GENF 10.02.2018

Das Handy in der Kirche zücken

Erstmals setzt eine Schweizer Pfarrei die Spende-App fürs Smartphone ein. Damit stärkt sie die kirchliche Präsenz in der virtuellen Welt des Internets.

Was im Kino verpönt ist, soll in der Genfer Kirche «Saint François de Sales» neu angemessen sein: Das Handy darf während des Gottesdienstes gezückt und bedient werden. Diese Aktion beschränkt sich jedoch auf einen ganz präzisen Moment, und zwar auf den Augenblick, wenn die Spende aufgenommen wird. Premiere war am 27. Januar. «Immer wieder fragen mich Gläubige, wie sie die Kollekte nachholen können, die sie im Gottesdienst verpasst haben, weil sie kein Kleingeld hatten», sagt der junge und dynamische Kassier der Pfarrei, Gregory de Foy. Er suchte eine Lösung und wurde im Internet fündig. Der französische Anbieter «La Quête» («Die Kollekte»), zu dessen Beirat drei Priester aus Frankreich gehören, ist auf die kirchliche Präsenz in der virtuellen Welt spezialisiert. Das Angebot umfasst eine App, die gratis heruntergeladen werden kann. Nach der Installation wird diese mit den Kreditkartendaten und dem Namen der Pfarrei programmiert, der man seine Spende zukommen lassen will. Die Pfarrei muss bei «La Quête» angemeldet sein. Der App-Anbieter sorgt dafür, dass das Geld zum Monatsende sicher in der Pfarrei ankommt. Die App informiert auch über Gottesdienstzeiten und kann weitere Informationen der Pfarrei liefern. Die Genfer Pfarrei ist die erste in der Schweiz, die dieses Angebot offeriert. In Frankreich nehmen bereits 2000 Pfarreien Spenden über diesen Weg ein. Gregory de Foy ist überzeugt, dass das Angebot ankommt. Der Pfarreirat hat grünes Licht gegeben. De Foy weist darauf hin, dass heute immer mehr Leute mit der Kreditkarte zahlen.

Während des Gottesdienstes

Die Handhabe der App ist äusserst einfach. Spenden könne man über diesen Weg natürlich jederzeit. «Studien des Anbieters haben aber ergeben, dass 90 Prozent der Zahlungen während eines Gottesdienstes zum Zeitpunkt der Kollekte stattfanden.» Zudem seien jene, die während der Kollekte mit der App zahlen, grosszügiger mit ihrer Spende, als jene, die Münzen in den aus Weiden geflochtenen Opferkorb legen.

Das Angebot beschränke sich vorerst auf die Kollekte. Wer eine Kerze in der Kirche anzünden wolle, müsse nach wie vor mit klingender Münze bezahlen. Denn der Preis für eine Kerze sei zu niedrig und rechtfertige nicht die Kosten, welche der Anbieter «La Quête» für seine Dienste beanspruche.

De Foy ist sich sicher, dass das Angebot ankommt. Die Gottesdienste würden von jungen und jüngeren Leuten, Paaren und Familien besucht. Der Anstoss für das elektronische Zahlen sei aber von 50-Jährigen gekommen.

Virtuelle Spenden sind in der Kirche nichts Neues. In Paris testet eine Pfarrei einen digitalen Opferbeutel. Der Korb, der durch die Reihen der Gottesdienstbesucher geht, ist mit einem System bestückt, welches das kontaktlose Bezahlen mit der Kreditkarte erlaubt.