Romont 18.05.2017

Nespressos Wachstumsschub in Romont

Ein grosser Teil der neusten Entwicklung ist auf die Kaffeekapseln für den amerikanischen Markt zurückzuführen.
Nespresso hat am Produktionsstandort in Romont eine grössere Entwicklungsphase in Angriff genommen. Zu den bisherigen vier Produktionslinien kommen zwei neue hinzu. Der Konzern investiert Dutzende Millionen Franken und rekrutiert neues Personal.

Rund 400 Mitarbeiter hatte das Unternehmen Nestlé in Aussicht gestellt, als es vor fast zwei Jahren in Romont seine neue Fabrik für Kaffeekapseln einweihte. Doch die Entwicklung ging etwas weniger schnell, als sich viele im Kanton Freiburg erhofft hatten. Bei der Eröffnung der Produktionsanlage arbeiteten 125 Mitarbeiter in Romont, vor einem Jahr waren es rund 140 Nespresso-Angestellte und weitere 30 Personen anderer Firmen, die in der Fabrik für Catering, Sicherheit oder Reinigung zuständig waren.

Mehr als 200 Mitarbeiter

Seit Anfang Jahr hat aber Nespresso in Romont weitere 14 Personen angestellt, und nochmals 30 Personen könnten innerhalb des nächsten Jahres hinzukommen. Derzeit werden immer wieder Personen für Bewerbungsgespräche eingeladen. «Innerhalb der nächsten zwölf Monate werden wir mehr als 200 Angestellte in Romont haben», sagt Daniele Jungling, Direktor für Ankauf, Produktion und Vertrieb, auf Anfrage der FN. Dazu kommen die über 30 Personen von Dienstleistungsfirmen, die auch in der Nespresso-Fabrik arbeiten.

Hauptgrund für die derzeitige Entwicklung ist gemäss Jungling, dass Nespresso in Romont zwei neue Produktionslinien installiert. Beim Betriebsstart 2015 waren es vier Produktionslinien, bald werden es sechs sein.

Der amerikanische Markt

In erster Linie baut Nespresso in Romont die Produktion für den amerikanischen Markt aus. «Die Amerikaner lieben ‹long coffees› in grösseren Tassen. Wir haben die Technologie entwickelt, um diesen Markt zu beliefern», so Jungling. Es handelt sich dabei um die Vertuo-Linie. Dieser Kaffee ist etwa das Dreifache eines Espressos. Gemäss Jungling wird damit auch der Markt in Kanada abgedeckt. «Seit Kurzem haben wir dieses Produkt in Frankreich lanciert», so Jungling. «Auch die Franzosen kennen den traditionellen Frühstückskaffee.»

Romont ist der einzige der drei Nespresso-Standorte, an dem die Vertuo-Linie produziert wird. Zudem deckt Romont auch den Business-to-Business-Markt für Hotels und Restaurants ab. «Romont ist jener Standort, an dem wir unsere Produktion diversifizieren», erklärt Jungling.

Die derzeitige Wachstums­phase ist mit grossen Investitionen verbunden. Jungling will dazu keine genaue Zahl nennen, bestätigt aber Informationen der FN, wonach es sich um Dutzende Millionen Franken handle. Der Neubau hatte rund 300 Millionen Franken gekostet.

Laufende Entwicklung

Wenn der Direktor für Operatives keine genauen Zahlen nennt, dann hängt dies auch damit zusammen, dass sich die Technologie laufend entwickle. Die Produktionslinien, die sowohl das Rösten wie auch das Abfüllen in Kapseln umfassen, entstehen in enger Zusammenarbeit mit einem exklusiven Partner. «Die Maschinen werden immer schneller, leistungsfähiger und verursachen weniger Unterbrüche», erklärt Jungling. Die stete Automatisation war auch ein Grund, dass die Personalzunahme etwas langsamer erfolgte, als ursprünglich angekündigt.

Personal von Tetra Pak

Bei der Personalrekrutierung habe Nespresso zuletzt zahlreiche Angestellte der nun geschlossenen Tetra-Pak-Fabrik in Romont übernehmen können, so Jungling. Sie entsprachen den Anforderungen in den Bereichen Mechanik und Elektronik, die Nespresso an sein technisches Personal stellt. Sie erhalten dann eine interne Weiterbildung an den Nespresso-Produktionslinien. Weitere Mitarbeiter stammen aus dem Genferseegebiet und dem Wallis. Als Operateure engagiere Nespresso dagegen eher Personen, die schon in der Lebensmittelindustrie gearbeitet haben, erklärt Jungling. Auch da bietet der Kanton Freiburg interessante Rekrutierungsmöglichkeiten. Von der Entwicklung in Romont profitieren indirekt auch die Nespresso-Fabriken in Avenches und Orbe. Das technische Personal wird oft auch an den anderen Standorten eingesetzt, und technologische Innovationen an einem Ort lassen sich manchmal an den anderen Standorten anwenden.

Ob Nespresso in Romont das angekündigte Potenzial von 400 Angestellten je erreichen wird, ist heute offen. Daniele Jungling aber sagt: «Die heutige Produktionshalle ist noch nicht voll, sie ist für eine bestimmte Anzahl Linien konstruiert. Und wir haben die Möglichkeit, noch eine zusätzliche Halle anzubauen.»

Dominique Butty

«Diese Entwicklung passt uns»

Der Syndic von Romont, Dominique Butty, und der Oberamtmann des Glanebezirks, Willy Schorderet, liessen sich vor drei Wochen an Ort und Stelle von Nespresso-Verantwortlichen über die Ausbaupläne informieren. «Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung der Fabrik», so Butty auf Anfrage der FN. «Der Ausbau der Produktion verläuft kontrolliert und richtet sich nach den Verkaufszahlen. Uns passt diese Strategie.» Butty wurde gesagt, es sei schwierig, in der Region genügend Personal zu finden. Besonders befriedigt zeigt er sich aber über die Lösung, dass Nespresso bei der Rekrutierung neuer Techniker zuerst ehe­malige Angestellte von Tetra Pak kontaktiere. «Diese Stellen sind sehr wichtig für Romont», sagte Butty.

uh