Freiburg 18.05.2017

Feiern bis der Arzt kommt?

Ein Kübel Schnaps: Dass Jugendliche mit ihrem Alkoholkonsum niemanden gefährden, ist dem Label «Smart Event» ein Anliegen.
Mit dem Label «Smart Event» soll im Kanton Freiburg gesundheitsgefährdendem Alkoholkonsum die Stirn geboten werden. Gestern lancierten Behörden und der Verein Reper das Label im Ancienne Gare.

«Partymachen ist gut für die Gesundheit.» Mit dieser Bemerkung eröffnete Gesundheitsdirektorin Anne-Claude Demierre gestern die Medienkonferenz im Ancienne Gare in Freiburg, bei der das Label «Smart Event» vorgestellt wurde. «Aber nur, solange man kein Risikoverhalten an den Tag legt», schränkte sie sogleich ein. Dafür gibt es das neue Label «Smart Event», das aus der Zusammenarbeit von Oberämtern, Staatsämtern, der Polizei und dem Verein Reper (siehe Kasten) hervorgegangen ist. «Smart Event» will, das Jugendliche nicht masslos über ihren Durst trinken und damit sich selbst oder andere gefährden. Denn mit diesem Verhalten gehen Unfälle, Gewalt und eine erhöhte Risikobereitschaft einher.

Vorteile für Veranstalter

Aber kann das Label attraktiv sein für Veranstaltungen wie den «Giron de Jeunesse», dessen Erfolg unter anderem aus dem erhöhten Alkoholkonsum resultiert? «Wir wollen diese Feste keinesfalls vermiesen», so Patrice Borcard, Oberamtmann des Greyerzbezirks. Das Label biete den Organisatoren von Veranstaltungen viele Vorteile. Wer seine Kinder an einen Event schicke, der das Label trägt, könne sich sicher sein, dass die Organisatoren verantwortungsvoll seien. «Aus­serdem unterstützen Partner des Labels die Veranstalter mit Infrastruktur, Sichtbarkeit in den Medien und Präventionsmaterial», so Borcard. So seien momentan Diskussionen mit der TPF darüber im Gange, ob sie Nachtbusse für die Events zur Verfügung stellen könnten.

Kontrolle vor Ort

Um das Label zu erhalten, müssen die Organisatoren eine Reihe an Massnahmen umsetzen, wenn sie ein Fest veranstalten. Diese sind festgehalten auf der Internetseite von «Smart Event». Einige Massnahmen sind obligatorisch, andere fakultativ – von diesen fakultativen Massnahmen muss der Veranstalter fünf auswählen, um das Label zu bekommen. Einige Beispiele für solche Massnahmen sind etwa das Aufhängen einer «korrekten» Getränkeliste, bei der Suze, Pastis und andere harte Getränke erst ab 18 Jahren erhältlich sind, oder das Attraktiv-Machen von alkoholfreien Getränken, indem etwa ausgefallene Sirup-Sorten oder Trinkwasser umsonst angeboten werden. Reper, die treibende Kraft hinter diesem Label, stellt dann sicher, dass die Massnahmen auch umgesetzt werden. «Dafür gehen wir vor Ort und begleiten den ganzen Event», erklärt Alexandre Terreaux, Präventionsbeauftragter von Reper. Auch im Vorfeld eines Feste begleiten Reper sowie die Kantonspolizei die Veranstalter und bieten ihnen Unterstützung.

Und Deutschfreiburg?

Die «Fête du Giron des Musiques» in Estavayer-Le-Gibloux sowie die «Marly-Folies» in Marly sind Veranstaltungen, die das Label bereits tragen. Doch wie steht es um Deutschfreiburg? «Wir sind ein bisschen später eingestiegen und haben dementsprechend weniger Feste getestet», sagt Silvia Friedrich, Fachperson für Prävention bei Reper. Sie begleitet Organisatoren beim Test, unter anderem auch in Deutschfreiburg. Was den deutschen Kantonsteil angehe, habe sie nur den Weihnachtscup des UHC Alterswil-St. Antoni in St. Antoni begleitet. «Dort lief aber alles gut», so Friedrich. Viele Massnahmen seien aber sowieso schon umgesetzt worden, etwa die korrekten Getränkelisten oder die Armbänder mit Altersangaben. «Wir sind momentan noch mit drei weiteren deutschsprachigen Organisationen in Verhandlung.»

Prävention

Reper: Damit sich die Jungen wohlfühlen

Der Verein Reper engagiert sich für die Gesundheitsförderung, für die Prävention und für das Wohlbefinden von Jugendlichen sowie für deren Einbettung in die Gesellschaft. Reper verfügt über 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestehend aus Animatoren, Sozialpädagogen, Lehrpersonen und Sozialarbeitern. Sie informieren und beraten insbesondere zu Themen wie Alkohol, Drogen, Gewalt, die Abhängigkeit von Sozialen Medien sowie Glücksspielsucht. Die Dienstleistungen des Vereins richten sich etwa an Institutionen, Schulen, Klubs und Festorganisatoren. Dabei bietet Reper beispielsweise Ateliers, Präventionsmassnahmen oder individuelle Begleitung an.

kf