Kerzers 08.11.2017

«Die Landwirte sind sensibilisiert»

Die Landwirte können bei der Weizenernte von diesem Jahr gute Erträge verbuchen.
Die Delegierten des Schweizerischen Getreideproduzentenverbandes fordern die Stärkung der einheimischen Produktion. Ausserdem waren Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat Thema an der gestrigen Versammlung.

«Die Lage ist ernst», sagte der Freiburger Präsident des Schweizerischen Getreideproduzentenverbandes (SGPV), Fritz Glauser, gestern an der 31. Delegiertenversammlung in Kerzers. Mit seinem Dokument zur Entwicklung der Landwirtschaft habe der Bundesrat dem Ackerbau in der Schweiz das Todesurteil ausgesprochen. «Wir können nicht akzeptieren, dass der Bund die Ernährung in der Schweiz von Importen abhängig macht», sagte Glauser in seiner Eröffnungsrede. Deshalb schlage der Vorstand eine Resolution an den Bundesrat vor. Diese fordert, den Volksentscheid über die Ernährungssicherheit vom 24. September umzusetzen. Zudem soll die Landwirtschaft nicht als Tauschobjekt der Frei­handelsabkommen dienen. «Der Bundesrat soll die Zukunft der Schweizer Landwirtschaft überarbeiten und dabei die einheimische Produktion an die erste Stelle setzen», betonte Glauser.

Ohne Ausnahme sagten alle Delegierten Ja zu der Resolution. Nach der Abstimmung ergriff ein Delegierter das Wort: «Bundesrat Johann Schneider-Ammann versteht nichts von Landwirtschaft, hat aber leider viel zu sagen.» Gleichzeitig sei er wegen Steueroptimierungen in die Schlagzeilen geraten. «Für solche Leute gilt nur eins: Geh raus», sagte der Votant. Fritz Glauser sagte, dass der Bundesrat die rote Linie überschritten habe. Vier der sieben Bundesräte hätten sich für das Papier ausgesprochen.

Weniger Chemie ist gefragt

Mit dem Aktionsplan des Bundesrates zur Reduktion der Risiken von Pflanzenschutzmitteln sieht es anders aus: Der sei grundsätzlich zu begrüssen, sagte Glauser. Die konkrete Umsetzung bleibe jedoch schwammig, gab der Grossrat aus Châtonnaye zu bedenken.

Zu diesem Thema sprach Olivier Félix als Vertreter des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) zu den Delegierten in Kerzers und erklärte den Aktionsplan. Der Bundesrat will, dass die Risiken beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln halbiert und Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz gefördert werden. Zu den Pflanzenschutzmitteln gehören Pestizide, Fungizide und Herbizide wie zum Beispiel Glyphosat. Diese Substanz ist weltweit das am häufigsten eingesetzte und zugleich das umstrittenste Herbizid. Es steht im Verdacht, krebserregend zu sein und die Biodiversität zu schädigen. «Die Produzenten haben oft aber keine andere Wahl, als ihre Kulturen mit Pflanzenschutzmitteln zu schützen», führte Olivier Félix vom BLW aus. Denn ohne Schutz müssten die Landwirte mit rund 40 Prozent Ernteausfällen rechnen. Zugleich seien die Anforderungen der Konsumenten hoch. Deshalb gehe es nun darum, neue technische Möglichkeiten zu entwickeln, um den Einsatz der Mittel zu reduzieren.

«Der Druck ist da»

«Wir haben den Einsatz der Mittel bereits deutlich reduziert und spritzen gezielter», sagte Fritz Herren, Landwirt aus Lurtigen, im Anschluss an die Versammlung gegenüber den FN dazu. Die Bauern seien bestrebt, das Ökosystem intaktzuhalten. «Die Landwirte sind sensibilisiert.» Und auch der Druck seitens der Behörden sei da, «insbesondere durch Stichproben als ökologischer Nachweis», sagt Herren. «Rückstände sind bei Proben nachweisbar», ergänzte der Landwirt Thomas Curty aus Kleinbösingen. Zudem sei kein Landwirt daran interessiert, zu viel Pflanzenschutzmittel auf seinen Feldern auszutragen, «die Mittel kosten ja auch». Je nach Wetterbedingungen müsse er mehr oder weniger spritzen, erklärte Curty: «Dieses Jahr haben wir bei den Kartoffeln rund einen Drittel weniger Fungizide gebraucht als im Jahr davor.» Eine weitere Reduktion der Mittel können sich Herren und Curty nur mit einer verbesserten Anwendungstechnik vorstellen.

Ernte

Balsam für die Seele des Bauern

Trotz schwieriger Wetterbedingungen können sich die Getreideproduzenten in diesem Jahr über gute Erträge bei Getreide und Raps freuen. Dies sagte Präsident Fritz Glauser an der Delegiertenversammlung des Schweizerischen Getreideproduzentenverbandes gestern in Kerzers. «Und die Freude über die gute Ernte ist noch grösser, weil sie auch von guter Qualität ist.» Nach den katastrophalen Erträgen 2016 sei dieses Jahr Balsam für die Seele der Landwirte.

emu