Freiburg 11.08.2017

Zahl der Allergiebetroffenen nimmt zu

Brennende Augen, ein Jucken in der Nase, Niesen – für Betroffene ist Heuschnupfen eine Qual.
In den letzten 60 Jahren ist Heuschnupfen in der Schweiz zehnmal häufiger geworden. Durch den Klimawandel wird sich dies noch verschärfen. Doch es gibt Hoffnung für betroffene Menschen.

Sonne und Wärme – im Sommer meint es Petrus jeweils ein paar Wochen gut mit uns. Für immer mehr Menschen in der Schweiz ist die Sommerfreude aber getrübt: brennende Augen, eine juckende und verstopfte Nase, Niesen. Was alle anderen an eine Erkältungskrankheit erinnert, ist für Menschen mit Heuschnupfen eine jährlich auftauchende Qual. Ausgelöst durch eine Überreaktion des Immunsystems sollen durch die erhöhte Schleimproduktion die Fremdkörper, in diesem Fall Pollen, aus dem Körper geschafft werden. Die Symptome haben zur Folge, dass die Lebensqualität beeinträchtigt und die Konzentrationsfähigkeit herabgesetzt ist.

Hoffnung für Allergiker

Drei mögliche Therapieansätze nennt der leitende Allergologe am Berner Inselspital, Arthur Helbling: erstens die Vermeidung von Blütenstaub, zweitens Arzneimittel wie Tabletten, Augentropfen oder Nasensprays, und drittens eine Immuntherapie, welche die allergische Reaktion langfristig ausschalten soll. Allerdings: «Wer nicht das Geld oder die Zeit hat, im Frühling in die südliche Hemisphäre zu fliegen, kann die Pollen nicht gänzlich vermeiden.»

Gerade im Bereich Immuntherapie oder Desensibilisierung gibt es zurzeit jedoch rasante Fortschritte in der Forschung. Der renommierte Chefallergologe Rudolf Valenta von der Medizinischen Universität Wien war noch nie so zuversichtlich wie gerade jetzt. Gemeinsam mit dem Biotechunternehmen Biomay haben die Wiener Forscher eine Art Allergie-Impfung entwickelt. Diese haben sie vergangenen Juni in Helsinki am europäischen Allergologenkongress vorgestellt. Auf der Internetplattform Youtube verspricht Valenta: «Wir wollen Allergien ausradieren.» Dazu will er die allergieauslösenden Substanzen so umbauen, dass sie für eine Impfung geeignet sind. Der Berner Allergologe Helb­ling bleibt jedoch skeptisch, da schon viele ähnliche Vorhaben gescheitert seien, und rät, «erst mal abzuwarten».

Zunahme durch Klimawandel

Die verbesserte Hygiene in den Industrieländern hat zu einer rasanten Verbreitung von Allergien geführt. Hausstaubmilben, Insektengift, Nahrungsmittel: Diese und weitere Stoffe listet das Allergiezentrum Schweiz als Auslöser allergischer Reaktionen auf. Betroffen von Heuschnupfen sind ausserdem eher Menschen in der Stadt als auf dem Land. Warum das so ist, ist nicht eindeutig bewiesen. Laut Helbling gibt es dafür verschiedene Thesen: «Die Stadtbewohner sind den Allergenen weniger exponiert und leben steriler als beispielsweise die Bauern auf dem Land.» Ausserdem könnte der Lebensstil wie «Milch direkt von der Kuh trinken und der Kontakt zum Stall einen Schutz bewirken». Demgegenüber gehen Forscher davon aus, dass sich das Problem in der Zukunft verschärfen wird. Grund dafür ist eine gesteigerte Aggressivität von Allergenen durch die Schadstoffe in der Luft. Die Klimaerwärmung werde zu einer starken Zunahme an Menschen führen, welche unter Heuschnupfen leiden. Ausserdem werde die Schwere der Symptome zunehmen und die Pollensaison in weiten Teilen Europas bis im Oktober andauern.

Sommerserie

«Die FN hören das Gras wachsen»

Gras ist nicht gleich Gras: Wie lebt der Grashüpfer? Welche Gräser mag die Kuh am liebsten? Wer lebte einst in der Grasburg, weshalb gibt es Menschen mit einer Grasallergie und wie viele Stunden widmet der Greenkeeper dem Golfrasen? – Diesen und anderen Fragen gehen die FN im Rahmen der Sommerserie «Wir hören das Gras wachsen» nach.

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Tipps

Wie man Allergien im Alltag vermeidet

- Wechseln Sie Ihre Kleider, nachdem Sie diese im Freien getragen haben.

- Hängen Sie Ihre frisch gewaschene Wäsche nicht im Freien auf.

- Waschen Sie abends Ihre Haare.

- Tragen Sie im Freien Ihre Sonnenbrille.

- Essen Sie zur Desensibilisierung regionalen Honig.

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