Courtepin 10.01.2017

«Nose-to-Tail» als Antwort auf Food Waste

Nur ein kleiner Teil des Tieres landet auf der Fleischtheke.
Die vollständige Verwertung des Tieres nach dem Schlachten wird wieder zum Trend. Auch die Micarna engagiert sich dafür.

In der westlichen Gesellschaft ist Foodwaste sehr verbreitet. Das bedeutet, dass grosse Mengen von noch essbaren Lebensmitteln verschwendet werden. Jedes Jahr gehen zwei Millionen Tonnen einwandfreie, in der Schweiz produzierte Lebensmittel verloren. Das entspricht jeden Tag fast einer ganzen Mahlzeit pro Person. In der Schweiz werden Fleischnebenprodukte wie Innereien, Schweinefüsse oder Fettgewebe noch zu wenig genutzt. Gemäss einer Studie des WWF liegt darin die Hauptursache für die Lebensmittelverschwendung. Nur wenn eine entsprechende Nachfrage vorhanden ist, können neue Produkte aus ansonsten verlorenen Lebensmitteln entwickelt und verkauft werden.

Zurück zu Kutteln und Zunge

Unter «Nose-to-Tail» versteht man die vollständige Verwertung des Tieres nach dem Schlachten. Alle Teile, die sonst verloren gingen, sollen dabei als Lebensmittel verwendet werden, so wie es früher gemacht wurde. «Nose-to-Tail» hat in der Schweiz nämlich Tradition: Zahlreiche Landgasthöfe bieten in der Herbstzeit zur «Metzgete» entsprechende «Nose-to-Tail»-Speisen wie etwa Kutteln oder Zunge an. In den Schweizer Haushalten geht aber das Wissen, wie das ganze Tier verwertet werden kann, immer mehr verloren. Das verbreitete Fastfood verdrängt «Nose-to-Tail»-Gerichte von der Speisekarte. Die Nebenprodukte zu verarbeiten braucht zudem oft mehr Zeit.

Pro Jahr werden in den Produktionsstätten der Migros-Tochter Micarna 33 Prozent der Bestandteile der geschlachteten Schweine nicht als Lebensmittel verwendet, 7 Prozent verbrennt der Konzern. Beim Geflügel landen 36 Prozent nicht auf dem Teller, das entspricht umgerechnet dem Gewicht von gut 2,5 Millionen Tieren. Auch bei den Nutzvögeln werden 9 Prozent der aus ihnen gewonnenen Fleischprodukte verbrannt.

Nachhaltigkeit ist im Trend

Die Micarna hat sich Nachhaltigkeit zum Ziel gesetzt. Das Unternehmen möchte einen Beitrag zur Reduktion von Lebensmittelverlusten leisten. Die Produkte zu einem günstigen Preis zu verkaufen und eine hohe Wertschöpfung der geschlachteten Tiere zu erzielen, verspricht dem Konzern wie auch dem Kunden Vorteile. Privathaushalte sollen dazu animiert werden, alte Traditionen wieder neu zu entdecken. Das Sortiment der Migros werde in Zukunft eine grössere Auswahl an neuen «Nose-to-Tail»-Produkten anbieten, verspricht die Leitung des Unternehmens. Auch wenn es Mut und ein gewisses Know-how braucht, sollen in Zukunft alle potenziellen Esswaren als Lebensmittel verkauft und zubereitet werden. So will die Micarna bei ihren Kunden ein besseres Bewusstsein für begrenzte Ressourcen schaffen.