Freiburg 20.03.2017

Soziale Medien bieten Bauern viel Potenzial

Der Facebook-Eintrag zum ersten Rhabarber im Freiburger Seeland löste ein grosses Echo aus.
Möglichst lokal, gesund und naturverbunden: Die aktuellen Lifestyle-Trends spielen den Landwirten in die Karten. Nutzen sie gleichzeitig die Sozialen Medien und das Internet, um ihre Produkte anzupreisen, können sie viele potenzielle Kunden erreichen.

«Wer hat Lust auf frischen Rhabarberkuchen?» Diese Frage, einige Bilder der frisch geernteten Rhabarberstängel und der Hinweis, dass es diese im Hofladen von Gutknecht Gemüse in Ried bei Kerzers ab jetzt zu kaufen gibt, veröffentlichte Pascal Gutknecht Ende Februar via Facebook. Damit hat er etwas ausgelöst, was er so nicht erwartet hätte. Der Post erreichte 4500 Leute, Gutknecht erhielt aus der ganzen Schweiz Anfragen, ob sie Rhabarber liefern könnten. Sogar Grosskunden, mit denen Gutknecht Gemüse bereits zusammenarbeitet, wurden auf den Eintrag aufmerksam und meldeten ihr Interesse an. Doch solch grosse Mengen von Rhabarber waren gar nicht vorhanden. Es war denn auch nicht das Ziel, mit diesem Facebook-Post so viel Rhabarber wie möglich zu verkaufen. «Wir wollten die Leute neugierig machen und dazu animieren, im Frühling wieder vermehrt lokales Gemüse einzukaufen», erklärt Pascal Gutknecht, Mitinhaber des Unternehmens. Mit einer eigenen Website ist Gutknecht Gemüse seit drei Jahren auf dem Internet präsent. Der Startschuss fiel, als der Hofladen eröffnet wurde. Kurze Zeit später kam das Facebook-Profil hinzu und vor einigen Wochen das Instagram-Konto. «Erst war es nur eine Spielerei, heute nutzen wir Facebook und Co. regelmässig», sagt Pascal Gutknecht, im Unternehmen zuständig für Verkauf und Logistik. Zwei bis drei Stunden pro Woche wende er dafür auf. «Für mich ist es Learning by Doing», sagt der 37-Jährige.

Eine nachhaltige Wirkung

Was Gutknecht Gemüse diese Social-Media-Interaktivität bringe, sei nicht in Zahlen messbar. Sie lohne sich aber auf jeden Fall. «Wichtig ist, dass wir präsent sind und als Lieferant im Gespräch bleiben.» Der Rhabarber-Post, der unter anderem eine Anfrage eines Grosskunden ausgelöst hat, sei ein gutes Beispiel dafür. «Dieser Grosskunde sieht uns nun als aktive und innovative Produzenten.» Pascal Gutknecht, Vize-Präsident der Gemüseproduzenten-Vereinigung der Kantone Bern und Freiburg, würde sich wünschen, dass die Gemüsebauern vermehrt Online-Kanäle nutzen. «Leider ist das noch zu wenig verbreitet. Mir müssen stärker in die Offensive gehen und Öffentlichkeitsarbeit und Imagepflege betreiben», findet er.

Bio-Produzenten sind voraus

Es liegen keine Zahlen vor, wie viele Bauern in der Schweiz die Online-Kanäle für ihren Betrieb nutzen, sagt Matthias Singer, Leiter Online-Medien beim Schweizerischen Bauernverband. In den vergangenen zwei bis drei Jahren sei das Interesse an der Nutzung der Sozialen Medien aber gestiegen. Vor allem Facebook sei wichtig geworden, aber auch Youtube oder Twitter. Die Inhalte seien sehr unterschiedlich. Einige würden schlicht auf einer Website ihren Betrieb vorstellen, andere werben auf Facebook für Anlässe und Produkte oder stellen Videos auf Youtube, um auf sich aufmerksam zu machen. «Die Bioproduzenten sind wohl aktiver. Das hat damit zu tun, dass viele von ihnen Direktvermarkter sind», so Singer. Social Media sei ein Hilfsmittel, um die Distanz zwischen den Bauernfamilien und ihren potenziellen Kunden zu verkürzen. Denn viele wohnen abgelegen und haben keine oder nur wenig Laufkundschaft.

Zeitfaktor spielt eine Rolle

Landwirt Andreas Schwaller aus St. Antoni ist Direktvermarkter und führt zusammen mit seiner Frau seit bald zehn Jahren einen Laden auf dem eigenen Hof. Sie haben eine Website, die über die Angebote des Ladens informiert, in den Sozialen Medien sind sie aber nicht präsent. «Ich bin mir bewusst, dass das eine gute Sache wäre und wir diese Kanäle vermehrt nutzen sollten», sagt er. Zum Beispiel, um im Frühling die ersten Spargeln im Laden anzupreisen. Er müsste sich einfach auch Zeit nehmen dafür, was im Arbeitsalltag nicht einfach sei, sagt And­reas Schwaller. Aus zeitlichen Gründen hat er schon die Bewirtschaftung der Website extern vergeben.

Eva Flückiger, Beraterin am Landwirtschaftlichen Institut Grangeneuve, bietet seit 2013 Kurse für die Nutzung der Neuen Medien an. «Die Präsenz auf dem Internet ist ein wichtiges Thema bei den Bauern, vor allem bei der jungen Generation», sagt sie. Aus ihrer Sicht werden Facebook, Twitter und Co. noch zu wenig eingesetzt, um etwa für Hofläden und Anlässe auf Bauernhöfen zu werben. «Oft scheitert es am zeitlichen Einsatz. Es ist mit Aufwand verbunden, eine Website à jour zu halten», so Eva Flückiger. Sie ist aber überzeugt, dass die Bauernfamilien die Sozialen Medien mit dem Generationenwechsel immer mehr einsetzen werden.

In der Bevölkerung sei das Bedürfnis nach solchen Inhalten gross, sagt Matthias Singer vom Bauernverband. Dies sei auf die aktuellen Trends zurückzuführen: Zurück zu mehr Natur, bewusste Ernährung und lokale Produkte. Dem ist sich auch Gemüsebauer Pascal Gutknecht bewusst. «Vor zehn Jahren hätte dieser Facebook-Post wohl kaum jemanden interessiert. Heute stehen Ernährung, Gesundheit und Eigenversorgung viel mehr im Fokus». Wer die Neuen Medien dafür nutzen kann, profitiert.

«Oft scheitert es am zeitlichen Einsatz. Denn es ist mit Aufwand verbunden, eine Website à jour zu halten.»

Eva Flückiger

Beraterin am Landwirtschaftlichen Institut Grangeneuve

«Wir müssen stärker in die Offensive gehen und Öffentlichkeitsarbeit und Imagepflege betreiben.»

Pascal Gutknecht

Mitinhaber Gutknecht Gemüse