Bulle 11.01.2017

Zwei Jahre auf Bewährung für den Ex-Chef einer Uhrenfirma

Als Geschäftsführer einer Uhrmacherfirma hat sich ein 48-Jähriger jahrelang persönlich bereichert. Nun wurde er vom Wirtschaftsstrafgericht verurteilt.

Versicherungsbetrug in Millionenhöhe, simulierte technische Arbeitslosigkeit und gefälschte Lohnabrechnungen: Die Anklageschrift füllte insgesamt zehn Seiten. Von 2005 bis 2014 hatte ein Mann als Geschäftsführer eine Firma aus Bulle, die Uhren herstellte und mit ihnen handelte, in den Ruin getrieben. Die Unternehmung ging Konkurs; 27 Arbeitsplätze fielen dem betrügerischen Gebaren des Mannes zum Opfer.

Gestern Nachmittag sprach ihn das Freiburger Wirtschaftsstrafgericht des Betrugs, des unlauteren Wettbewerbs, der Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung und des Steuerbetrugs schuldig. Der 48-jährige Mann aus dem Greyerzbezirk gab alle Tatbestände zu und zeigte sich reuig. Im vereinfachten Verfahren wurde er zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten auf fünf Jahre Bewährung verurteilt.

Während seiner Zeit an der Spitze des Familienunternehmens hatte sich der Mann mehrmals im Firmenvermögen bedient. So finanzierte er für rund 400 000 Franken Renovationsarbeiten an seiner Villa aus der Unternehmenskasse. Weiter veruntreute der Mann hohe Summen: Er liess insgesamt 650 000 Franken, die eigentlich der Unternehmung zugutekommen sollten, in seine Tasche fliessen. Eine Goldgrube stellten die Einnahmen für Reparaturen dar: Der Chef liess seine Angestellten Uhren reparieren und steckte die Gewinne direkt ein. Ausserdem unterschlug der Mann in den Steuererklärungen der Firma von 2005 bis 2014 eine Summe von 1,7 Millionen Franken. Auch in seiner privaten Steuererklärung gab er stets nicht alle Einkünfte korrekt an.

Der betrügerische Firmenchef zeigte sich durchaus auch spendabel: Im Namen der Firma gewährte er Nahestehenden zinslose Darlehen, und er spendete insgesamt gegen 268 000 Franken für wohltätige Zwecke.

Bei der Urteilsverkündigung gestern Nachmittag rechnete Gerichtspräsident Alain Gautschi dem Angeklagten an, dass er sich im Verfahren von Anfang an kooperativ verhalten hatte. Zu der milden Strafe sei es auch gekommen, weil der 48-Jährige nicht vorbestraft sei und keine privaten Gläubiger geschädigt habe, so ­Gautschi.

Der Verurteilte hat den Grossteil seiner Schulden bereits abbezahlt. Noch schuldet er dem Fiskus rund 800 000 Fran­- ken.

bearbeitet von fg/FN