Murten 05.12.2017

Das Tiefbauamt versenkt 35 000 Franken

Die Verkehrsinseln markieren den Anfang und das Ende der Abbiegespur zur neuen Tankstelle Löwenberg.
Die neuen Verkehrsinseln bei der Tankstelle Löwenberg sollen für einen besseren Verkehrsfluss sorgen. Doch das Tiefbauamt hat ein Detail vergessen. Während Autos und Camions passieren können, bleiben die Schneepflüge stecken: Die Inseln sind zu breit.

Ein Schildbürgerstreich, wie er im Buche steht: Vor kurzem haben Arbeiter auf der Hauptstrasse Löwenberg bei der Tankstelle (siehe Box) zwei Verkehrsinseln gebaut. Dann kam die grosse Überraschung: Die Pflüge der Schneeräumfahrzeuge passen nicht durch, denn die neuen Verkehrsinseln sind zu breit. Deshalb müssen sie abgebrochen und neu errichtet werden.

 

«Aufgrund eines Flüchtigkeits­fehlers an über­geordneter Stelle wurde eine falsche Breite bewilligt.»

Stefan Portmann

Bauverwalter der Stadt Murten

 
 

Publik machte das die Bauverwaltung der Gemeinde Murten. In einer Mitteilung wies Stefan Portmann, Bauverwalter der Stadt Murten, alle Schuld von sich: «Aufgrund eines Flüchtigkeitsfehlers an übergeordneter Ste­lle wurden die Verkehrsinseln mit einer falschen Breite bewilligt.»

Der Abbruch und der Neubau der beiden Verkehrsinseln kosten 35 000 Franken. Das gibt Corinne Rebetez, Mediensprecherin der Raumplanungs-, Umwelt- und Baudirektion (RUB), gestern auf Anfrage bekannt und übernimmt die Verantwortung: «Es handelt sich um einen Fehler des Tiefbauamts.»

Schneepflug von der Autobahn

Die Mitarbeiter, die die Baubewilligung ausgestellt hatten, vergassen, dass die Autobahnfahrzeuge des Bundesamts für Strassen (Astra) auf einem Teil der Kantonsstrasse den Schnee räumen. Das geschehe aus praktischen Gründen, erklärt Rebetez: Um Schneeablagerungen am Ende der Autobahnabfahrt zu verhindern, fahren die Räumfahrzeuge mit gesenktem Pflug weiter auf der Kantonsstrasse und von dort zurück auf die Autobahn.

Nach jahrelangen Hickhack wurde die Löwenberg Tankstelle erst gerade eröffnet.

Diese Räumfahrzeuge haben breitere Pflüge als die kantonalen Fahrzeuge. Bei den Verkehrsinseln bei der Tankstelle im Löwenberg bleiben sie daher stecken. Die Fahrer haben eine provisorische Lösung gefunden. «Die Pflüge werden vor dem Passieren der Verkehrsinseln angehoben», sagt Rebetez. Dennoch solle die Verkleinerung der Verkehrsinseln unverzüglich in Angriff genommen werden.

«Bei den 35 000 Franken handelt es sich um einen kleinen Betrag im Gesamtbudget des Tiefbauamtes.»

Jean-François Steiert

Staatsrat (SP)

 

Bei der Tankstelle passieren regelmässig Schwertransporte. Für diese seien die zu breiten Verkehrsinseln kein Problem, sagt Rebetez. Denn deren Ladefläche liege höher als die Verkehrsinseln, während die Schneepflüge zwischen den Inseln und dem Trottoir durchpassen müssen. Die Kosten für den Abriss und den Neubau der Verkehrsinseln bezahlt nicht die Gemeinde oder der Bauherr, sondern das Tiefbauamt. Gegenüber den FN sagt Staatsrat Jean-François Steiert (SP): «Bei den 35 000 Franken handelt es sich um einen kleinen Betrag im Gesamtbudget des Tiefbauamtes. Wir werden diese Kosten mit Geld aus unserem laufenden Budget bezahlen.»

Das City-Parking in Murten liefert auch neuen Gesprächstoff.

Steiert glaubt nicht, dass sich der Fehler, wie er im Löwenberg geschah, wiederholen wird. «Dass Schneeräumfahrzeuge der Astra auf einer Kantonsstrasse fahren, ist sehr selten», sagte er gegenüber den FN. Mit einer Nachfrage beim Astra wäre der Fehler nicht passiert. Es seien interne Massnahmen ergriffen worden, «um ein solches Versehen in Zukunft zu verhindern». Genauere Auskünfte könne er nicht geben.

Zur Haftung des Mitarbeiters des Tiefbauamtes erklärt der Staatsrat: «Er muss den finanziellen Schaden nicht übernehmen. Der öffentliche Dienst und auch die Privatwirtschaft kennen – ausser bei schwerem Verschulden – keine Individualhaftung.»

Chronologie

Ein Tankstellenbau mit Hindernissen

Die zwei Verkehrsinseln wurden wegen der neuen Tankstelle Löwenberg errichtet. Zwischen ihnen befindet sich die Abbiegespur, die die von Kerzers kommenden Fahrer nutzen werden, um zur Tankstelle zu gelangen. Das Baugesuch für die Tankstelle wurde bereits im November 2012 eingereicht. Der Bauherr, die Firma Gustoil, erhielt fast dreieinhalb Jahre später die Baubewilligung. Die Tankstelle konnte jedoch nicht öffnen. Es gab nämlich Diskussionen zwischen der Baudirektion und dem Bauherrn wegen der Einspurstrecke. Zur Einigung kam es im Oktober. Die zu breiten Verkehrsinseln sollen die Eröffnung aber nicht weiter verzögern, so die Bauverwaltung von Murten. Der zuletzt genannte Termin war das erste Quartal 2018.

jmw