Freiburg 11.01.2017

Grossprojekte, Neuzugänge und Entdeckungen im Museum

Zwei Neuzugänge aus dem Jahr 2016: ein prunkvoller Kabinettschrank aus dem 17. Jahrhundert …
Das Museum für Kunst und Geschichte Freiburg hat an seinem Dreikönigs-Treffen mit den Medien auf das bevorstehende und das vergangene Jahr geblickt.

Ende Januar geht für das Museum für Kunst und Geschichte Freiburg eines der wichtigsten Projekte der vergangenen Jahre zu Ende: die Inventarisierung der kompletten Sammlung und der Umzug der rund 45 000 Objekte in das neue Zentraldepot im Daillettes-Quartier (die FN berichteten). Etwa anderthalb Jahre hat die eigentliche Zügelaktion gedauert. Nun stehe diese kurz vor dem Abschluss, und alles sei nach Plan verlaufen, sagte der verantwortliche Konservator Stephan Gasser gestern anlässlich des traditionellen Dreikönigs-Treffens des Museums mit den Medien. Dreimal werden Interessierte im Verlaufe dieses Jahres die Gelegenheit erhalten, einen Blick in das Depot zu werfen, das sonst nicht öffentlich zugänglich ist: im März, im Juni und im ­November.

Hermes und die Hells Angels

Mit dem Abschluss des Umzugs, der in den letzten zwei Jahren einen grossen Teil der Ressourcen des Museums in Anspruch genommen habe, könne dieses nun zu seinem gewohnten Ausstellungsrhythmus zurückkehren, sagte Direktorin Verena Villiger. In der Regel sind dies jährlich drei Ausstellungen im Museum für Kunst und Geschichte und zwei Ausstellungen im Espace Jean Tinguely – Niki de Saint Phalle.

Derzeit läuft im Museum noch die Schau «Hic et nunc» des Freiburger Künstlers Pierre-Alain Morel. Im April folgt mit der Papierkünstlerin Vi­vi­ane Fon­taine bereits die nächste Freiburger Kunstschaffende. Die Sommerausstellung des Museums wird mit Fotografien aus dem Atelier Macherel einen Blick ins Freiburg der Belle Epoque ermöglichen, und in der Winterausstellung 2017/2018 wird sich alles um Engel drehen, «von Hermes bis zu den Hells Angels», wie Stephan Gasser es formulierte. Parallel zur Ausstellung «Engelwelten» im Museum geht es im Espace Tinguely um das Motiv des Engels bei ­Niki de Saint Phalle und um ihre Darstellungen von Gut und ­Böse. Bereits im Februar eröffnet der Espace eine Ausstellung rund um die 2015 verstorbene Eva Aeppli, die erste Ehefrau von Jean Tinguely. Im Zentrum der Schau werden die unverkennbaren Köpfe der Künstlerin stehen.

Ein Geschenk und ein Ankauf

Nebst dem Ausblick ging es am Dreikönigs-Treffen auch um einen Rückblick auf das vergangene Jahr. Direktorin Verena Villiger wies dabei vor allem auf zwei Neuzugänge in der Sammlung des Museums hin: die Schenkung eines Kabinettschranks aus dem 17. Jahrhundert und den Ankauf einer Skulptur von Pierre-Alain Morel. Der schwarze, kunstvoll bemalte und vergoldete Schrank kam letzten Sommer in den Besitz des Museums. Es handelt sich um ein Geschenk von Elisabeth Gardner-Muheim aus der Familie de Diesbach, in deren Besitz sich das edle Möbelstück seit Generationen befand. Der Schrank, der zuletzt im Schloss Balliswil in Düdingen stand, werde nun restauriert und erhalte dann einen Platz in der Dauerausstellung, so Villiger. Für die rund 20 000 Franken teure Restaurierung in einem spezialisierten Atelier komme eine andere Mäzenin auf.

Bei dem Werk von Pierre-Alain Morel handelt es sich um eine Holzskulptur, die überdimensionierte Farbtuben darstellt. Die Arbeit mit dem Titel «Tuben» sei zwischen 2012 und 2016 entstanden und ergänze den Freiburger Teil der Sammlung, sagte Vizedirektorin Caroline Schuster Cordone. «Sie ist typisch für Morel, der gerne alltägliche Objekte in ungewohnter Perspektive zeigt.»

Details zum Museum und zum aktuellen Programm: www.mahf.ch

Forschungsarbeit

Ein Buch zum 200-jährigen Bestehen

Kaum ist der Umzug ins Zentraldepot vollbracht, steht für das Museum bereits das nächste Grossprojekt an: eine Forschungsarbeit zu seinem 200-jährigen Bestehen. Der Historiker Fabien Python arbeitet derzeit die Geschichte des Museums auf; das Resultat soll 2018 in Buchform erscheinen. Er habe bereits viele interessante Dokumente zutage gefördert, so Python vor den Medien. Im Grunde handle es sich um zwei Geschichten von jeweils rund hundert Jahren: einen ersten Teil im Lyzeum St. Michael und einen zweiten am heutigen Standort im Ratzéhof. Als Gründungsjahr gilt das Jahr 1823, als aus der Sammlung des Chorherrn Charles-Aloyse Fontaine ein Museumskabinett entstand.

cs