SAINT-LÉONARD 14.10.2017

Intrigen und Mätzchen im Vatikan

Kardinal Heinrich Schwery gehört morgen Sonntag zu den Priesterjubilaren, derer das ­Bistum Sitten bei einem Gottesdienst gedenkt. Er feiert 60 Jahre Priesterweihe.

Anlässlich des alljährlichen Weihefests der Kathedrale feiert das Bistum Sitten auch das Fest der Priesterjubilare. Zu diesen gehört auch Kardinal Heinrich Schwery. Er ist 85 Jahre alt und feiert 60 Jahre Priesterweihe sowie 40 Jahre Bischofsweihe. Heute lebt er zurückgezogen in einer kleinen Wohnung in Saint-Léonard, nimmt aber nach wie vor kein Blatt vor den Mund. In all seinen Jahren als Priester und Bischof lernte er vieles kennen: die Dokumente des Vatikanischen Konzils, das Bischofsamt, die Nähe zu Papst Johannes Paul ll., die Abspaltung der Lefebvrianer, ein Konklave und auch einige Niederträchtigkeiten der römischen Kurie, wie er sagt.

Als Bischof von Sitten verbrachte Schwery jeweils eine Woche im Monat in Rom. «Ich war in allen Kongregationen, und das mehrmals», erinnert er sich. «In der Presse wurde oft über die Probleme in der Kurie gesprochen. Und ja, sie hatte recht», so Schwery. Seine Feststellung: «Die ganz grosse Mehrheit der Priester, die im Vatikan arbeiten, sind Muttersöhnchen, stammen aus adligen Familien in Rom und träumen davon, violette oder rote Knöpfe zu tragen. Um diese zu erhalten, warten sie auf den Abgang ihres Dienstchefs. Sie haben nie eine Pfarrei aus der Nähe gesehen. Die ganz grosse Mehrheit», wiederholt er.

Im Laufe seines Episkopats wurde Schwery ein Vertrauter von Papst Johannes Paul II., der ihn 1991 zum Kardinal ernannte. Schwery traf den Papst mehrmals. Als sich die Situation um Bischof Marcel Lefebvre zusehends vergiftete, wurde Schwery zum Postboten des Papstes. Der Sitz der Piusbruderschaft befindet sich unweit von Sitten in Ecône. Mehrmals pendelte Schwery zwischen seinem Bischofssitz und Ecône hin und her, dies, bis die Priesterbruderschaft in «einen Fundamentalismus absank, aus dem man nichts mehr retten kann». Doch Jahrzehnte später findet sich in seinem Herzen nicht mehr wirklich eine Bitterkeit, auch wenn er zurückgezogen lebt.