Freiburg 12.10.2017

Die Kulturdebatte dreht sich um Finanzen

In einem Bericht hat der Staatsrat aufgezeigt, wie der Kanton das Kulturschaffen fördert. Aus dem Grossen Rat wurde deutlich, dass diese Förderung auch etwas mehr Geld kosten darf.

«Jeder Franken, der in die Kultur investiert wird, generiert weitere vier Franken.» Diese Erkenntnis zeige eine Studie, erklärte Grossrat Philippe Savoy (SP, Corpataux) und verlangte sogleich: «Der Kanton Freiburg muss mehr in die Kultur investieren.»

Savoy bezog sich bei seinem Votum gestern auf einen Bericht über die kantonalen Subventionen für Kultur. Der Staatsrat hat auf ein Postulat von Pierre Mauron (SP, Riaz) und Eric Collomb (CVP, Lully) eine Bestandesaufnahme der kantonalen Kulturförderung gemacht. Er wolle das Erreichte konsolidieren und künftig Impulse in fünf Bereichen geben: künstlerisches Schaffen bekanntmachen und verbreiten, Kunst und kreatives Schaffen erneuern, künstlerischen Austausch fördern, koordinieren und die Ausstrahlung der Freiburger Kultur verbessern.

Der Bericht gebe kaum Antworten über finanzielle Gesichtspunkte, kritisierte Savoy: «Wo sind die Zahlen, wie der Staat die Kultur unterstützt?»

Einen Fonds gefordert

Bei der Ratsdebatte über den Bericht stand der finanzielle Aspekt im Vordergrund. Stéphane Peiry (SVP, Freiburg) erkannte, dass die Finanzierung der Freiburger Kultur sich in den letzten 15 Jahren fast verdreifacht habe. «Die Nutzniesser sind fast immer dieselben und konzentrieren sich auf Grossfreiburg. Diese Kunstschaffenden erhalten Gelder vom Kanton, der Agglo und den Gemeinden. Es gibt aber Musikgesellschaften, Chöre und Theatergruppen, die auch Kultur machen. Der Kantonsbeitrag von 4 Millionen Franken für die Kultur müsste besser verteilt werden.»

Jean-Daniel Schumacher (FDP, Bürglen) betonte, dass die Gemeinden für die Kultur mehr Geld aufwenden als der Kanton. Er sagte, dass die Kultur Profis brauche, und diese müsse der Kanton unterstützen. Eric Collomb sagte, man solle Profis und Amateure nicht gegeneinander ausspielen. «Beide hängen voneinander ab, so wie in der Wirtschaft KMU und Multinationale einander brauchen.»

Pierre Mauron erkannte, dass das finanzielle Engagement des Kantons im Verhältnis zur Bevölkerungszahl zurückgegangen sei. Er regte an, aus der Staatsrechnung 10 Millionen Franken in einen Fonds für die Kultur einzubezahlen.

Kulturminister Jean-­Pierre Siggen (CVP) entgegnete, die Mittel für die Kultur seien trotz Sparmassnahmen nie reduziert worden. Er wies auch auf geplante Investitionen von rund 150 Millionen Franken für die Kantons- und Universitätsbibliothek und das Naturhistorische Museum hin. Siggen betonte, dass zwischen dem Kanton und den Gemeinden eine klare Aufgabenteilung herrsche: Der Kanton unterstütze künstlerisches Schaffen und die Gemeinden künstlerische Veranstaltungen. Wichtig ist für ihn, dass die Künstler und die Bevölkerung sich treffen. Das geschehe im Projekt Schule-Kultur, bei dem jeder Schüler des Kantons einmal im Jahr mit einem professionellen Kunstschaffenden in Kontakt kommt.