Praz 13.09.2017

Gewerkschafter und Unternehmer wehren sich

Weil rumänische Arbeiter zu wenig Lohn erhalten, protestierte die Unia auf einer Baustelle in Praz.

Ein Dutzend Vertreter der Gewerkschaft Unia versammelten sich gestern vor einer Baustelle in Praz. An der Protestaktion warfen die Gewerkschafter einem Bauunternehmen mit Sitz in Neuenburg Verstösse gegen den Landesmantelvertrag (LMV) des Bauhauptgewerbes vor. Unterstützt wurden sie vom Neuenburger Unternehmerverband.

«Die Arbeiter erhalten netto 2000 Franken», sagte Catherine Laubscher von der Unia Neuenburg. Sie zeigte mehrere Lohnzettel mit Bruttolöhnen zwischen 2300 und 2500 Franken. Gemäss LMV müssten die Gehälter mindestens rund 4500 Franken betragen.

Zusätzlich wiesen die Gewerkschafter darauf hin, dass die Arbeiter nur vier Wochen Ferien bekommen – und nicht die vorgeschriebenen fünf Wochen. Samstagsarbeit werde nicht angekündigt, obwohl das obligatorisch sei.

Gereizte Stimmung

Während die Gewerkschaftsvertreter verärgert ihre Anschuldigungen vortrugen, verfolgte der rumänische Bauunternehmer das Geschehen still im Hintergrund – genauso wie seine rumänischen Arbeiter. Das Wort ergriff sein hinzugerufener Finanzberater. Dieser wies die Vorwürfe lautstark zurück: «Die Arbeiter werden korrekt bezahlt.» Die Lohnzettel seien zwar fehlerhaft ausgestellt, nun aber berichtigt worden, wiederholte er mehrmals. «Natürlich zeigen die Gewerkschaften nicht die später ausgestellten, richtigen Dokumente.»

Die Unia habe für die Protestaktion absichtlich die Baustelle in Praz gewählt und nicht den Firmensitz in Auvernier. «Denn dort hat es nur einen Briefkasten», so Armand Jaquier von der Unia Freiburg.