Freiburg 08.05.2017

«Bus und Zug werden immer beliebter»

«Öffentliche Verkehrsmittel erlauben es den Reisenden, Verkehrsstaus zu vermeiden und sich auszuruhen», sagt Aurélia Pedrazzi.
Ist der öffentliche Verkehr wirklich eine gleichwertige Alternative zum Auto? Warum sind die Billettpreise für Bus und Zug weiterhin so hoch? Aurélia Pedrazzi von den TPF stand den ZiG-Reportern Red und Antwort.

Aurélia Pedrazzi ist bei den Freiburgischen Verkehrsbetrieben (TPF) Beraterin für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Mit den ZiG-Reportern sprach sie über Gegenwart und Zukunft des ­öffentlichen Verkehrs (öV).

Aurélia Pedrazzi, ist das Auto weiterhin das beliebteste Transportmittel?

Nein, das glaube ich nicht. Im Jahr 2016 haben wir mehr als 30 Millionen Reisende registriert, die den öffentlichen Verkehr benutzen. Das zeigt, dass Bus und Zug immer beliebter werden. Das private Fahrzeug ermöglicht vielleicht eine gewisse Flexibilität; im Zug arbeiten zu können, sorgt aber für einen nicht unwesentlichen Zeitgewinn. Zudem erlauben es die öffentlichen Verkehrsmittel ihren Benutzern, Verkehrsstaus zu vermeiden und sich auf der Fahrt auszuruhen.

Was sind die grossen Vorteile des öffentlichen Verkehrs?

Die Vorteile des öV sind zahlreich. Er bietet den Kunden qualitativ hochstehende Dienstleistungen. Die Infrastruktur ist modern und komfortabel. Waren Sie schon einmal an Bord unserer Flirt-Zugkompositionen? Sie gehören zu den modernsten, bieten viel Platz und sind äusserst leise.

In unserer Umfrage haben wir festgestellt, dass viele Leute die Preise des öV zu hoch finden. Was sagen Sie dazu?

Wir sind uns bewusst, dass sich die Fahrkartenpreise des öffentlichen Verkehrs wie eine Art Bremse auf die Nachfrage auswirken. Dem ist jedoch entgegenzuhalten – und das wird vielleicht die meisten Personen überraschen –, dass der Preis nicht zu den entscheidenden Kriterien für den Kauf der Fahrkarten zählt. Wir führen regelmässig Zufriedenheitsumfragen durch. Diese zeigen, dass für den Kunden der Leistungsumfang, die gute Erschliessung und die Pünktlichkeit am wichtigsten sind.

Achtet die TPF auf eine geringe Umweltschädigung?

Ja, selbstverständlich. Alle unsere Züge werden elektrisch angetrieben. Bei den Bussen achten wir bei Neubeschaffungen jeweils darauf, die aktuellste Technologie bezüglich Umweltschutz zu berücksichtigen. Wir gehörten auch zu den ersten Unternehmen, die systematisch Partikelfilter für die Dieselbusse verwendeten. Die TPF ist ein Unternehmen, das aus technologischer Sicht zur Spitze gehört.

Wie wird sich der öV in Zukunft entwickeln?

Wir arbeiten täglich am öV von morgen. Das konkreteste Beispiel eines Zukunftsmodells, das wir gegenwärtig vorweisen können, ist der führerlose Pendelbus Navya. Er wird das erste derartige öffentliche Verkehrsmittel sein und wird zwischen Marly und dem Marly Innovation Center in den Fahrplan eingebunden.

Umfrage

Fast die Hälfte der Befragten käme auch gut ohne Auto aus

Die ZiG-Reporter haben am Kollegium Gambach eine Umfrage zum Umgang mit dem öffentlichen Verkehr durchgeführt. Rund 100 Schülerinnen und Schüler wurden dazu befragt. Die Hälfte war bereits volljährig, der andere Teil ist im Alter zwischen 14 bis 17 Jahren. Gut die Hälfte der Schüler benutzt im Durchschnitt 10 bis 20 Mal pro Woche ein öffentliches Verkehrsmittel. 53 Prozent empfinden das Auto dennoch als ein wichtiges Transportmittel in ihrem Alltag. Doch antworteten auch 46 der Lernenden auf die Frage, wie wichtig ihnen das Auto sei, mit der Einschätzung, dass es auch gut ohne gehen würde. Dagegen erscheinen die 12 Prozent, die das Auto als sehr wichtig einstuften, klar in der Minderheit. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind für die heutige Jugend sicherlich wichtig. Besonders für die Jugendlichen, die in der Stadt oder der näheren Umgebung wohnen. Doch auch das Auto spielt nach wie vor eine wichtige Rolle. Vor allem Jugendliche, die in ländlicher Umgebung aufwachsen, sind stark darauf angewiesen.

Anna Roswitha Schreier