15.03.2017

Scheinfaktisch

«Der AHV-Ausbau kostet drei Milliarden» – FN vom 11. März 2017

Herr Schäfer hat wieder mal in die Kristallkugel geschaut. Und wie bei ihm üblich in Fragen der Sozialpolitik, eine ganz düstere Zukunft gesehen. Der Ständerat will ja allen Neurentnern die AHV- Rente um 70 Franken zu erhöhen; dies als Kompensation für die Verluste in der 2. Säule durch die Senkung des Umwandlungssatzes. Und diese Lösung soll nun im Jahr 2045 (!!) ganze drei Milliarden Franken kosten. Für Herrn Schäfer ein guter Grund, um zwischen den Zeilen auch für Rentenkürzung und generelle Erhöhung des Rentenalters zu plädieren.Dabei hat er leider «vergessen» zu erwähnen,

• dass trotz Verfassungsauftrag rund 300 000 Personen im Rentenalter in Armut leben. Und nur drei OECD-Länder (z. B. Mexiko) haben eine höhere Quote an Altersarmut als die Schweiz. Eine Schande!

• dass die Prognosen des Bundes schon immer danebenlagen. Schon 1997 prophezeite er die AHV-Pleite für 2010 mit einem Defizit von 15 Milliarden. Nichts davon traf zu und trifft auch heute

nicht zu.

• dass das Gegenmodell des Nationalrates gerade für schmale Erwerbseinkommen eine grosse Belastung darstellt.

• dass dieses nationalrätliche Modell gemäss den (wie gesagt unsicheren) Prognosen bereits ab 2027 wieder defizitär wäre und bis 2045 noch ein grösseres Defizit als das ständerätliche Modell einfahren würde.

Diese «Vergesslichkeit» ist typisch für die bekannte Laternenpfahl-Statistik – diese wird zur Unterstützung seiner eigenen Meinung statt zur Erleuchtung missbraucht. Scheinfaktisch also. Solch Einseitiges lesen wir ja zur Genüge in den Social Media. Um eine Zeitung zu kaufen oder gar zu abonnieren, reicht das als Information für die Meinungsbildung allerdings kaum.