Mont-Vully 09.09.2017

Frostschäden – nur wenig Vully-Weine

Die Winzer der Region Vully erwarten in diesem Jahr eine deutlich kleinere Ernte.
Wetterbedingt wird der 2016er-Jahrgang der Vully-Weine mengenmässig klein ausfallen.

In diesem Jahr werden die Weinberge in der Region Vully weniger Trauben liefern. «Nach derzeitigen Schätzungen der Winzer werden etwa 60 Prozent einer normalen Ernte eingefahren», teilte gestern die Vereinigung der Vully-Winzer per Communiqué mit. Verantwortlich für die geringe Ernte sei der Spätfrost im Frühjahr. Dieser habe zu grossen Schäden in den Weinbergen geführt, sagt Marylène Bovard-Chervet, Winzerin aus der Region, auf Anfrage. «Glücklicherweise sind später neue Triebe nachgewachsen.» Denn im Sommer herrschten ideale klimatische Bedingungen für das Wachstum der Weinreben. Auch hätten Regenfälle einen Trockenstress der Pflanzen verhindert, schreiben die Vully-Winzer.

Diese guten Bedingungen im weiteren Verlauf des Jahres konnten allerdings die Schäden des Spätfrostes nicht mehr kompensieren. In ihrem Weingut werde sie weniger als 60 Prozent einer normalen Ernte erzielen, sagt Bovard-Chervet. «Deshalb haben wir bereits mit einem Neuenburger Winzer Kontakt aufgenommen, um zusätzliche Weintrauben zu kaufen.» So will die Winzerin den Mengenverlust kompensieren. «Dadurch wird es qualitativ hochwertigen Schweizer Wein geben», sagt sie. Doch hat diese Lösung einen wesentlichen Nachteil: Der Wein darf kein AOC-Siegel für den Vully tragen. «Andere Winzer werden vielleicht den 2016er-Jahrgang länger im Verkauf behalten», meint Bovard-Chervet.

Im Vorjahr sei es mengenmässig eine sehr gute Ernte gewesen, 2015 war dafür wieder ein eher schlechtes Jahr. Damals führte nicht der Frost, sondern grosse Trockenheit zu Ernteeinbussen. erinnert Bovard-Chervet. Mangels Wasser wuchsen zu kleine Weinbeeren. In der Region Vully habe es in diesem Jahr nur geringe Probleme mit Pilzkrankheiten gegeben. Dies verdanke man dem trockenen Wetter in der Jahresmitte. Auch Schädlinge verursachten keine grösseren Probleme. Während die zu erwartende Weinquantität bei den Winzern Sorgenfalten hervorruft, sieht es bezüglich Qualität deutlich besser aus. «Die Reife und der Zuckergehalt sind bereits gut und lassen auf einen sehr guten Jahrgang schliessen», so die Einschätzung der Vully-Winzer. Sie teilen mit, dass die Vorbereitungen für die Ernte auf Hochtouren laufen. Bovard-Chervet plant, mit der Ernte am 18. September zu beginnen. Bis dahin wünscht sie sich «schönes Wetter mit kühlen Nächten und warmen Tagen».

«Durch den Spätfrost im Frühjahr haben wir grosse Schäden in den Weinbergen des Vully erlitten.»

Marylène Bovard-Chervet

Winzerin aus der Region Vully

Zahlen und Fakten

Sogar das Tessin hatte Frostschäden

Der Spätfrost traf nicht nur die Winzer in der Region Vully. «Fast alle Weinbaugebiete in der Schweiz waren betroffen», sagt François Montet, Präsident der Waadtländer Winzer. Sogar im Tessin gebe es einige Einbussen. Geringere Schäden hätten Weinbauern in der Waadt und Neuenburg erlitten. Für die gesamte Schweiz erwartet Montet eine gute Weinqualität. Dies sei der guten Witterung im Frühjahr und Sommer zu verdanken: «Es war sehr heiss, und es gab nur wenig Regen.» Hagel habe nur sehr kleine Flächen geschädigt.

jmw