Kritik 10.02.2018

Wilder, roher, lauter

Die Sechzigerjahre-Kultband The Sonics hat am Donnerstag das Fri-Son in Freiburg besucht. Die Grossväter des Proto-Punk sorgten für einen ausgelassenen Tanzabend.

The Sonics, Kultband aus den Sechzigern. Ihren Anfang nahmen sie 1960 in Tacoma, damals noch als instrumentale Rock ’n’ Roll-Band. Nach zahlreichen Umbesetzungen findet sich 1963 die prickelnde Kombination, um die Wurzeln des Punkrocks zu legen. Simple Akkorde, rasantes Tempo und dazu typische Liedtexte der Teenagekultur der damaligen Zeit: Autos, Mädchen, Surfen, Psychopathen, Gitarren. Ihre Songs durften zu Beginn nur zu bestimmten Tageszeiten in den Radios gespielt werden, denn man hatte aufgrund des harten Sounds Angst vor einem «jugendgefährdenden Einfluss».

Und heute? Auch die Jugendlichen von damals sind älter geworden, und so findet sich an diesem Donnerstagabend im Fri-Son ein breit gefächertes Publikum aller Altersklassen. Den Abend eröffnet das Trio der britischen Songwriterin Gemma Ray mit softem Gothic-Folk. Die nach Spaghetti-Western klingende Gitarre, teils bluesig und teils in psychedelischen Höhen schwebend, lockt immer mehr Hörlustige nach vorne.

Der Konzertsaal ist gefüllt und die Vorfreude steigt. Unter Applaus betreten die älteren Herrschaften die Bühne und rasch wird klar: Die Songs kommen noch genau so fetzig und rasant daher wie auf den Platten. Ja, leider bin ich noch zu jung, um sie in den Sechzigern live erlebt zu haben. Die Gitarre frech verzerrt, das Schlagzeug duldet keine Verschnaufpause, und die Sänger jaulen immer noch wie lederlungige Hunde. Zwar können sich nicht mehr alle Bandmitglieder bewegen wie in ihren jungen Jahren, dafür tanzt das Publikum umso mehr. Es scheint, als hätte niemand seine Tanzschuhe zu Hause gelassen.

Das Thema des Abends wird früh deutlich: Schnell, laut, groovy. Schlagzeuger Dusty Watson peitscht das ganze Konzert über das Schlagzeug und beendet den Abend schweissnass. Derweil serviert Gitarrist Evan Foster das in jedem Song obligate Solo spitzbübisch und ungebändigt. Während energiegeladenen achtzig Minuten spielen sich die fünf Herren aus Wa­shing­ton durch zwanzig Lieder und verabschieden sich mit Klassikern wie «Strychnine» und «The Witch». Das ganze Haus fiebert ein letztes Mal mit.

So will ich auch mal alt werden.