Freiburg 10.08.2017

Ein neuer Platz für Spiel und Spass

Die Kinder und Jugendlichen sind mit Bohr- und Schleifmaschinen im Einsatz.
Seit Anfang vergangener Woche baut die Stadt Freiburg neben dem Jura-Schulhaus einen neuen Spielplatz. Dabei erhält sie tatkräftige Unterstützung von eher unerwarteter Seite – den Kindern und Jugendlichen des Quartiers selber.

Der neue, topmoderne Spielplatz neben dem Jura-Schulhaus in der Stadt Freiburg ist erst im Bau. Trotzdem tummeln sich bereits mehr als zehn Kinder und Jugendliche auf dem Gelände. Doch sie sind nicht etwa zum Spielen hier; sie arbeiten. In wetterfester Kleidung und geländetauglichen Schuhen schneiden und schleifen die 10- bis 16-Jährigen an Brettern herum, bohren Löcher in Hölzer und schrauben diese aneinander fest. Eigentlich wären sie schon dienstags am Werken gewesen, doch das Wetter war zu schlecht. «Wir arbeiten ja auch mit Strom. Es war zwar schade für die Kinder, doch bei dem Regen konnten wir nicht weiterfahren», so Nicolas Raemy, Adjunkt der Schulverwaltung. «Es war gerechtfertigt, abzubrechen», bestätigt der zwölfjährige Jakob, «am Dienstag war alles voller Schlamm.

«Ich freue mich schon auf dem neuen Spielplatz zu klettern und zu schaukeln.»

Emma

Freiwillige Helferin

 

Dafür sind die Kinder und Jugendlichen nun umso eifriger am Werk. Das Ziel der jungen Arbeitergruppe ist es, den Holzsteg, der durch das neue Spielplatzgelände führen wird, bis am Abend fertiggezimmert zu haben. «Am liebsten bediene ich den Bohrer», sagt die Französisch sprechende Hêlin. «Ich mag das Schleifen besonders», so Jonathan.

 

Zum Bewegen anregen

Das neue Spielareal wird als Ersatz für den alten Spielplatz des Jura-Schulhauses gebaut und soll Anfang Herbst eröffnet werden können. «Der alte Spielplatz war in die Jahre gekommen und entsprach nicht mehr den aktuellen Sicherheitsnormen», weiss Raemy. Anstatt die Geräte schrittweise zu ersetzen, entschied sich die Stadt Freiburg, alle abzureissen. 150 000 Franken wurden für eine neue Spiellandschaft budgetiert, dabei wollte die Baukommission von einem traditionellen Spielareal mit kleinem Häuschen und einer einfachen Rutsche nichts wissen. «Man wünschte sich einen modernen Spielplatz; einen Ort, wo Kinder klettern, ihre Geschicklichkeit trainieren und ihr Gleichgewicht üben können», sagt Raemy. «Die Idee war, einen Spielplatz zu bauen, der zum Bewegen anregt.

«Zu sehen, dass sie selber etwas so Grosses herstellen können, ist für die Kinder und Jugendlichen eine tolle Erfahrung.»

Johannes Lemcke

Anleiter der Firma Kukuk

 

Kinder und Jugendliche zum Bewegen anregen – das tut er schon jetzt, dieser neue Spielplatz. Der 15-jährige Jonathan zum Beispiel ist beim Bau des neuen Areals tatkräftig mit dabei. Obwohl er gar nicht mehr in die Jura-Schule geht. «Ich habe in den Ferien sowieso nichts anderes zu tun und mache das gerne», sagt er. Auch Emma sagt, sie hätte Zeit und die Arbeit mache ihr Spass. «Es ist so cool, dass alles aus Holz ist», sagt sie, «ich freue mich schon total, nachher auf dem Spielplatz zu klettern und die Schaukel zu benutzen.»

Eine höhere Wertschätzung

Jonathan und Emma sind keine Einzelfälle. «Die Kinder und Jugendlichen sind meistens sehr motiviert. Mit handwerklichen Tätigkeiten kann man Leute in dem Alter schnell erreichen», sagt Leander Dreissig, Geschäftsführer von Kukuk Schweiz. Das Unternehmen, das mit der Spielplatzkonstruktion beauftragt wurde, legt grossen Wert auf die Mitarbeit der Kinder und Jugendlichen. «Für die Schülerinnen und Schüler ist es eine tolle Erfahrung zu sehen, dass sie so etwas Grosses selber herstellen können», sagt Johannes Lemcke, der für Kukuk als sogenannter Anleiter arbeitet. Dreissig fügt hinzu, dass die Kinder und Jugendlichen dann eine ganz andere Wertschätzung für den Spielplatz entwickeln würden. «Gerade bei Brennpunktschulen kann dies helfen, damit der Spielplatz später nicht beschädigt wird», so Dreissig.

Mitarbeit bei Bau und Planung

Seit bereits zwölf Jahren baut Kukuk Spielplätze in der Schweiz. Am Anfang nur vereinzelt, bindet das Unternehmen mittlerweile immer häufiger junge Leute in den Bauprozess mit ein. «Das Bewusstsein, dass solch ein Projekt grosses Potenzial hat, ist bei den Leuten gewachsen», so Lemcke.

Meistens sind die Kinder nur beim Bau der Spielplätze vor Ort mit dabei. Dort werden sie in kleinere Gruppen eingeteilt, die vom Talent, Alter und Wissen her möglichst ausgeglichen sind. Anschliessend führen die Anleiter von Kukuk sie in die professionelle Maschinenbenutzung ein, und dann können sie auf eigene Faust loslegen.

Je nach Wunsch der Auftraggeber sind die Kinder manchmal auch schon bei der Planungsphase mit dabei. Meistens könne das Team von Kukuk die Ideen der Kinder und Jugendlichen gut einbringen, doch manchmal stehen sie in Konflikt mit den Sicherheitsmassnahmen der Beratungsstelle für Unfallverhütung. «Gefährliche Stellen müssen bei den Spielgeräten direkt ersichtlich sein», so Dreissig, «an dies denken die Kinder bei ihren Vorschlägen oft nicht.»

Spielplatzbau

Das macht einen guten Spielplatz aus

Einen Spielplatz zu konstruieren, ist eine Wissenschaft für sich. «Auf einem guten Spielplatz kann und soll das Kind kreativ werden», so Leander Dreissig, Geschäftsleiter der Spielplatzbaufirma Kukuk. Ideal ist, wenn ein Spielplatz voller Herausforderungen steckt. Nur dann kann er für verschiedene Altersgruppen etwas bieten. «Wenn der Kleinste auf einer Spiellandschaft schon den höchsten Punkt erreichen kann, spricht dies nicht für die Qualität des Areals. Dann ist der Spielplatz für alle grösseren Kinder langweilig» erklärt der Experte Dreissig. Daher sei es normal, wenn ein Kind nicht von Anfang an alle Schwierigkeiten eines Spielplatzes meistern könne. «Schliesslich soll es auch noch etwas lernen.»

sl