Murten 04.12.2017

«Ich habe Murten offen erlebt»

Urs Höchner ging oft mit dem Töffli zur Arbeit, nun plant er kurze Reisen mit seinem dreirädrigen Piaggio.
24 Jahre lang war Urs Höchner Stadtschreiber von Murten. Er kam 1987 von Basel in den Hauptort des Seebezirks und übernahm das Amt bereits vier Jahre später. In all den Jahren war er genau zwei Tage krank.

«Mir ist nicht langweilig», sagt der Murtner Urs Höchner. Seit September ist er pensioniert. Der 63-Jährige war während 24 Jahren Stadtschreiber von Murten. Die letzten zwei Jahre hatte er die Stellvertretung des neuen Stadtschreibers Bruno Bandi inne. Jetzt leistet er Freiwilligenarbeit, ist im Verwaltungsrat eines Kinderheims engagiert und pflegt weiterhin den Kontakt zu den anderen elf Zähringerstädten. «Das ist mir ein Herzensanliegen», sagt Höchner im Gespräch mit den FN. Seine Kontaktfreudigkeit und die Nähe zu den Menschen sind bezeichnend für den langjährigen Stadtschreiber.

Der Jurist kam 1987 von Basel nach Murten. «Ich habe Murten als offene Stadt erlebt.» Bereits in Basel sei er Mitglied der FDP gewesen, das tat er dann auch in Murten. «Dadurch entstanden wichtige Kontakte.» Höchner ist Vater von vier inzwischen erwachsenen Kindern; der Kontakt zur Schule und damit zu anderen Familien habe damals ebenfalls geholfen, sich in Murten gut einzuleben. «Vier Jahre später war ich Eingeborener und trat den Job als Stadtschreiber an.»

«Ich bin oft mit dem Töffli zur Arbeit gefahren», erinnert sich Höchner. Das hat einen guten Grund: «Zu Fuss wäre ich nie angekommen», sagt er lachend, «ich wäre mit zu vielen Leuten kurz ins Gespräch gekommen.» Seine Devise sei gewesen, ja nicht anzuhalten. Den Ausruf «Gut sehe ich dich grad» habe er oft zu hören bekommen, «natürlich, weil sie etwas wollten», sagt der Jurist fröhlich.

Das Erbe des Vorgängers

Den Kontakt zur Bewegung der zwölf Zähringerstädte hat Höchner sozusagen geerbt: «Das gab mir mein Vorgänger Hardy Lehmann mit auf den Weg.» Damals, 1991, habe er sich gefragt, weshalb sich Hardy Lehmann so intensiv um Kulturelles in Murten kümmert. «Denn das gab so viel zu tun.» Rasch habe er dann aber realisiert, wie wichtig es ist, sich als Stadtschreiber für schöne Anlässe zu engagieren. «Wir haben immer geschaut, dass etwas geht für die Bevölkerung», sagt Höchner fröhlich. «Das war meine Devise – zu Beginn war ich mehr Verwalter, dann rückte ich die Bevölkerung ins Zentrum.» So seien zum Beispiel die Sommerfestspiele ins Leben gerufen worden. Heute heisst der Anlass Murten Classics und ist fester Bestandteil der Murtner Agenda.

Von Gemeindepräsidenten ist bekannt, dass sie teilweise viele Telefonate ausserhalb der Arbeitszeit erhalten. Nicht nur angenehme. Höchner erhielt genau zwei Anrufe dieser Art während seiner Zeit als Stadtschreiber: «Einmal über Mittag und einmal in der Nacht.» Im ersten Fall meldete sich ein Bürger, der sich über Handwerkerlärm in der Mittagszeit ärgerte. «Ich habe ihm gesagt, dass ich das hier bei mir nicht höre und er es ihnen sagen soll.» Der Mann habe nie mehr angerufen, sagt Höchner schmunzelnd.

Beim Anruf in der Nacht sei es ein Notfall gewesen: «Nach einem Brand ging es darum, eine Familie unterzubringen. Das klappte dann auch gut.» Höchner galt in Murten auch als stiller und kompetenter Schaffer im Hintergrund. Er hat über 100 Generalratssitzungen protokolliert, eine Stellvertretung gab es nicht. «Einmal sass ich in der Militäruniform an der Sitzung, da wäre ich froh gewesen um eine Stellvertretung.» Er sei zu diesem Zeitpunkt Gerichtsschreiber im Divisionsgericht der Schweizer Armee in Aarau gewesen und von dort direkt an die am Abend stattfindende Generalratssitzung in Murten gefahren. «Ich war in all den Jahren genau zwei Tage krank», erzählt er stolz. Für eine solch eiserne Konstitution brauche es das richtige Mass Alkohol, ist Höchner überzeugt. «Ich empfehle Pinot Gris vom Vully», sagt der ehemalige Stadtschreiber schmunzelnd.

Nun ist sein Ziel, zu entschleunigen: «Meine Frau und ich wollen jetzt alles etwas ruhiger angehen und kurze Reisen geniessen.» Dafür hat sich das Ehepaar ein dreirädriges Piaggio zugelegt. «Damit können wir auch ausserhalb der Töffsaison Ausflüge machen», freut sich der passionierte Töfffahrer. «Wir planen keine Weltreise oder Kreuzfahrt, lieber wollen wir zum Beispiel ein paar Tage im Schwarzwald verbringen.»

«Zu Beginn war ich mehr Verwalter, dann rückte ich die Bevölkerung ins Zentrum.»

Urs Höchner

Ehemaliger Stadtschreiber

«Meine Frau und ich wollen jetzt alles etwas ruhiger angehen und kurze Reisen geniessen.»

Urs Höchner

Ehemaliger Stadtschreiber