Leichtathletik 09.05.2017

Vom Übertraining zur Überfliegerin

Olympia-Finalistin Fabienne Schlumpf lief in Düdingen über 5000 m eine starke Zeit.
Fabienne Schlumpf läuft von Rekord zu Rekord. Am Samstag startete die Olympia-Finalistin beim Frühjahres-Meeting in Düdingen.

Für die Zürcher Oberländerin Fabienne Schlumpf hätte es zuletzt kaum besser laufen können. Die 26-jährige Athletin, die im vergangenen Jahr EM-Fünfte geworden war und sich mit Schweizer Rekord (9:30,54 Minuten) für den Final über die 3000 m Steeple der Olympischen Spiele von Rio de Janeiro qualifiziert hatte, unterbot Ende Winter auf der Strasse die Bestmarken gleich im Akkord. Über die Distanzen von 10, 15, 20 km und im Halbmarathon lief die gross gewachsene Läuferin neue Schweizer Rekorde. Am Samstag nun nahm Schlumpf im Leimacker die Bahnsaison in Angriff. Auf Anfrage von Swiss Athletic organisierte der TSV Düdingen ein Rennen über die 5000 m, das Athletinnen die Möglichkeit geben sollte, die Limiten für die U20- und U23-Europameisterschaften respektive die Universiade zu unterbieten.

Mit viel Tempogefühl

«Das gute Feld und die Tatsache, dass ein Start in Düdingen mit wenig Aufwand verbunden ist, haben mich zum Start hier bewogen», erklärte Schlumpf. Ihr Ziel, eine schnelle Zeit zu laufen, erreichte sie trotz schwieriger Umstände. Es regnete, es war kalt, die vorgesehene Tempomacherin sagte kurzfristig ab, und der Start erfolgte erst mit einiger Verzögerung. Trotzdem unterbot Schlumpf in 15:47,94 Minuten ihre persönliche Bestzeit über die zwölfeinhalb Bahnrunden um über drei Sekunden. «Ich wäre zwar gerne schneller gewesen, aber unter diesen Vorzeichen ist die Leistung mehr als anständig. Ich habe eine Bahnsaison noch nie mit einem persönlichen Rekord gestartet.»

Schlumpfs Jagd nach Rekorden ist nicht selbstverständlich. 2015 war sie in ein sogenanntes Übertraining gerutscht und musste für die WM passen. «Ich habe danach einige Dinge im Training angepasst. Im Nachhinein kann ich sagen, dass es fast eine positive Erfahrung gewesen ist. Zu jeder Karriere gehört ein Tief. Und ich bin stärker herausgekommen.» Die wichtigste Erkenntnis, die Schlumpf erlangt hatte, ist, vermehrt auf ihren Körper zu hören. Ihr Tempogefühl ist aussergewöhnlich. «Bei den Schweizer Rekorden im Halbmarathon-Distanz und die 10 km liess ich die Uhr in der Tasche und lief nach Gefühl. Beide Male ging es für mich auf.»

Obwohl Schlumpf damit bereits gezeigt hat, dass sie auch über die längeren Distanzen zu Top-Leistungen fähig ist, sieht sie ihre unmittelbare Zukunft weiter im Steeple. Im Sommer findet die WM in London statt, 2018 ist Berlin Gastgeber der EM. Um sich darauf vorzubereiten, ging die Zürcherin zuletzt neue Wege. Erstmals weilte sie im April in Südafrika in einem Höhentraining, und auch das Höhenzimmer im Sportzentrum Magglingen machte sie sich zunutze. «Es war eine strenge Zeit, aber ich konnte gut trainieren.»

4-mal 400 Meter

Vancardo Teil eines nationalen Staffel-Projekts

Trotz dem Start von Fabienne Schlumpf war das Frühjahres-Meeting in Düdingen natürlich in erster Linie ein Event für die regionalen und nationalen Athleten. Mit Spannung erwartet wurde etwa das 300-m-Rennen mit Veronica Vancardo. Die 17-Jährige vom TSV Düdingen, die im Vorjahr an der U18-EM in Tiflis (GEO) Siebte über die Bahnrunde geworden war, gewann das Rennen in 40,12 Sekunden vor Ani­ka Krone und Khaoula Rharroubi (beide CA Freiburg).

Das grosse Saisonziel der talentierten Freiburgerin sind die 400 m an der U20-EM von Ende Juli in Italien. In der Halle hat Vancardo die Limite (55,50) bereits deutlich unterboten. Dass sie dies auch draussen schafft, daran zweifelt ihre Trainerin Sylvia Aeby Hasler nicht. «Veronica ist noch immer im Aufbau und verfügt weiter über viel Potenzial.» Das grosse Talent Vancardos blieb auch Swiss Athletic nicht verborgen. Seit kurzem ist sie zusammen mit renommierten Athletinnen wie Lea Sprunger oder Sarah Atcho Teil eines nationalen Projekts, das eine 4-mal 400-m-Staffel an die Olympischen Spiele 2020 in Tokio bringen soll. «Bisher hatten wir noch keine gemeinsamen Trainings, aber Teil dieses Projektes zu sein, ist natürlich extrem motivierend», sagt Vancardo, die beim internationalen Meeting von Genf im Juni die EM-Limite laufen will.

fs
«Zu jeder Karriere gehört ein Tief.»

Fabienne Schlumpf

Steeple-Läuferin