Kerzerslauf 17.03.2017

«Wir wollen qualitativ wachsen»

Einmal im Jahr wird der Dorfkern von Kerzers von den Läufern in Beschlag genommen.
Morgen findet der Kerzerslauf zum 39. Mal statt. Im letzten Jahr verzeichnete der Anlass mit 8602 klassierten Läuferinnen und Läufern einen neuen Rekord. Der Lauf dürfe noch weiter wachsen, aber nicht auf Kosten der Athleten, sagt OK-Präsident Markus Ith.

Seit Mai 2014 ist FDP-Grossrat Markus Ith OK-Präsident des Kerzerslaufs. Im FN-Interview spricht er unter anderem über die Herausforderungen bei der Organisation des Grossanlasses und darüber, wo dessen Grenzen liegen.

Markus Ith, der Kerzerslauf wird am Samstag bereits zum 39. Mal ausgetragen. Ist die Organisation des Anlasses inzwischen Routine oder doch immer noch eine Herausforderung?

Die Organisation ist noch immer eine Herausforderung. Oder besser gesagt, es ist eine Herausforderung, sich immer wieder neu aufzustellen. Nicht in den grossen Würfen, aber es gilt, stets kleine Dinge zu verbessern, die in den Schlussberichten herauskommen. In diesem Jahr haben wir versucht, die Felder etwas auseinanderzuziehen. Wir haben zwar eine schöne Strecke, aber keine vier Meter breiten Strassen. Deshalb sollten die Läuferinnen und Läufer gestaffelt kommen, damit es sich nicht staut. Auch optimieren wir die Start- und Zielführung im Dorf immer weiter. Ein weiterer Fokus liegt darauf, die Teilnehmer zur An- und Abreise mit dem Zug zu bewegen.

Der Kerzerslauf hat sich längst in der Laufszene etabliert. Inwiefern muss er sich denn überhaupt noch neu erfinden?

Es gibt zwei Seiten. Einerseits wollen wir den Läuferinnen und Läufern optimale Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen – nicht nur der Elite, sondern der grossen Masse, denn letztlich ist der Kerzerslauf ja ein Volkslauf. Damit uns das gelingt, fühlen wir den Teilnehmern mit einer Umfrage auf den Zahn. Andererseits ist da das Sponsoring, das bei Laufveranstaltungen immer bedeutender wird, um die Startgelder attraktiv halten zu können. Die Sponsoren sind heutzutage anspruchsvoller, und als Veranstalter muss man ihnen bieten, was sie sich ­wünschen.

Welche Erwartungen haben die Sponsoren?

Mit Banderolen und Logo-Präsenz ist es nicht mehr getan. Die Sponsoren wollen Geschichten erzählen können und mit den Läufern in Kontakt kommen. Hierfür müssen wir als Organisatoren eine gute Plattform bieten. Dass jeder Sponsor einen anderen Anspruch hat, ist dabei verständlich. Es liegt dann an uns, dass wir alle in einen Sponsoringrahmen bringen und auf gleicher Stufe behandeln.

Über welches Budget verfügt der Kerzerslauf, und wie setzt es sich zusammen?

Das Gesamtbudget beträgt rund eine Million Franken. Der Grossteil besteht natürlich aus dem Sponsoring und den Startgeldern.

Besteht nicht die Gefahr, dass man zu sehr abhängig von den Sponsoren ist?

Das ist ein laufender Prozess, und es ist ja nicht so, dass alles zusammenfällt, wenn einer aussteigen würde. Wir versuchen, das Budget und das Sponsoring so zu halten, dass für die Teilnehmer ein vernünftiges Startgeld herausspringt. Ich denke, dass wir beim Kerzerslauf ein ganz akzeptables Preis-Leistung- Verhältnis haben.

Wo liegt die Grenze für ein akzeptables Startgeld?

Wir tauschen uns mit anderen Laufveranstaltern aus und gehören zum Verein Swiss Runners. Deshalb wissen wir, was wo verlangt wird. Natürlich sind die Voraussetzungen nicht bei jedem Lauf die gleichen, aber lange hat man gesagt, dass das Startgeld nicht mehr als 50 Franken betragen dürfe. Wir liegen jetzt inklusive der Medaille leicht darüber, doch das hat den Anmeldungen keinen Abbruch getan.

Obwohl das Budget rund eine Million Franken beträgt, besteht das OK fast ausschliesslich aus ehrenamtlichen Mitgliedern …

Tatsächlich ist nur die Geschäftsstelle mit einem Mandat beauftragt. Diese kümmert sich um die Sponsoren, was viel mit Networking zu tun hat. Dabei geht es darum, andere Laufveranstaltungen zu besuchen und über das Jahr mit den Sponsoren den Kontakt zu halten. Zudem ist die Geschäftsstelle schon jetzt daran, die nächstjährige Ausgabe vorzubereiten.

Mit Blick auf das OK fällt zudem auf, dass viele Mitglieder schon sehr lange dabei sind. Ist das nicht auch in Bezug auf das bereits angesprochene Innovationsbedürfnis zuweilen ein Problem?

Natürlich kann es vorkommen, dass gesagt wird, es sei ja so immer gut gegangen. Aber die Tatsache, dass wir nicht Grundsätzliches über den Haufen werfen und plötzlich statt einem 15er- einen Halbmarathon durchführen wollen, verhindert grössere Unstimmigkeiten. Die Bereitschaft für Neues ist im OK da.

Trotz der grossen Bereitschaft: Stösst die Ehrenamtlichkeit angesichts der Entwicklung des Kerzerslaufs an ihre Grenzen?

Organisatorisch würde ich das nicht sagen. Es ist eher so, dass die Infrastrukturen zu einer Herausforderung werden. Im Moment könnten wir noch einige Läufer mehr bewältigen. Aber es ist natürlich schon ein grosser Anlass für ein mittelgrosses Dorf wie Kerzers. Die Akzeptanz der Gemeinde ist jedoch gross. Mitunter auch deshalb, weil der Lauf den Namen Kerzers weit in die Schweiz hinausträgt.

Im letzten Jahr verzeichnete der Kerzerslauf mit 8602 Klassierten eine neue Bestmarke. Rekorde sind da, um geschlagen zu werden …

Bei uns schwirrt schon die Zahl von 10 000 Anmeldungen herum. Aber wir wollen qualitativ wachsen und nicht einfach immer mehr Läufer haben. Wir müssen die Zahl der Startenden auch verdauen können … Trotzdem hoffen wir natürlich, beim 40. Kerzerslauf von nächstem Jahr noch einmal einen Schritt nach vorne machen zu können.

Der Murtenlauf setzt inzwischen immer weniger auf afrikanische Athleten. Wie sieht diesbezüglich Ihre Strategie aus?

Für uns sind die afrikanischen Läufer ein wichtiges Element. Sie sind insofern wichtig, als wir für die Schweizer Spitzenathleten aufgrund des Datums weniger interessant sind. Viele weilen im März im Trainingslager oder stehen in einer Aufbauphase. Wir wünschen uns, dass wir vermehrt starke Schweizer am Start haben. Aber wir holen sie nicht mit Antrittsgeldern. Deshalb bleibt für uns ein kleines Feld von Ausländern spannend.