Estavayer-le-Lac 12.02.2018

Zehn Monate Gefängnis für Casanova

Bereits zum neunten Mal wurde ein Mann wegen Betrugs verurteilt. Er hatte sich als gut verdienender Masseur ausgegeben und Frauen um ihre Ersparnisse gebracht.

Seit 2008 wurde ein 58-Jähriger aus dem Broyebezirk acht Mal wegen Betrugs verurteilt. Am Freitag gab das Gericht des Broyebezirks das neunte Urteil bekannt. Wegen gewerbsmässigen Betrugs und Urkundenfälschung muss der Mann für zehn Monate hinter Gitter. Vierzehn Monate Haft werden zur Bewährung ausgesetzt, mit einer Frist von fünf Jahren. Für einen Verstoss gegen das Gesundheitsgesetz legt das Gericht dem Mann eine Busse von 100 Franken auf.

Über 40 000 Franken Schaden

Von 2012 bis 2016 gehörten sechs Autogaragen, fünf Frauen, zwei Veloverkäufer, eine Stiftung, die Essen ausliefert, und ein Bettwarenunternehmen zu den Geschädigten. Laut Anklageschrift stellte sich der Angeklagte bei den Frauen als gut verdienender Osteopath oder Masseur vor. In Wahrheit erhält der Mann eine IV-Rente und Ergänzungsleistungen. Die Frauen gingen mit ihm eine Beziehung ein. Bald bat er sie um Geld oder um ihr Auto. Das geliehene Geld – Beträge zwischen 350 und 3500 Franken – hat der Angeklagte bis heute nicht zurückgezahlt. Sein Versprechen, für die Nutzung der Autos zu zahlen, hielt er ebenfalls nicht ein. Er weigerte sich gar, die Fahrzeuge zurückzugeben.

Ein «Schönredner»

Der Angeklagte lebte mehrere Monate bei einer der Frauen. Diese berichtete dem Gericht, dass der Mann ihre Post an sich genommen habe, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Er habe das mit seinem höheren Gehalt begründet. Tatsächlich bezahlte er aber keine der Rechnungen. Die eintreffenden Mahnungen versteckte er vor der Geschädigten. Erst spät habe sie erkannt, dass er sie manipulierte und ein Schönredner sei, sagte die Frau vor Gericht.

Bei den Autohäusern mietete der Mann Fahrzeuge, ohne eine Kaution zu entrichten oder die Miete zu zahlen. Stattdessen präsentierte er mehrmals gefälschte Überweisungsbelege und gab die Autos verspätet zurück. Auch teure Velos und Bettwaren kaufte er, ohne sie zu bezahlen, genauso wie das Essen, das ihm eine Stiftung lieferte. Insgesamt belaufe sich der Schaden auf über 40 000 Franken, hält der Richter Jean-Benoît Meuwly in seinem Urteil fest.

Schlechte Prognose

Er stellt dem Mann eine negative Prognose aus. Denn seine Vorstrafen hätten ihn nicht von neuen Taten abgehalten. Auch habe er nicht wie versprochen begonnen, den Schaden zurückzuzahlen. Zudem bleibe seine Fähigkeit zur Selbstbeobachtung «recht eingeschränkt». Vor Gericht verwies der Täter auf seine bipolare Störung.

In seinem Urteil erkennt das Gericht eine «leichte bis mittlere Einschränkung der Verantwortlichkeit» an und verfügt eine ambulante psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung.