Romont 17.03.2017

Willkommen bei den Dzins

Besucher können dank der neuen Plattform typische Freiburger Handwerkstraditionen entdecken.
Der Freiburger Tourismusverband hat im Rahmen seines Rendez-vous «Pro Tourism» in Romont die Online-Plattform «Dzin» vorgestellt. Das Konzept: Touristen können Aktivitäten bei Einheimischen buchen.

Wer die neue Freiburger Plattform für partizipativen Tourismus anklickt, lernt erst einmal etwas Patois. «Dzins», so der Name der Plattform, heisst auf Deutsch «Menschen». Und um den Austausch zwischen Menschen geht es beim neusten Angebot des Freiburger Tourismusverbands – um Einheimische, die mit viel Leidenschaft ihrem Beruf oder ihrem Hobby nachgehen, und um Gäste, die Authentizität und Kontakte mit Einheimischen suchen.

Freiburgerinnen und Freiburger, Privatpersonen oder auch Firmen, bieten auf der Internetplattform Aktivitäten an, die einer Liste von Kriterien entsprechen. Die Aktivität muss zwischenmenschliche Kontakte beinhalten, einen lokalen Bezug haben, sie muss an mindestens vier verschiedenen Daten im Jahr angeboten werden und für Einzelpersonen verfügbar sein, und sie muss im Kanton Freiburg stattfinden.

Ab heute aufgeschaltet

Diese Aktivitäten können die Gäste dann über die Plattform buchen und bezahlen. Eine Aktivität kostet mindestens 10 Franken; der Preis variiert je nach Dauer oder Materialaufwand. Der Dzin und der Gast führen die Aktivität zum vereinbarten Zeitpunkt durch, der Dzin erhält sein Geld nach Abschluss der Aktivität, und der Gast kann anschliessend sein Erlebnis online bewerten.

Die Plattform ist ab heute aufgeschaltet; bis jetzt haben sich 50 Anbieter mit 80 Aktivitäten eingeschrieben, rund ein Fünftel davon aus Deutschfreiburg. «Unser Ziel sind ungefähr 120 Anbieter bis zum nächsten Jahr», sagte der Direktor des Freiburger Tourismusverbandes, Pierre-Alain Morard, gegenüber den FN. Jeder Anbieter füllt auf der Plattform ein Profil aus; der Tourismusverband kontrolliert dieses und validiert anschliessend die angebotene Aktivität.

«Unsere Plattform ist eine Schweizer Premiere», sagt Lucie Kaufmann, Projektleiterin von Dzin.ch. Ein vergleichbares Angebot sei ihr nur aus Frankreich bekannt. Entwickelt wurde das Freiburger Angebot von einer Arbeitsgruppe, deren Mitglieder 2016 ihre ersten Ideen austauschten. Für die Erstellung der Online-Plattform hat der Tourismusverband rund 250 000 Franken investiert. Aus jeder Reservation fliessen 20 Prozent an den Verband zurück, 15 Prozent werden in die Plattform re­inves­tiert, und 5 Prozent decken die Bewirtschaftung der Reservationen, so Kaufmann.

«Wir wollen damit nicht Geld machen», so Pierre-Alain Morard. «Wir möchten einfach Gäste anlocken. Dabei denken wir nicht nur Gäste von ausserhalb. Auch Freiburger, die oft innerhalb des Kantons reisen, sollen mit dem Angebot angesprochen werden.»

Für den Direktor hat dieses Modell Wachstumspotenzial; er versteht es als Ergänzung zur traditionellen Wirtschaft: «Es entspricht der Ökonomie des Teilens», so Morard.

Aktive Sensibilisierung

Vorteile sieht Projektleiterin Lucie Kaufmann auch bei den Anbietern. Diese leben ihre Leidenschaft aus, sie können ihren Aktivitäten zu grösserer Sichtbarkeit verhelfen und gleichzeitig nebenbei etwas verdienen. «Sie werden für den Tourismus sensibilisiert, wenn sie aktiv daran teilnehmen», so Kaufmann.

Das neue Freiburger Angebot wurde gestern in Romont vor rund 200 Tourismusfachleuten am traditionellen Rendez-vous «Pro Tourism» präsentiert. Dass die Idee sogleich in anderen Kantonen kopiert wird, befürchtet Direktor Morard nicht. Bis 2017 ist Freiburg die exklusive Nutzung der Plattform garantiert, und für die Zukunft sieht Morard die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit anderen Regionen.

Angebot

Ein Harley-Trip oder lieber eine Bergwanderung barfuss?

Einige der Gastgeber der neuen Plattform Dzin.ch haben ihre Künste und Leidenschaften gestern dem 200-köpfigen Publikum des Rendez-vous «Pro Tourism» in Romont vorgestellt. Aus jedem Bezirk hat der Tourismusverband eine Aktivität ausgewählt, um eine Kostprobe davon zu geben, was die Besucher des Kantons ab heute individuell entdecken können: Glaskunst, Schindeln, Schokolade und Heilpflanzen.

Das Startangebot der Website bietet eine grosse Vielfalt. Darunter befinden sich Aktivitäten, die in der Kapuzinerkirche in Romont gestern nicht präsentiert werden konnten – etwa eine Ausfahrt auf einer Harley Davidson, ein Fischertrip für Vater und Sohn oder Steinskulpturen-Bauen am Murtenseeufer. Mit dem E-Bike kann ein Besucher die Nebenstrassen des Greyerzerlandes entdecken, oder er kann barfuss in den Bergen um Les Paccots wandern. Auch eine Wanderung mit Yoga gibt es. Weiter locken ein Schokolade- Atelier, Sirup-Herstellen aus Wildpflanzen oder das Fabrizieren von Lippenstiften aus Bienenwachs. Auch geführte Foto-Rundgänge in Greyerz oder am Vully sind im Angebot. In Freiburg kann man die Geschichte des Biers erleben und durchs Cardinal-Museum geführt werden, und wer will, kann in Bulle Glocken ­herstellen.

uh