09.06.2017

Fragwürdige Interpretation

«Ein Flegel namens Donald Trump» – Leserbrief in der FN-Ausgabe vom 30. Mai 2017

Ich gehe mit Leserbriefautor Markus Escher einig: Dass Donald Trump einmal Präsident werden würde, hätte auch ich vor einigen Jahren für unmöglich gehalten. Die Amerikaner müssen wohl wirklich verzweifelt sein. Obama konnte anscheinend keinen Wechsel bringen. Vermutlich kam es auch mangels Alternativen zu dieser Wahl, denn es gab ja nur zwei Kandidaten von zwei Parteien, wie alle vier Jahre.

Doch zu glauben, alleine die Tageslaune eines Präsidenten würde die Geopolitik beeinflussen, ist aus meiner Sicht eine sehr einfache und plumpe Antwort, ohne grosse Reflexion. In nur vier oder maximal acht Jahren kann man viel Schaden anrichten. Doch wie viel Schaden wurde schon angerichtet? Da kann es nicht viel schlimmer als jetzt werden. Die US-Regierungen verfolgen am Ende nur ihre Partikularinteressen, auf Menschenrechte und Völkerrecht haben die doch immer gepfiffen. Es ist immer das Gleiche mit den Präsidenten in den USA, in den Wahlen versprechen sie, sie würden keine Länder mehr bombardieren, keine Völkerrechtsverletzungen begehen und niemanden mehr ausspionieren.

Alle wollen sie Terror und Folter stoppen, aber die Todesstrafe im eigenen Land würden sie trotzdem nie abschaffen. In Wahrheit führen sie einen Krieg nach dem anderen und stürzen Regierungen souveräner Staaten. Dafür dass man wie Obama Drohnenkriege führt, bekommt man dann obendrein noch den Friedensnobelpreis überreicht. An Zynismus ist die ganze Sache nicht mehr zu überbieten.

In den USA gibt es ihn noch den sogenannten «deep state», den Staatsapparat, der von selber läuft. Und wenn sich der Präsident nicht fügt, wird er gefügig gemacht. Was mit nicht gefügigen Präsidenten passierte, ist ja bestens bekannt. Die anderen westlichen Länder haben das doch schon lange erkannt und können nichts daran ändern. Sie mussten sich sowieso schon immer den USA fügen, egal wie unsympathisch oder sympathisch der Präsident war.