Murten 09.01.2018

Neues Landi-Projekt liegt auf

Auf dem Fribosa-Areal soll die neue Landi gebaut werden. Im Hintergrund befindet sich das Bodemünzi.
Seit bald zehn Jahren sucht die Landi einen neuen Standort in Murten. Nun versucht sie es erneut auf dem Fribosa-Areal – mit einer Änderung: Autos sollen auf dem Dach des Fachmarktes parkieren.

Die Landi wagt in Murten einen neuen Anlauf: Seit Freitag liegt ein Baugesuch für einen Landi-Fachmarkt mit einer Agrola-Tankstelle sowie ein Gewerbegebäude öffentlich auf. Die beiden Neubauten sollen auf dem Fribosa-Areal beim Kreisel Champ-Olivier entstehen. Bereits vor drei Jahren wollte die Landi hier bauen. Der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) beanstandete die damalige Anordnung der Parkplätze. Die Landi zog sich daraufhin zurück (siehe Kasten).

Nun hat der Gesuchsteller, die Forol Generalunternehmung aus Herisau, eine Lösung für die Parkplatzfrage gefunden: Im Erdgeschoss wird sie den Landi-Fachmarkt mit rund 1800 Quadratmetern Verkaufsfläche unterbringen. Daran angebaut ist die Tankstelle mit sechs Betankungsplätzen und der Tankstellenshop mit 120 Quadratmetern Verkaufsfläche. Die Parkplätze kommen zum Grossteil auf das Dach des Shops. Von den insgesamt 107 Parkplätzen werden sich nur ungefähr 25 auf der Ebene des Erdgeschosses befinden.

Mehr Stellenprozente

Fragen zum Bauprojekt konnte die Landi gestern nicht beantworten. Sie sei nicht der Bauherr, es sei nicht ihr Projekt, sagt Martin Schmid, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Landi Seeland. Allerdings wird im Baugesuch mehrmals vom geplanten «Landi-Fachmarkt» gesprochen. Er werde die Fragen an den Architekten, der derzeit in den Ferien weilt, weiterleiten, antwortet Schmid. Der Vorsitzende der Geschäftsleitung kündigt aber an, dass sich mit dem neuen Gebäude die Stellenprozente verdoppeln würden. Aus den aktuell 710 Stellenprozenten im Shop an der Alten Freiburgstrasse würden im neuen Gebäude 1600 Prozente. Die Mitarbeiterzahl würde von 12 auf 20 bis 22 steigen.

Die Generalunternehmung wird neben dem Landi-Laden ein zweites Gebäude errichten. Im Erdgeschoss könnte ein Fachmarkt Platz finden, so die Angaben im Baugesuch. Zur Verfügung steht eine Fläche von 572 Quadratmetern. Im Obergeschoss hat es auf 680 Quadratmetern Platz für Gewerbe- oder Dienstleistungsflächen. Wer dieses zweite Gebäude nutzen wird, ist noch nicht bekannt.

Die beiden Neubauten werden insgesamt fast 1200 Fahrten pro Tag generieren. Das schätzt die Generalunternehmung. Davon wird die Tankstelle 600 Fahrten verursachen. Beim Landi-Fachmarkt rechnet das Unternehmen mit 360 Fahrten pro Tag. Wie im vorherigen Projekt erfolgt die Erschliessung des Geländes über die Freiburgstrasse.

Alter, ungünstiger Standort

Aus verkehrsplanerischer Sicht begrüsst Gemeinderätin Ursula Schneider Schüttel einen neuen Standort für die Landi. Das aktuelle Geschäft an der Alten Freiburgstrasse beim Bahnhof sei verkehrstechnisch ungünstig. «Die Lastwagen müssen auf der Strasse manövrieren, wo viele Fussgänger und Velofahrer auf dem Weg zum Bahnhof passieren.» Der Verkehr, der durch die neue Landi generiert werde, fahre vorwiegend über die Burgunderstrasse und die Freiburgstrasse. «Somit gibt es keine Zusatzbelastung für die Wohngebiete von Murten.»

Der VCS hatte gestern noch keine Kenntnis des neuen Bauprojektes. Auf Anfrage kündigt der Präsident Savio Michellod an: «Wir werden dieses Projekt genau prüfen und im Komitee darüber sprechen.»

«Die Lastwagen müssen auf der Strasse manövrieren, wo Fussgänger und Velofahrer ­passieren.»

Ursula Schneider Schüttel

Gemeinderätin

Chronologie

Die Parkplätze waren der Knackpunkt

Bei der ersten öffentlichen Auflage kam das Landi-Projekt Anfang 2010 zwischen die Fronten eines Streits zwischen den Gemeinden Muntelier und Murten: Muntelier und ein privater Unternehmer erhoben gegen das Bauvorhaben der Landi Einsprache, weil die Bewilligungspraxis Murtens bei Umzonungen nicht nachvollziehbar sei. Grund dafür war, dass Murten zuvor bei einem ähnlichen Projekt der Gemeinde Muntelier, das die Ansiedlung eines Baumarktes im Tioleyres vorsah, eine Umzonung abgelehnt hatte. Beim Landi-Projekt wurde die nötige Zonenänderung hingegen bewilligt. Die Einsprecher verlangten für beide Projekte gleiches Recht. Nach Ablehnung der Einsprachen durch die kantonale Raumplanungs-, Umwelt- und Baudirektion verzichteten die Einsprecher auf einen Weiterzug.

2012 erfolgte die zweite öffentliche Auflage. Es folgten zwei Einsprachen. Die eine betraf möglichen Lärm und wurde bereits nach rund einem halben Jahr zurückgezogen. Die zweite Einsprache erfolgte seitens des Verkehrs-Club der Schweiz (VCS). Dieser stellte sich gegen die geplanten Parkplätze. Die Landi wollte diese rund um das einstöckige Shop-Gebäude bauen. Schliesslich vereinbarten die Landi und der VCS, ein weiteres mehrgeschossiges Gebäude neben dem Shop zu bauen. In dieses Gebäude sollte ein Parkhaus integriert werden. Da der Oberamtmann des Seebezirks diese Vereinbarung nicht in die Baubewilligung integrierte, ging der VCS vor das Kantonsgericht. Daraufhin zog die Landi 2015 ihr Projekt für einen Neubau auf dem Fribosa-Areal vorerst zurück.

jmw