Wileroltigen 08.08.2017

Polizei klärt Sicherheitslage ab

Mit verschiedenen Transparenten in und um das Dorf machen die Wileroltiger auf ihr Anliegen aufmerksam.
Der Kampf in Wileroltigen gegen den geplanten Transitplatz für Fahrende löst teils heftige Reaktionen aus. Deshalb ist noch offen, ob der angekündigte Informationsanlass nächsten Montag überhaupt stattfinden kann. Die Polizei erarbeitet ein Gefahrenbild.

Seit rund drei Wochen macht sich die bernische Gemeinde Wileroltigen gegen einen geplanten Transitplatz für Fahrende auf dem Gemeindegebiet stark. Kerzers versprach Wileroltigen als Nachbargemeinde ihre Unterstützung. Mit Transparenten vor Ort, der Bildung eines Bürgerkomitees und mithilfe Sozialer Medien machten die Wileroltiger ihr Anliegen pub­lik (siehe Kasten). Doch nun wächst ihnen das Ganze über den Kopf: Schlagabtausche und teils heftige Kommentare aus der ganzen Schweiz auf Facebook führten dazu, dass die Site des Bürgerkomitees Wileroltigen geschlossen werden musste. Ob der geplante Informationsanlass mit dem Berner SVP-Regierungsrat Christoph Neuhaus nächsten Montag angesichts der angespannten Lage über die Bühne gehen kann, ist deshalb noch völlig unklar: «Die Kantonspolizei erarbeitet bis am Mittwochabend ein Gefahrenbild», erklärt Christian Grossenbacher, Gemeindepräsident von Wileroltigen, den FN. Die Gemeinde werde frühestens am Donnerstag entscheiden, ob sie den Anlass durchführt oder nicht. «Die Kosten für einen allfälligen Polizeieinsatz muss die Gemeinde als Veranstalter auf jeden Fall selber bezahlen», hält der parteilose Gemeindepräsident fest.

Das Thema beschäftigt die Bewohner.

In dem Aufruf zum Informationsanlass am Montag steht vor dem offiziellen Teil Festwirtschaft auf dem Programm. «Wir dachten, dem schweren Thema damit etwas Leichtes geben zu können.» Doch das sei wohl keine gute Idee gewesen: «Eine Stunde vor dem offiziellen Teil Bier auszuschenken, ist wohl wirklich das Dümmste, was wir machen können.» Wie das Programm für den eventuellen Infoanlass aussieht, sei deshalb ebenfalls noch offen. «Das werden wir gemeinsam mit dem Bürgerkomitee besprechen», sagt Grossenbacher. Er sei froh, dass er mit Daniel Schwaar (BDP) einen Grossrat in der Gemeinde habe, der sich stark einbringt.

Rechte und Linke mobilisieren

Grossenbacher gibt zu, kein so grosses Echo erwartet zu haben. «Wir haben unser Ziel erreicht, auf unser Anliegen aufmerksam zu machen, vielleicht haben wir schon zu viel gemacht.» Denn wenn sich am Montag über 1000 Menschen auf dem Platz vor dem Gemeindehaus versammeln, «wird es eng in unserem Dorf». Und so viele seien wahrscheinlich zu erwarten: «Sowohl die Linke als auch die Rechte ist auf den Zug aufgesprungen und benutzt das Thema, um sich gegenseitig zu bekämpfen.» Es sei nie das Ziel der Gemeinde gewesen, so viele und teils unangebrachte Reaktionen auszulösen. Auch sei der Wileroltiger Gemeinderat nicht gegen Fahrende. «In den letzten Jahren hat es recht gut funktioniert, diesmal wurde es aber zu viel.» Dasselbe Szenario jedes Jahr durchmachen zu müssen, gehe jedoch gar nicht: «Wir wollten schlicht und einfach klar darauf hinweisen, dass wir keinen dauerhaften Transitplatz für Fahrende auf unserem Gemeindegebiet wollen.» Denn das würde nicht gut kommen: «Mit den Jahren würde das zu Mord und Totschlag führen», ist Grossenbacher überzeugt. Und das sei nicht nur in Wileroltigen so: «Kleine Gemeinden wie wir sind schlicht überfordert, und es gibt überall fünf bis zehn Prozent extreme Bürger.» Den Zusatzaufwand jeden Sommer stemmen zu müssen, würde zu Streit führen. «Wir haben keine Angestellten im Werkhof», gibt der Präsident der 370-Seelen-Gemeinde zu bedenken. «Für eine grössere Gemeinde wie Köniz wäre es wohl weniger ein Problem.» Aber meist treffe es die kleinen Gemeinden. «Wir wollen das Thema deshalb in die Regionalkonferenz einbringen und so eine Lösung suchen.» Ein Antrag dazu sei in Bearbeitung.

Gestern besetzten noch rund fünfzig Wohnwagen ein Feld neben dem Autobahnrastplatz in Wileroltigen. Die rund 200 Fahrenden stammen laut Grossenbacher mehrheitlich aus Frankreich. Ursprünglich waren es rund 500 Fahrende aus Spanien, Italien und Frankreich. Mehr als die Hälfte habe den vereinbarten Abreisetermin Ende Juli eingehalten, sagt Grossenbacher. «Aber eben nicht alle.» Mit rechtlichen Mitteln gegen die Besetzung anzukämpfen sei kaum möglich und dauere ewig, so der Gemeindepräsident.

Chronologie

Bund ist Besitzer des Landstücks

Seit Anfang Juni gleicht die Wiese neben dem Autobahnrastplatz Wileroltigen einem Campingplatz: Fahrende halten eine Wiese besetzt. Zuerst liessen sie sich auf dem Rastplatz selber nieder, nun sind sie auf dem Feld nebenan. Anfänglich waren es rund 200 Fahrzeuge, seit Anfang August noch rund 50. Das Bundesamt für Strassen (Astra) ist Besitzerin des Landes und lässt die Fahrenden zurzeit gewähren. Unbeliebt machen sich die Fahrenden bei den Wileroltigern insbesondere, weil sie die umliegenden Felder als Toiletten benutzen. Mitte Juli kündigte der Berner Regierungsrat Christoph Neuhaus an, an dem Standort die Einrichtung eines definitiven Transitplatzes für Fahrende zu prüfen. Daraufhin organisierte die Gemeinde ein Treffen und machte dagegen mobil.

emu