Freiburg 04.12.2017

«Kinder, vergesst das Spielen nicht»

St. Nikolaus sprach vor dicht gedrängtem Publikum – mehr als 30 000 Menschen nahmen am Umzug und den Festlichkeiten teil.
Ein bisschen wie die Museumsnacht, aber im Winter: Der Familiensonntag des neu dreitägigen St.-Nikolaus-Festes bestand bei schönstem Wetter seine Feuertaufe.

Schon in den frühen Morgenstunden ging es am Samstag los. Massenweise strömten Kinder und Erwachsenen in die Kantonshauptstadt, um sich von der Stimmung rund um Freiburgs Schutzpatron verzaubern zu lassen. Auf dem Liebfrauenplatz sowie neu auch auf dem Fischmarktplatz konnten sich die Besucherinnen und Besucher mit Glühwein, Giffers-Tee, Vully-Kuchen und vielen weiteren Leckereien versorgen. Am Handwerkermarkt im Innenhof des Kollegiums St. Michael boten einheimische Bastlerinnen und Bastler ihre Ware an: Selbst genähte Kinderkleider, kreative Weihnachtsdekorationen, eleganter Schmuck und vieles mehr. Die ganz Kleinen konnten dort zudem wie der Sankt Nikolaus auf einem Esel reiten, sich weihnachtliche Märchen erzählen lassen oder Laternen basteln.

Sehnsüchtig erwartet

Ungeduldig wurde der Santiklous dann um 17 Uhr auf dem Hof des Kollegiums St. Michael erwartet. Die auf den Schultern ihrer Eltern sitzenden Kinder waren die Ersten, die nach den obligaten fünfzehn Minuten Verspätung einen Blick auf den Sankt Nikolaus erhaschen konnten. «Er kommt!», rief ein Mädchen mit rosaroter Wollmütze von ihrem Aussichtspunkt aus. Das lockte auch eine Gruppe Jugendlicher herbei, die lässig etwas hinter der Menge gestanden hatten. Nun fuhr Leben in die jungen Leute: «Saint Nicolas!», schrien sie laut, in der Hoffnung, einen der begehrten Lebkuchen abzubekommen. Das liess sich der Schutzpatron der Stadt nicht zweimal sagen. Ein kurzer Griff in den Sack, und es regnete zur Freude aller Anwesenden Lebkuchen auf die Menge herab.

Bei Kerzenschein

Begleitet wurde der Sankt Nikolaus wie jedes Jahr von seinem treuen Esel Babalou, von Pfeifern, der Fanfare des Kollegiums St. Michael und von rund 200 Musikern und Sängerinnen verschiedener Freiburger Chöre. Die Letzteren sangen gemeinsam das neue Lied zum Sankt Nikolaus: «Les voici! Les voilà!». Der Weg bis zur Kathedrale war dieses Jahr dank den Anwohnern und Geschäftsleuten des Quartiers stimmungsvoll mit Kerzen und Teelichtern beleuchtet.

Eindrücke vom Start des Umzugs im Livestream:

Gegen 18 Uhr stand der Sankt Nikolaus dann endlich auf dem Balkon seiner Kathedrale. Sein Mantel und sein langer, weisser Bart wehten in der eiskalten Bise, als er sich an über 30 000 konzentriert lauschende Ohrenpaare richtete: «Meine lieben Kinder!» In seiner Rede forderte er die Kleinen zum Entdecken auf: «Arbeitet weiterhin fleissig, aber vergesst das Spielen nicht.» Auch an die Eltern richtete er ein ernstes Wort. Süchtig seien sie, süchtig nach ihren Natels: «Eltern, gebt euch einen Ruck, hebt eure Blicke und ermuntert eure Kinder in ihren Entdeckungen!» Nebst Anekdoten zu Politik und aktuellem Geschehen blieb auch der Sport nicht unerwähnt. Von Gottéron sei er ein Fan der ersten Stunde: «Ich verspreche euch, dass ich meinen langen Bart nicht rasiere, solange ihr nicht Meister seid.» Wer wagt es, nächstes Jahr auf einen bartlosen Santiklous zu hoffen?

Die Rede im Livestream:

 

Der Nikolaus verlegte die Lebkuchen

Er feierte Premiere, und eine erfolgreiche noch dazu: Der sehr gut besuchte Familientag des St.-Nikolaus-Festes am Sonntag im Freiburger Burgquartier. Im Zentrum stand die sogenannte Lebkuchenjagd, eine zweisprachige Schnitzeljagd, welche über 1500 Kinder und Eltern die Plätze und Strassen rund um die Kathedrale entdecken liess.

Spass rund um den Nikolaus

Vier Aufgaben galt es für die kleinen Detektive zu lösen, bis sie ihren Lebkuchen in den Händen halten konnten. Warum sie erst auf die Suche nach dem weihnächtlichen Gebäck gehen mussten, hatte einen einfachen Grund: Der schusselige Nikolaus hatte seinen Sack irgendwo im Burgquartier verlegt. Auf dem Fischmarktplatz, wo die Ludothek Freiburg aus­serdem viele Spiele und Spielgeräte vorstellte, startete der Postenlauf. Die Teilnehmer waren schon beim Start kleine Gewinner: Mit einem Gratisticket für die beiden Karussells und einem freien Eintritt für das MAHF und das Gutenberg-Museum in der Tasche begannen die Kinder die Suche nach den Lebkuchen. Beim ersten Posten beim Fischmarktplatz mussten sie sich etwa als Fischer betätigen und mit Zahlen versehene Holzfische aus dem Brunnen angeln. Die Zahlen übertrugen sie mit einem Schlüssel in Buchstaben.

War die Aufgabe gelöst, ging es auf zu Posten Nummer zwei in der «Art Buvette», organisiert von den Stadtbibliotheken. «Dieser Tag ist ideal für kleinere Kinder», sagte Besucherin Julia Reidy aus Düdingen. Ihre Töchter, die 6-jährige Gina und die 5-jährige Noula, versuchten gerade mit Vater Stefan Reidys Hilfe eine Nikolaus-Bilder-Geschichte in die richtige Reihenfolge zu bringen. «Wegen der vielen Leute sind wir gestern nicht an den Umzug, mit drei kleinen Kindern ist das nicht praktisch», sagte Julia Reidy, die den acht Monate alten Juri auf dem Arm trägt. «Der Familientag ist eine super Sache und auch einmal ein Angebot, das sich speziell an kleinere Kinder richtet.»

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Ein weiterer Posten befand sich im MAHF, der letzte beim Südportal der St.-Nikolaus-Kathedrale: Hier galt es, einen besonderen Sockel zu finden, nämlich einen modernen aus dem Jahr 2016, der Menschen mit ihren Smartphones abbildet. Gar nicht so einfach. Der letzte fehlende Buchstabe gab Gewissheit darüber, wo der Nikolaus seinen Sack verloren hatte: nämlich auf dem Rathausplatz. Wer das Rätsel gelöst hatte, wurde mit einem Lebkuchen belohnt. Selig kauten die Kleinen am Gebäck. Unter den erfolgreichen Detektiven: Gina und Noula Reidy. «Am meisten Spass hat es gemacht, die Bildergeschichte richtig zusammenzusetzen», so die 6-jährige Gina. Am schwierigsten sei es gewesen, den Sockel am Südportal der Kathedrale zu entdecken.

Wo sie der Familientag noch hinführte: Kostenlose Angebote gab es mehr als genug. Etwa einen Nikolaus aus Filz basteln, ein Esel-Bild sticken, Bilder drucken, Nikolaus-Geschichten hören, Brettspiele spielen, Lieder singen, Theater erleben, Zuckerwatte mit Veloantrieb selber herstellen, sich mit einer nostalgischen Kamera fotografieren lassen und vieles mehr: Fast 20 verschiedene Angebote standen zur Auswahl. Bei einem Gratis-Zvieri klang der Tag aus – für die braven und auch für die weniger braven Kinder.