Leichtathletik 17.11.2017

Tausendsassa Kempf

Ist auf jedem Terrain zu Hause: Andreas Kempf.
Im September gab Andreas Kempf mit der EM-Limite und dem Freiburger Rekord in Berlin ein erfolgreiches Marathon-Debüt. Morgen erfolgt für den Sensler an der Corrida in Bulle der Start zu einer Serie von Stadtläufen.

Weil nach der Leichtathletik-WM vom letzten August in London ab der nationalen Meisterschaft keine Meetings oder Rennen mehr angesetzt waren, die dem Niveau von Mittelstreckenläufer Andreas Kempf entsprochen hätten, wagte der 29-jährige Heitenrieder ein Experiment: Am 24. September startete er in Berlin zu seinem ersten Marathon. «Nach der Schweizer Meisterschaft in Zürich (Red.: Bronze über 5000  m) habe ich mich acht, neun Wochen voll auf den Marathon vorbereitet», sagt Kempf. Mit Erfolg: In der Zeit von 2:19:22  Stunden verbesserte er nicht nur den 25  Jahre alten Freiburger Rekord von Jean-François Cuennet um 13  Sekunden, sondern erfüllte zugleich den Richtwert (2:19:30) von Swiss Athletics für die Leichtathletik-EM im August 2018, die ebenfalls in der deutschen Hauptstadt stattfinden wird.

Entscheidung im Frühling

«Überrascht war ich von meiner Zeit nicht wirklich», erklärt Kempf. «Ich hatte gedacht, dass es aufgehen kann, wenn die Bedingungen gut sind und ich nicht alleine laufen muss. Aber der erste Marathon ist immer ein wenig ungewiss. Ich wusste nicht, wie mein Körper nach 30, 35  Kilometern reagieren wird. Im Training lief ich schon mal solche Distanzen, aber nicht im Wettkampftempo.» Umso schöner sei es gewesen, dass alles aufgegangen sei.

Der Freiburger Rekord ist für Kempf eine Anerkennung. Kantonale Bestmarken nimmt er als Motivation. «Rekorde sind schöne Ziele, die man sich vornehmen kann. Schweizer Rekorde und WM-Limiten sind für mich zu weit weg. Aber ich bewege mich auf einem Niveau, auf dem ich mich mit Freiburger Rekorden und EM-Limiten messen kann. Diese Marken korrespondieren nicht schlecht mit meinen Fähigkeiten.»

Die in Berlin gelaufene EM-Limite über die Marathon-Distanz stellt Kempf vor einen richtungsweisenden Frühling: «Der Plan ist nun, im nächsten Jahr einen Halbmarathon und einige schnelle 10 000-m-Läufe zu machen. Ende April entscheidet sich dann, wer für das EM-Marathon-Team selektioniert wird. Falls ich nicht dabei sein sollte, werde ich probieren, mich über die 10  km für Berlin zu qualifizieren.»

5000  m, 10 000  m, Halbmarathon (Team-Europameister mit der Schweiz 2016), Marathon, Crossläufe – die Disziplinen von Andreas Kempf sind vielseitig. Aber über welche Distanz ist der Sensler eigentlich «zu Hause»? «Das weiss ich im Moment selber nicht so genau», sagt er lachend. Zuletzt nahm er an der Militär-Cross-WM im ungarischen Balatonkarattya teil (Rang 43 von 108 Teilnehmern). «Obwohl ich nicht in Topform bin, war das eine gute Sache. Diese Militärwettkämpfe wurden nach dem Zweiten Weltkrieg ins Leben gerufen. Statt auf Kriegs- bekämpft man sich auf Sportplätzen. Das ist ein schöner Ansatz.» Im Vordergrund stehe bei einer Militär-WM der freundschaftliche Aspekt. «Militärisch sind einzig die Eröffnungs- und Schlussfeier mit Uniformen, Hymnen und Achtungstellung.»

Nach Marathon und Militär-WM wendet sich Kempf nun zum Abschluss des Jahres einer Serie von Stadtläufen zu. «Bulle, Basel, Sion und Zürich stehen auf meinem Programm.» Die Stadtläufe seien kein Saisonziel, sondern eher schnelle Trainings. Dazwischen stehe der Aufbau für den Frühling im Fokus. «Ich will die Rennen jedoch nicht als reine Trainingsläufe degradieren», sagt Kempf. «Aber du kannst nicht immer in Topform sein, und man muss Prioritäten setzen.» Er nehme ganz einfach extrem gerne an Stadtläufen teil. «Die Stimmung ist jeweils super mit den Lichtern und dem Duft von Glühwein in der Luft.»

Duell mit Piller

Letztes Jahr klassierte sich Kempf bei der Corrida in Bulle im 14. Rang und als bester Freiburger. «Ich werde abrufen, was meine Verfassung zulässt, und will wieder der schnellste Freiburger sein.» Konkurrenz diesbezüglich droht ihm von Jari Piller, der unlängst in Luzern ebenfalls ein beachtliches Marathon-Debüt gegeben hat. «Wir trainieren ab und zu zusammen. Es ist deshalb mehr ein Miteinander als ein Gegeneinander. Es wird sicher spannend am Samstag. Aber ich bin so selbstbewusst und sage, dass ich Jari schlagen werde.»

42. Corrida in Bulle

Zeitplan. Samstag. 10.40 bis 12.35 Uhr: Starts Kinderrennen (0,75 bis 1,75 km). 12.50 bis 12.55 Uhr: Starts Walking und Nordic Walking (7,75 km). 13 Uhr: Start Special Olympics (1,15 km): 13.15 bis 13.50 Uhr: Starts Nachwuchsrennen und Volksrennen Frauen (1,75 bis 3,15 km). 14.15 bis 15.05 Uhr: Starts Männer M20-M70 (8,15 km). 16.15 Uhr: Start Elite Frauen (6 km). 16.55 Uhr: Start Elite Männer (8 km). 17.40 Uhr: Starts Junioren, Frauen F20-F70 (- 28 Min.) und Volksrennen Männer (6,15 km). 18.15 Uhr: Starts Junioren, Frauen F20-F70 (- 33 in.). 19 Uhr: Starts Junioren, Frauen F20-F70 (+ 33 Min.).