Granges-Paccot 13.09.2017

Die wichtigsten Akteure unter einem Dach

An 90 Ständen stellten zahlreiche Anbieter ihre Integrationsmassnahmen vor.
Zum vierten Mal fand gestern im Forum Freiburg eine Fachmesse zur beruflichen Eingliederung statt. Erstmals drehte sich aber nicht alles um die RAV-Dienste des Amts für den Arbeitsmarkt, sondern auch die IV-Stelle und das Sozialamt rückten ins Zentrum.

Die berufliche Eingliederung stellt im Kanton Freiburg ein grosses Tätigkeitsfeld dar. Über die Sozialhilfe und die Regionalen Arbeitsvermittlungsstellen (RAV) haben allein 2016 gegen 10 000 Personen solche Eingliederungsmassnahmen in Anspruch genommen (siehe Kasten). Entsprechend viele Anbieter gibt es. Ein Grossteil von ihnen hat sich gestern an der Fachmesse «Arbeitsintegration 2017» im Forum Freiburg präsentiert. Insgesamt 90 Stände umfasste die Fachmesse, dazu fanden Konferenzen und eine Podiumsdiskussion statt.

Gemäss Jens Rogge, Präsident der Vereinigung Arbeitsintegration Freiburg, fand bereits 2010, 2012 und 2014 je eine Fachmesse für die berufliche Eingliederung in Freiburg statt. Damals standen aber vor allem die RAV-Stellen im Vordergrund. Die vierte Austragung gestern vereinte nun erstmals das kantonale Sozialamt, die IV-Stelle des Kantons und das Freiburger Amt für den Arbeitsmarkt unter einem gemeinsamen Dach. Somit stand bei der diesjährigen Messe die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren im Mittelpunkt. «Jeder Partner muss sich auf die Schlüsselkompetenzen konzentrieren. Man muss nicht alles selber können, man muss aber wissen, wer was kann», so Rogge.

Wettbewerb oder Kooperation

Die Freiburger Gesundheits- und Sozialdirektorin Anne-Claude Demierre (SP) bezeichnete die Fachmesse als eine «grossartige Gelegenheit, gemeinsam Wege zu finden, um betroffene Personen noch besser in die Arbeitswelt zu integrieren». Für sie sind alle Beteiligten, die sich gestern an der Messe trafen, mit ihren spezifischen Aufgaben komplementär: «Gerade deshalb weist Freiburg so gute Ergebnisse bei der Eingliederung auf.» Gemäss Demierre umfasst diese Aufgabe sowohl die Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit, aber auch die Prävention und ein Monitoring.

An einem Konferenzteil mit anschliessender Podiumsdiskussion meinte der Lausanner Professor Giuliano Bonoli, man müsse noch gezielter die positiven Effekte von Eingliederungsmassnahmen multiplizieren und die negativen minimieren. «Zusammenarbeit kann da nützlich sein.»

Jean-Charles Rey von Ar­beitsintegration Schweiz stellte verschiedene Modelle von Wettbewerb bis Kooperation zwischen den Anbietern von Massnahmen vor. Er sprach sich für ein engeres Zusammenrücken, einfachere Verfahren und weniger aufwendige Kontrollen aus, wie dies beispielsweise der Kanton Waadt vormache. «Wir sind auf dem Weg, aber ganz am Anfang», meinte dazu Jens Rogge. Doch sowohl Charles de ­Reyff, Vorsteher des Amts für den Arbeitsmarkt, als auch der Chef der Freiburger IV-Stelle, Mario Fedeli, erwähnten, dass die Zusammenarbeit auch Grenzen habe: Jede Institution müsse sich an die sie betreffenden Gesetze halten. So erklärten sie den Eindruck eines Gemeinderats aus dem Publikum, der sagte, betroffene Personen würden oft wie eine heisse Kartoffel zwischen den Diensten hin- und hergeschoben. Dass es den Institutionen mit der Zusammenarbeit aber ernst ist, zeigt sich daran, dass sie noch morgen eine gemeinsame Sitzung zur Feinsteuerung ihrer Aktivitäten abhalten.

Zahlen und Fakten

Eine Vielzahl von Massnahmen

Die berufliche Wiedereingliederung ist eng mit der sozialen Eingliederung verknüpft. 2016 haben via Sozialhilfe 551 Personen an 55 Massnahmen zur sozialen Eingliederung teilgenommen. Im selben Jahr haben die RAV 8299 Personen insgesamt 11 313 Massnahmen zur beruflichen Wiedereingliederung gewährt.

uh