leichtathletik 20.11.2017

Julien Wanders eine Klasse für sich

Julien Wanders (mit der blau-weissen Mütze) liess die Konkurrenz praktisch vom Start weg stehen.
Die Vorstellung von Julien Wanders war äusserst eindrücklich, machte aber am Samstag die 42. Corrida von Bulle langweilig: Nach der ersten von acht Runden spulte der Genfer die Umgänge weit vor der Konkurrenz ab.

Bei kalter, aber angenehmer Witterung starteten am Samstag 4167 Läuferinnen und Läufer an der 42. Corrida, dem traditionellen Stadtlauf von Bulle. Die afrikanische Konkurrenz bei den Männern hatte gegen Julien Wanders, den Genfer mit französischen Wurzeln, absolut nichts zu bestellen. Im Vorjahr an der Corrida noch Vierter, war die Leistung von Wanders am Samstag umso eindrücklicher, wenn man sich sein jugendliches Alter von 21 Jahren vor Augen hält. Den Rekord hatte er zwar im Hinterkopf, aber zwingendes Ziel sei es nicht gewesen. Diesen muss Wanders – am Samstag zehn Sekunden langsamer – weiterhin dem Österreicher Günther Weidlinger (22:35 im 2005) überlassen. Beide sind übrigens der genau gleiche Läufertyp. Weidlinger, später des Dopings überführt, war in der Zeit seiner Corrida-Siege 2005 und 2006 übrigens der Freund von Anita Weyermann.

Julien Wanders durfte an der Siegerehrung traditionsgemäss das Halfter des einjährigen Munelis im Wert von 2000 Franken ergreifen. Eine Stunde habe man den jungen Stier für diese Rangverkündigung mit Schur und Pediküre vorbereitet, wie der Besitzer am Rande erklärte.

Auf dem zweiten Rang folgte der Kenianer Patrick Ereng, der die Corrida 2013 und 2016 gewonnen hatte. Auch Ereng lief total isoliert und weit vor den Verfolgern. Von den fünfzehn ersten Läufern waren gerade mal deren drei nicht aus Afrika: Wanders, der viertklassierte Neuseeländer Malcolm Hicks, der mit seiner Bestzeit von 13:15 Minuten über 5000 m als Mitfavorit gehandelt worden war, sowie Eric Rüttimann (Untereggen) auf dem elften Rang. Der 25-jährige Rüttimann ist der Sohn des ehemaligen Radprofis Nicki Rüttimann. Eric Rüttimann hat kürzlich den Langenthaler Stadtlauf gewonnen. Auf dem Halbmarathon weist er die gute Zeit von 1:05 Stunden vor.

Kempfs erstes Rennen

Am 24. September hatte der Heitenrieder Andreas Kempf am Berlin-Marathon in 2:19:22 Minuten neuen Freiburger Rekord gelaufen. Nun trat er erstmals wieder an einem Rennen an und hielt sich auf dem 21. Rang sehr gut. Den Marathon hatte er kurz entschlossen mit nur zweimonatiger Vorbereitung gelaufen: «Danach habe ich drei Wochen absolut nichts gemacht. Für die Corrida habe ich zwei schnelle Trainingsläufe absolviert; ich bin im Aufbau.»

Der 29-jährige Kempf will kommende Saison an die Europameisterschaften: «Im April wird entschieden, ob meine Zeit als Limite angenommen wird. Ich möchte an die EM, entweder im Marathon oder über 10 000 Meter.» In den kommenden Wochen wird Kempf noch an weiteren Stadtläufen starten.

Jari Piller aus Freiburg hielt sich unmittelbar hinter Kempf in einer Schweizer Gruppe. Piller lief auf den 27. Rang. «Der Start war unheimlich schnell, mit drei Minuten für den ersten Kilometer. Aber es ist mir viel besser gelaufen als im Vorjahr, ich habe weniger gelitten. So konnte ich auf den letzten 500 Metern noch gut zusetzen.» Unter den 39 Läufern des Elitefeldes lief Laurent Schaller aus Freiburg auf den 36. Rang. Erich Huber (Rechthalten) gab das Rennen auf.

Steeple-Rekordlerin Schlumpf

Die 23-jährige Tola Bekele musste bedeutend länger für den Sieg kämpfen als Männersieger Wanders. Die Zürcherin Fabienne Schlumpf hielt sechs der zehn Runden energisch mit. Erst in der siebten Runde folgte sie mit ein paar Metern Abstand. Bekele stammt aus Äthiopien und wird vom in Genf lebenden ehemaligen Spitzenläufer Eticha Tesfaye (Corrida-Sieger 2002 und 2003) betreut. Bekele weist im Marathon 2:22 Stunden als Bestzeit auf.

Fabienne Schlumpf war mit ihrem Rennen zufrieden: «Das Rennen war hart, besonders in der vierten Runde brannten meine Beine. Aber ich dachte, auch für Bekele ist es hart. So habe ich es probiert.» Fabienne Schlumpf sorgte mit ihrem couragierten Auftritt für Spannung im Frauenrennen. Die 27-jährige Züricherin hat diesen Sommer über 3000 m Steeple in 9:21,65 Schweizer Rekord gelaufen. Wie Kempf blickt auch sie den Europameisterschaften entgegen.

Die gelassene «alte Dame»

Bei den Frauen war die afrikanische Präsenz weit weniger erdrückend als bei den Männern. Die seit drei Jahren in Horgen lebende Französin Aude Salord lief auf den vierten Rang. Salord läuft die 10 000 Meter in 33 Minuten.

Maude Mathys aus Ollon VD lief auf den sechsten Rang. «Ich mag einfach die Ambiance an der Corrida», erklärte die 30-jährige. Sie trainiert nun auf den Marathon hin. 2:48 Stunden ist ihre Bestzeit. Jetzt peilt sie mit konzentrierter Vorbereitung 2:30 Stunden an.

Gelassen nahm die Neueneggerin Valérie Lehmann (GG Bern), die früher für den TV Bösingen lief, das Rennen. Sie lief unter den 25 Läuferinnen auf den beachtlichen neunten Rang. Die 37-Jährige bewies Humor und sagte schmunzelnd: «Ich bin mittlerweile die alte Dame im Feld.» Auf die Frage nach den Zielen antwortete sie: «Ich setze mir keine Ziele mehr. Ich laufe absolut aus Freude. Dementsprechend gestalte ich auch das Training.»

42. Corrida

Kempf im 21. Rang

Bulle. 42. Corrida. Elite. Männer (8 km): 1. Julien Wanders (Genf) 22:45. 2. Patrick Ereng (KEN) 23:14. 3. Soufiyan Bouqantar (MAR) 23:24. 4. Malcom Hicks (NZL) 23:56. 5. Bernard Matheka (KEN) 23:28. 6. Sisay Yazew (ETH) 23:29. 7. Temsgen Ejerssa (ETH) 23:40. 9. Simon Tesfay (ERI) 23:44. 10. Mohammed Boulama (MAR) 23:48. 11. Eric Rüttimann (Untereggen) 23:53.– Ferner: 21. Andreas Kempf (TSV Düdingen) 25:01. 27. Jari Piller (TSV Düdingen) 25:27. 36. Laurent Schaller (TSV Düdingen) 25:55. 40. Jérémy Schouwey (CS Hauteville) 26:49. 43. Romain Juillerat (CS Le Mouret) 27:35. 44. Jérôme Epiney (TSV Düdingen) 27:40. 45. Erich Hiber (LAT Sense) 27:51. – 48 kl.

Frauen (6 km): 1. Tola Bekele (ETH) 19:38. 2. Fabienne Schlumpf (TG Hütten) 20:01. 3. Cynthia Kosgei (KEN) 20:12. 4. Aude Salord (TV Oerlikon) 20:17. 5. Betty Chepkwony (KEN) 20:34. 6. Maude Mathys (Ollon) 20:49. 7. Deribe Alemu (ETH) 20:49. 8. Martina Tresch (GG Bern) 20:50. 9. Valérie Lehmann (GG Bern) 20:53. 10. Lucie Sekanova (CZE) 21:06. – 25 kl.

Die Resultate der weiteren Kategorien in der Ausgabe vom Dienstag.