Avenches 14.07.2017

Gesattelt und gestriegelt

Die Zügel fest in der Hand: In der Show wurden verschiedene Anspannungen des Pferdes vor eine Kutsche präsentiert.
Gestern Nachmittag hat das Schweizerische Nationalgestüt in Avenches seinen vielfältigen Betrieb vor zahlreichen neugierigen Zuschauern präsentiert: ein Sommeranlass für die ganze Familie.

Spätestens nach dem gestrigen Besuch des «Jeudi au Haras», des traditionellen Sommeranlasses des Schweizer Nationalgestüts (SNG) von Agroscope in Avenches, ist man als Zuschauerin und Zuschauer überzeugt, dass es sich beim Nationalgestüt nicht um einen kleinen Ponyhof handelt. Die riesige Anlage wird von 30 Angestellten gehegt und gepflegt.

Sprungstangen, Pferde & Co.

Wer zuvor keine Ahnung von der Geschichte der Pferdenutzung und den verschiedenen Reitstilen hatte, war nach der Show schon fast ein Kenner. Samuel Schär, stellvertretender Leiter Infrastruktur und Pferde, moderierte zusammen mit seiner Kollegin Annik Gmel die verschiedenen Aufführungen.

Den Zuschauern wurde mit vielen Informationen und geschichtlichen Details ein Einblick in die Welt der Pferde gewährt. Die verschiedenen Reitstile, Fahrweisen mit der Kutsche wie auch der Arbeitseinsatz eines Pferdes wurden durch die Reiterinnen und Reiter des SNG mit passender Musik vorgeführt. Gruppenchoreos über Sprungstangen, Sportkutsche im Parcours, Eleganz im Damensattel: Der Reitsport blühte in seiner Vielfältigkeit in der Manege auf.

Frei laufende Fohlen galoppierten hin und her. Eines lief schon fast Gefahr, sich zu überschlagen, sprühte es doch vor überwältigender Freude.

Faszination Störche

Auf den Dächern des Gestüts eingenistet, waren über 20 Störche sowohl Gast des Sommeranlasses als auch ein fester Bestandteil des Programms. Robert Schoop, der Storchenvater des SNG, erzählte dem Publikum, dass der älteste Storch 1993 erstmals in Avenches nistete und bis 2016 jedes Jahr zurückkam.

Das für uns Menschen wohl unbekannteste Detail ist die Treue der Tiere: «Die Störche sind nesttreu, nicht partnertreu», erklärte Schoop. Nach ihrer Rückkehr aus Spanien kämpfen deshalb die Störche mit Artgenossen um ihren ehemaligen Horst.

Die Vielfalt der Berufe

«Und nun präsentieren die Ausbildenden ihre verschiedenen Berufe», schallt es durch die Boxen in der Arena. Als Zuschauer hat man seine Vorstellungen, wie solch eine Aufführung gestaltet werden kann, doch die Lernenden des Schweizer Nationalgestüts übertrafen alles. Pferde zogen einen grossen Anhänger, darauf drei Hufschmiede, die mit Hämmer auf ein Stück Stahl und den Amboss einschlugen; eine Sattlerin, die ihre Handwerkskunst an festem Leder bewies; und eine Praktikantin, die schwer beschäftigt tippend vor einem Computer sass.

Grössere Einblicke gewährten sie nach der Show in ihren Werkstätten Schreinerei, Sattlerei und Schmiedewerkstatt. Die Kinder waren besonders begeistert von der jungen Sattlerin, die für sie kleine Lederanhänger mit Wunschmotiv stanzte. Ebenso sehenswert war die Pferdeklinik, wo Veterinärinnen ihren Beruf ­vorstellten.

Viele Besucher staunten nicht schlecht bei dem Krafteinsatz der Hufschmiede. Von Hufen bis hin zu Kutschenteilen schmieden sie alles selbst nach Mass.

Das ganze Jahr gerne Besuch

Das Schweizer Nationalgestüt ist das ganze Jahr für Besucher offen, so gibt es an jeder Scheune oder Werkstatt Informationstafeln. Auch Führungen können gebucht werden. Da Avenches sich jedoch in einer Touristenregion befindet und die Nachfrage nach Führungen im Sommer zu gross wurde, hat man den traditionellen Anlass «Jeudi au Haras» eingeführt.

«Das Ziel dieses Anlasses ist es, den Leuten das Gestüt vorzustellen und besonders auch Wissen weiterzugeben, wie die präsentierten Reitstile in der Show oder die offenen Werkstätten», so Schär. Für ihn ist es wichtig, die Verantwortung und die Aufgaben der Jobs im Gestüt den Besuchern näherzubringen. «Für mich ist es einer der schönsten Arbeitsplätze der Schweiz.»

«Die Störche sind nesttreu, nicht partnertreu.»

Robert Schoop

Storchenvater des Schweizer Nationalgestüts

Zahlen und Fakten

Im Auftrag der Forschung

1898 wurde in Avenches das Eidgenössische Hengsten- und Fohlendepot gegründet. Genau hundert Jahre später wurde daraus das Schweizer Nationalgestüt (SNG). Seit 2014 ist das SNG Teil des Instituts für Nutztierwissenschaften der Forschungsanstalt Agroscope des Bundes. Das SNG ist das Kompetenzzentrum des Bundes für die Haltung und die Zucht von Equiden (Pferde und Esel). Es dient der Forschung und Entwicklung, gibt seine Erkenntnisse an die Pferdezuchten weiter und ergänzt die Förderungsmassnahmen für die landwirtschaftliche Pferdehaltung. Auch international ist das Nationalgestüt aktiv, so ist das SNG ein Mitglied der Vereinigung der Europäischen Staatsgestüte ESSA.

jp