Stadt Freiburg 10.01.2018

Pilotprojekt für zweisprachige Klassen

Vielleicht gibt es in der Stadt Freiburg bald zweisprachige Primarschulklassen.
Die Stadt und der Kanton arbeiten zusammen an einem Pilotprojekt für zweisprachige Klassen ab Primarstufe. Plötzlich scheint der Gordische Knoten gelöst.

Möglicherweise ist es der Initiative von Reto Furter, dem ehemaligen Vorsteher des kantonalen Amts für deutschsprachigen obligatorischen Unterricht, zu verdanken, dass sich endlich etwas bewegt in Bezug auf die Einführung von zweisprachigen Klassen ab dem Kindergarten in der Stadt Freiburg. Bisher existieren im Kanton erst ab der Orientierungsstufe vereinzelt zweisprachige Klassen oder Immersionsprojekte. Auf Sekundarstufe II gibt es die zweisprachige Matura.

«Fragen Sie mich nicht, wie das möglich war. Plötzlich waren beide Seiten bereit und auf der gleichen Wellenlänge.»

Antoinette de Weck

Freiburger Gemeinderätin (FDP)

In der Stadt Freiburg steht seit längerem die Forderung im Raum, zweisprachige Klassen auch in der Primarschule anzubieten. Doch die städtische Schulvorsteherin Antoinette de Weck (FDP) argumentierte stets, dass die Stadt für die Schulhäuser und der Kanton für den Unterricht zuständig sei. Der Kanton seinerseits schien darauf zu warten, «von der Stadt mit einem Projekt für zweisprachigen Unterricht bedient zu werden», wie es CVP-Generalrat Bernhard Altermatt im vergangenen Jahr formulierte (siehe Kasten).

Nägel mit Köpfen

Antoinette de Weck stand zunehmend unter politischem Druck, endlich etwas Konkretes zu liefern. Unter diesen Umständen kam das Angebot von Reto Furter wie gerufen. «Ich habe Antoinette de Weck geschrieben, dass ich weiss, wie man das Projekt anpacken könnte», sagt der heutige Gesamtleiter des interkantonalen Projekts «Passepartout» für Fremdsprachen an der Volksschule lachend. Furter denkt, dass man einfach mal starten, mal «Nägel mit Köpfen» machen müsse. De Weck stieg auf das Angebot ein, und auch der Kanton schloss sich dem Projekt an. «Fragen Sie mich nicht, wie das möglich war», sagt de Weck auf Anfrage: «Plötzlich waren beide Seiten bereit und auf der gleichen Wellenlänge.»

Vor Jahresende wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der kantonalen Erziehungs- und der städtischen Schuldirektion eingesetzt. Bis im Sommer will sie den Schulen ein Konzept präsentieren.

Die Schulen überzeugen

Klar ist: «Wir können den Schulen nichts befehlen. Wir müssen sie mit einem attraktiven Konzept gewinnen», sagt Furter. Mit anderen Worten: Ohne Bereitschaft der Lehrpersonen geht gar nichts. Auf der operativen Ebene stellt sich darum die Frage: Finden sich Lehrpersonen, die sich zutrauen, in beiden Sprachen zu unterrichten? Was die Stadt Freiburg angehe, sei er allerdings zuversichtlich, meint Furter. Inhaltlich bestehe die grosse Herausforderung darin, den Lehrplan 21 für die deutschsprachigen und den Westschweizer Lehrplan für die französischsprachigen Kinder unter einen Hut zu bringen.

Sobald sich eine Schule gefunden hat, die bereit ist, beim Pilotprojekt mitzumachen, soll die Zeit nach dem Sommer bis zum Schulbeginn 2019 genutzt werden, das Projekt zusammen mit der Schule sorgfältig zu planen – Budgetplanung inbegriffen. 2019/20 soll das Pilotprojekt dann starten.

Reaktion

«Alle guten Ideen sind willkommen»

Der kantonale Erziehungsdirektor Jean-Pierre Siggen (CVP) findet die Initiative der Stadt Freiburg eine «exzellente Sache»: «Alle guten Ideen sind willkommen.» Seine Direktion sei immer davon ausgegangen, dass die Gemeinden mit Projekten an den Kanton herantreten, die von diesem dann pädagogisch begleitet werden. «Wir haben uns nicht der Verantwortung entzogen.» Es sei zudem gut, dass das städtische Projekt erst jetzt komme. Zum einen, weil das Sprachenkonzept 2010 des Kantons vorsieht, dass die Einführung zweisprachiger Klassen von oben nach unten erfolgen soll. «Es macht keinen Sinn, in der Primarschule zweisprachige Klassen einzuführen, und dann geht es nicht weiter.» Darum habe man zuerst an den Orientierungsschulen mit zweisprachigen Klassen und Immersionsangeboten begonnen. Dort stünden auch Sprachlehrer zur Verfügung. Zum anderen sei es klug, mit der Einführung zweisprachiger Primarschulklassen zu warten, bis der Lehrplan 21 in Kraft trete. Das ist im August 2019 der Fall. Denn der aktuelle Lehrplan sei mit dem Westschweizer Lehrplan gar nicht kompatibel. Siggen fände es wünschenswert, wenn das städtische Pilotprojekt im ganzen Kanton Schule machen würde. Dennoch sei klar, dass zweisprachige Primarschulklassen im Vivisbachbezirk schwieriger einzuführen seien als in der Stadt Freiburg.

rsa