Neuenburg 12.04.2017

«Dronies sind die Selfies von morgen»

Francisco Klauser.
Der Schweizer Geografie-Professor Francisco Klauser beschäftigt sich in seiner Forschung unter anderem mit dem Einfluss von Drohnen auf die Gesellschaft. Die ZiG-Reporter haben mit dem Drohnen-Experten über das neue Phänomen gesprochen.

Francisco Klauser ist ordentlicher Professor für Geografie an der Universität Neuenburg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört unter anderem die Beschäftigung mit den Auswirkungen von Drohnen auf die Gesellschaft. Er betreut aktuell auch ein Nationalfondprojekt zum Thema. Im Gespräch mit den ZiG-Reportern verrät Klauser, was ihn am Thema Drohnen interessiert und wie er das Phänomen als Experte einschätzt.

Herr Klauser, Sie koordinieren zurzeit ein Nationalfondsprojekt zum Thema Drohnen. Worum geht es da genau?

Unser Ziel ist es, die Chancen und Risiken der Drohnentechnologie aufzuzeigen. Dafür muss zuerst einmal untersucht werden, wie Drohnen heute genutzt werden und welches Entwicklungspotenzial noch in der Technologie steckt. Wir bereiten deshalb zurzeit eine grosse Umfrage vor, die sich an alle öffentlichen und privaten Drohnen-Nutzer richten wird. Darüber hinaus gilt es für uns, zu fragen, wie die Bevölkerung die Technologie wahrnimmt beziehungsweise welche Wünsche und Ängste damit verknüpft werden. Die Antworten auf diese Fragen werden schliesslich in die gesellschaftliche und politische Diskussion zum Thema einfliessen und so mithelfen, den rechtlichen Rahmen zu setzten. Wir arbeiten deshalb auch mit zahlreichen Partnern zusammen, von der Neuenburger Polizei über das Bundesamt für Zivilluftfahrt bis hin zur Drohnenindustrie.

Ist der Aspekt der Spionage mithilfe von Drohnen mehr ein Element aus Holly­wood-Filmen oder tatsächlich ein reales Problem?

In der Schweiz ist dies zur Zeit kaum möglich. Die Schweizer Armeedrohnen stammen noch aus den Neunzigerjahren und sind völlig veraltet. Aber andere Länder besitzen Drohnen, die leistungsfähiger und technologisch weiterentwickelt sind und die zweifelsohne zu Spionagezwecken eingesetzt werden können.

Welche Art von Drohnen werden Ihrer Einschätzung nach in Zukunft am meisten eingesetzt?

Ich denke, das grösste Potenzial steckt in der Nutzung von Drohnen für die Landwirtschaft. Hier können Drohnen zum Beispiel dazu dienen, das Pflanzenwachstum aus der Luft zu kontrollieren, Pflanzenkrankheiten zu identifizieren und so den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu optimieren. Es ist ebenfalls möglich, Daten zur Beschaffenheit des Bodens zu liefern oder Wildtiere zu entdecken. Gleichzeitig ist in diesem Bereich das Gefahrenpotenzial gering, weil ja nicht über grosse Menschenmengen geflogen wird. Ich denke im Übrigen, dass vor allem auch die Polizei in Zukunft vermehrt auf die Technologie zurückgreifen wird. Die Freiburger Polizei besitzt ja bereits eine eigene Drohne.

Welchen Einfluss haben private Drohnen auf die Gesellschaft?

Traditionell war die Vogelperspektive in unserer Gesellschaft den Mächtigen vorbehalten. Beispiele dafür reichen von den Türmen des Mittelalters bis hin zu den modernen Satelliten. Nun kann sich plötzlich jeder für ein paar Hundert Franken die Vogelperspektive aneignen. Selfies mit dem Smartphone waren gestern, Dronies sind die Selfies von morgen. Dadurch ergeben sich natürlich neue grosse Fragen: Wem gehört der Luftraum? Wie können Drohnen in den Luftraum integriert werden? Welche Auswirkungen hat die Verbreitung des vertikalen Blicks auf unsere Privatsphäre?