FREIBURG 14.11.2017

Der Staatsrat spricht sich gegen ein Archäologiemuseum aus

Zwei SP-Grossräte fordern die Einrichtung eines Museums in der alten Kaserne Freiburg. Der Staatsrat ist dagegen.

Es ist in den kommenden Jahren nicht geplant, ein Archäologiemuseum im Kanton Freiburg aufzubauen, auch wenn ein Zusammenschluss mit dem Waadtländer Projekt eines neuen römischen Museums in Aventicum nicht ausgeschlossen sei. Der Staatsrat empfiehlt dem Kantonsparlament, ein entsprechendes Postulat der SP-Grossräte David Bonny (Prez-vers-Noréaz) und Andréa Wassmer (Belfaux) abzulehnen, das ein solches Museum gefordert hatte. Vorrang habe in diesem Bereich die Zusammenlegung der archäologischen Sammlung im Rahmen des geplanten interinstitutionellen Kulturgüterdepots (die FN berichteten).

Bonny und Wassmer sind der Ansicht, dass die reiche archäologische Sammlung des Kantons für die Schulen und die Allgemeinheit ungenügend erschlossen seien, da ein würdiger Ausstellungsort fehle. Die Sammlung führe «in anonymen Depots ein tristes Dasein». Beim Umzug des Amts für Archäologie in die ehemalige Kaserne in Freiburg 1997 sei eigentlich ein kantonales Museum geplant gewesen. Die Finanzlage des Kantons, die gegenwärtig viel besser als damals sei, würde es nun erlauben, dieses Projekt zu verwirklichen.

«Viel Bruchstückhaftes»

Die archäologische Sammlung des Kantons sei sehr heterogen zusammengesetzt und enthalte nicht nur vollständige oder restaurierte, «museale», Gegenstände, sondern auch viel Lückenhaftes und Bruchstückhaftes, kontert der Staatsrat. Es handle sich um «Fragmente mit Informationswert, aber geringem musealem Wert». Gegenwärtig sei dieses Fundmaterial in acht Depots sowie in der anthropologischen Sammlung auf einer Fläche von 2400 Quadratmetern untergebracht. Im Weiteren stelle das Fehlen eines eigentlichen Museums für die Kantonsarchäologie kein Hindernis dar, regelmässig Sonderausstellungen zu organisieren. Den erwähnten Raum in der ehemaligen Kaserne auf der Oberen Matte müsse das Amt seit 2005 für das Team von Mitarbeitenden nutzen, die seit den 1990er-Jahren dezentral in Estavayer-le-Lac gearbeitet hätten. Auch die im Rahmen dieses Projekts ausgegrabenen Gegenstände habe das Amt hier untergebracht. Obwohl der Raum für die Sonderausstellungen und verschiedenen Veranstaltungen nicht ideal sei, werde alles daran gesetzt, die Bedingungen für die Ausstellungsobjekte einzuhalten und die Besucher professionell zu empfangen. In den letzten zehn Jahren hätten hier zudem acht Sonderausstellungen stattgefunden. Regelmässig nutze die Kantonsarchäologie auch die Sonderausstellungen im Römermuseum in Vallon, um dort Gegenstände aus seiner Sammlung auszustellen.

Nicht zuletzt sei auch der Zugang für Schulen gewährleistet. Den Lehrpersonen würden in Didaktikkoffern Originalgegenstände wie Haarspangen und Messer sowie Faksimiles zur Verfügung gestellt.