden, steht noch nicht fest. Derzeit werden Gespräche mit Interessenten geführt. Im Erdgeschoss dieses Gebäudes stehen 572 Quadratmeter zur Verfügung, im Obergeschoss sind es 680 Quadratmeter.

jmw