Murten 21.04.2017

Die erste Rechnung schliesst positiv

In Murten budgetiert die Verwaltung vorsichtig – und sie reizt das Budget nicht aus, wenn es nicht nötig ist.
Auf das Jahr 2016 haben Jeuss, Lurtigen, Salvenach und Courlevon mit Murten fusioniert. Die erste Rechnung der neuen Gemeinde schliesst mit schwarzen Zahlen – und um 2,8 Millionen Franken besser als budgetiert.

Die Rechnung 2016 der Gemeinde Murten schliesst positiv ab – und erfolgreicher als budgetiert. Das war schon in den Vorjahren so. Trotzdem ist die Rechnung 2016 eine besondere, denn sie ist die erste nach der Fusion des Stedtlis mit Jeuss, Lurtigen, Salvenach und Courlevon. «Wir mussten die Datenbank aufbauen und 1500 neue Einwohner integrieren», sagt der Murtner Finanzverwalter Pierre Spielmann den FN. Das habe der Verwaltung im letzten Jahr zusätzlichen Aufwand beschert. Doch eine negative Überraschung sei ausgeblieben. «Im Gegenteil, wir hatten gerade bei den Steuereinnahmen in den Fusionsgemeinden höhere Einnahmen als erwartet», sagt Spielmann. So hat Murten rund 524 000 Franken mehr an Einkommenssteuern eingenommen als budgetiert, und 305 000 Franken mehr an Vermögenssteuern. Das ist aber einmalig: Dies gab es nur, weil die Fusionsgemeinden die Steuereinnahmen anders abgebucht haben als Murten.

Nebst den Steuern hat auch der positive Abschluss des Gemeindeverbands der Orientierungsschule der Region Murten (OSRM) zur guten Rechnung beigetragen: Der Kostenanteil für die Gemeinden sinkt – für Murten macht das immerhin 220 000 Franken aus.

Auf die Rechnung wirkt sich auch positiv aus, dass die langfristigen Schulden nun mit einem Schuldzins von zwei statt wie bisher drei Prozent verrechnet werden. So muss die Gemeinde rund 250 000 Franken weniger Schuldzinsen im Jahr berappen. Und weil die Industriellen Betriebe Murten neu als Darlehen im Finanzvermögen geführt werden, sinkt die Nettoverschuldung (siehe auch blauer Kasten).

Die Gemeinde hat einige Investitionen zurückgestellt – unter anderem im Hallen-, Schwimm- und Strandbad. «Das ist uns wichtig», sagt Spielmann: «Wir geben nicht einfach Geld aus, nur weil das Budget dies so vorsah.» Beim Schwimmbad beispielsweise sei es besser, die Arbeiten später auszuführen, weil ja nun auch das Restaurant des Bades saniert werde.

Auch bei den Stellen in der Verwaltung hat sich Murten zurückgehalten. «Im ersten Jahr nach der Fusion war der Arbeitsaufwand gross, das haben wir mit Überstunden abgedeckt», sagt Spielmann. «Nun wollen wir sehen, wie sich das einpendelt und ob wir mehr Stellen brauchen oder nicht.»

Auch der Gemeinderat hat seinen – wenn mit 19 000 Franken auch kleinen – Teil zum guten Ergebnis beigetragen: Er trifft sich nur noch alle zwei statt jede Woche. Das klappe gut, sagt Spielmann: Murten funktioniere nach dem Modell der Geschäftsleitung, so dass nicht alle Geschäfte in den Gemeinderat kämen. «Einige Sitzungen waren reich befrachtet, doch im Allgemeinen hat sich der neue Sitzungsrhythmus bewährt.»

Zahlen und Fakten

Nettoverschuldung ist gesunken

Bei einem Gesamtaufwand von rund 42 Millionen Franken schliesst die Rechnung 2016 der Gemeinde Murten mit einem Ertragsüberschuss von 4,4 Millionen Franken. Budgetiert war ein Überschuss von 1,6 Millionen. Das Finanzvermögen ist um rund 18,7 Millionen Franken gestiegen. Dazu beigetragen hat die neue Finanzierungsstruktur der Industriellen Betriebe Murten, die neu mit einem Darlehen von 16 Millionen Franken im Finanzvermögen geführt werden. Die Nettoverschuldung betrug Ende Dezember 10,9 Millionen Franken; im Vorjahr waren es 22,5 Millionen. Pro Kopf macht das 1353 Franken aus; 2015 waren es 3453 Franken.

njb

Feuerwehrersatzabgabe

Zahlen die Murtnerinnen und Murtner künftig weniger?

Seit 2014 ist die Höhe der Feuerwehrpflichtersatzabgabe in der Stadt Murten nicht mehr an das Einkommen gebunden: Alle Murtnerinnen und Murtner zahlen seither gleich viel, wenn sie sich nicht in der Feuerwehr engagieren – nämlich 300 Franken.

Die Rechnung 2016 der Gemeinde Murten (siehe Haupttext) verbessert sich dank diesem Pro-Kopf-Beitrag nun im Vergleich zum Budget um 498 000 Franken – «aufgrund der Erkenntnisse aus den definitiven Zahlen», wie es dazu im Kommentar des Gemeinderats heisst. Alleine aus den Jahren 2014 und 2015 fliessen 398 000 Franken mehr als geplant in die Stadtkasse. Doch wie konnte die Stadt sich in diesem Punkt verrechnen? Die Anzahl der Einwohnerinnen und Einwohner war ja bekannt, als die Summe der Pro-Kopf-Abgabe ins Budget gesetzt wurde. «Wir wussten nicht, wie viele Leute eine tiefere Abgabe beantragen», sagt dazu Finanzverwalter Pierre Spielmann. Denn wer ein sehr tiefes Einkommen hat oder studiert, kann ein Gesuch für eine tiefere Feuerwehrabgabe stellen. Und dies taten sehr viel weniger Murtnerinnen und Murtner, als die Gemeinde erwartet hatte. «Wir werden nun überlegen, ob wir die Abgabe senken, da mehr Leute die volle Abgabe bezahlen, als wir dachten», sagt Spielmann den FN.

njb