Freiburg 10.01.2017

Ein neues Veloverleihsystem für Freiburg

Seit 2010 gibt es in Freiburg, Villars-sur-Glâne und Marly ein Veloverleihsystem. Zufrieden ist heute niemand damit: Die Gemeinden wollen mehr Stationen, um so mehr Nutzerinnen und Nutzer anzulocken. Zudem soll neues Material her.

Am Bahnhof, bei der Universität Perolles und im St. Leonhard eröffnete die Stadt Freiburg im April 2010 die ersten Veloverleihstationen. Nach und nach kamen weitere Stationen dazu, auch in Villars-sur-Glâne und Marly. Seit 2013 ist Publibike, eine Tochterfirma der Postauto Schweiz AG, für den Veloverleih zuständig.

Die Gemeinden sind jedoch alles andere als zufrieden mit dem Angebot von Publibike: Seit 2015 zahlen sie doppelt so viel für das Veloverleihsystem wie zuvor. Zudem kritisieren sie das Material: Die Reichweite der E-Bikes nimmt bei Kälte stark ab. Darum wurden sie im Winter ganz aus dem Verkehr gezogen. Zudem benützen zu wenige Leute das System (die FN berichteten). Darum möchten die Gemeinden neue Stationen aufbauen: Je mehr Stationen es gibt, an denen die Fahrräder ausgeliehen und auch wieder abgegeben werden können, umso attraktiver ist das System. Doch wollen die Gemeinden erst eine neue Vereinbarung mit Publibike, bevor sie das Netz ausbauen.

«Wir sind seit zwei Jahren am Warten», sagt Bruno Marmier, grüner Gemeinderat von Villars-sur-Glâne. Auch Pierre-Olivier Nobs, CSP-Gemeinderat von Freiburg und selber regelmässig mit dem Fahrrad unterwegs, ist ungeduldig: «Ich hoffe, dass wir bald vorwärtsmachen können.»

Das liegt aber nicht mehr im Einflussbereich der Gemeinden: Seit Anfang Jahr ist die Agglomeration Freiburg für den Veloverleih zuständig. Sie hat dafür im Budget 2017 100 000 Franken vorgesehen. Laut Generalsekretär Félicien Frossard überlegt sich die Agglo einen Systemwechsel – dabei klärt sie auch ab, ob sie zum anderen grossen Schweizer Anbieter von Veloverleihsystemen wechseln soll, zu Velospot. Der Nachteil von Velospot: Im Gegensatz zu Publibike hat das Unternehmen keine E-Bikes im Angebot, was im hügeligen Freiburg ein Nachteil ist.

«Das jetzige System ist unbefriedigend», bestätigt Féli­cien Frossard die Ansicht der Gemeindevertreter. Die Gemeinden warten nun bereits seit zwei Jahren auf eine neue Lösung. «Publibike hat sich reorganisiert, und wir wollten das neue Business-Modell abwarten, bevor wir einen Entscheid treffen», sagt Frossard dazu.

Dabei diskutieren die Agglo und Publibike einen Paradigmenwechsel: Die Agglo soll nur noch einen Beitrag an die Betriebskosten leisten, und die Gemeinden sollen den öffentlichen Grund für die Velostationen zur Verfügung stellen. Publibike hingegen soll die Investitionen finanzieren und im Besitz der Infrastruktur bleiben; bislang finanzierten die Gemeinden die Stationen. Publibike möchte wieder vermehrt auf Sponsoren und Werbe­kunden setzen, um das Verleihsystem zu finanzieren.

Publibike hofft, in der zweiten Jahreshälfte «das System auf der Basis des bestehenden Vertrags komplett zu erneuern», wie Katharina Merkle von der Medienstelle der Postauto Schweiz AG schreibt. Das jetzige System sei am Ende seines Lebenszyklus angekommen. Das neue System soll einfacher zu bedienen und robuster sein. Und die E-Bikes sollen mit leistungsstärkeren Akkus unterwegs sein, die auch im Winter funktionieren.

Zudem will Publibike ein nationales Veloverleihnetz aufbauen; das Unternehmen hat die Ausschreibungen für die Verleihnetze in Bern und Zürich gewonnen. Ein Freiburger Nutzer von Publibike soll so auch in Bern Fahrräder ausleihen können.

Ob künftig tatsächlich noch Publibike in der Agglomeration Freiburg für den Veloverleih zuständig ist, wird sich laut Félicien Frossard in den kommenden Monaten zeigen. Noch ist nicht entschieden, ob die Agglo den Auftrag ausschreiben wird. Klar ist nur: Die Region Freiburg erhält ein neues Veloverleihsystem.