Freiburg 12.01.2017

Der schleichende Eschentod

Freiburger Stadtgärtner fällten gestern drei Eschen; insgesamt müssen auf Stadtgebiet in diesem Winter 52 kranke Bäume weichen.
Die Esche leidet seit Jahren an einer ernsten Krankheit: der Eschenwelke. Gestern musste die Freiburger Stadtgärtnerei einige Eschen auf dem Guintzet fällen. Laut Chefstadtgärtner Thierry Wieland besteht aber noch Hoffnung, denn es gibt auch resistente Arten.

Sägemehlspäne fliegen in alle Richtungen, als die Motorsäge kreischend in das Holz des Baumes dringt. Es riecht nach Wald. Die Esche ächzt ein letztes Mal und fällt dann schwer und erschöpft, wie in Zeitlupe, zu Boden. Drei Eschen mussten die Freiburger Stadtgärtner gestern Morgen auf dem Guintzet fällen. Drei von insgesamt 52 Bäumen, die einfach nicht mehr zu retten waren und welche die Stadtgärtner diesen Winter abholzen. Einige dieser Bäume – ein paar Ahorne, Weiden, Akazien und Birken – haben die Hitze des vergangenen Sommers nicht überstanden. 27 Exemplare sind Eschen. Und diese sind alle mit einer Baumkrankheit befallen: der Eschenwelke. Ein Pilz, dessen Sporen mit dem Wind durch die Länder fliegen und der die Esche langsam dahinrafft. Denn der Esche geht es nicht gut: «Die Eschenwelke ist insofern aggressiv, als sie schnell voranschreitet. Im ersten Jahr sind kleine Zweige und Blätter betroffen, im zweiten Jahr breitet sich die Krankheit schon langsam ins Grobholz aus», sagt Chefstadtgärtner Thierry Wieland. Dies sei vor allem bei jüngeren Eschen der Fall: Ältere würden ein bisschen langsamer absterben.

Sie geben ein trauriges Bild ab, diese gefällten Eschen, die im Schnee auf der Strasse liegen. Der Winter und die Eschenwelke haben ihnen ihr sattgrünes Blätterkleid geraubt. «Aaachtung!», hallt es durchs Guintzet, und der nächste Baum geht krächzend zu Boden. Es war nichts zu machen: «Wir konnten die Bäume nicht mehr retten», sagt Thierry Wieland. Die Gefahr durch herabstürzende Äste sei zu akut geworden. Schon seit 15 Jahren hatten diese Eschen immer wieder dürre Äste, welche die Stadtgärtner sukzessive entfernt haben. «Die Krankheit ist so weit fortgeschritten, dass wir aufhören müssen, zu basteln.» Dafür setze man am Primel-Weg nun fünf Ahorne. Ist die Esche also dem Untergang geweiht? «Diese Frage hat man schon in den 1970er-Jahren gestellt, zu Zeiten des Ulmensterbens.» Einige Exemplare hätten damals jedoch überlebt. Ausserdem würden, sowohl bei Ulme als bei Esche, immer wieder junge Bäume nachwachsen. «Das natürliche Sich-Erhalten-Wollen funktioniert bei der Esche.» Die Hoffnung liegt auf sogenannten resistenten Eschen, denen die Krankheit nichts anhaben kann. «Mit dem Pflanzen solcher Sorten könnten wir wieder einen Bestand aufbauen, der immun ist.» Entsprechende Forschungsprojekte darüber, warum gewisse Eschenarten, besonders die Gewöhnliche Esche, betroffen seien, und andere, wie die Blumenesche, resistent seien, sind im Gange. Denn die Esche ist sowohl ökologisch wie ökonomisch relevant. Nicht nur ist sie für das Ökosystem Wald in der Schweiz von grosser Bedeutung, sondern auch für die Wirtschaft: Das Holz der Esche wird nicht nur als Bau- oder Brennholz verwendet, sondern beispielsweise traditionell auch für den Davoser Schlitten. Dementsprechend ist die Erhaltung dieser Baumart eine Priorität. «Gegenwärtig haben wir einfach kein Rezept gegen das Eschentriebsterben.»

Die Gärtner zerlegen die gefällten Eschen nun in kleinere Brocken. Aus den einst 15 Meter hohen Bäumen mit der majestätischen Blätterkrone wird nun Holz zum Heizen. Der Primel-Weg sieht kahler aus.

Zur Krankheit

Von den Blättern in die Saftbahnen

Der Erreger der Eschenwelke ist der Pilz «Falsches Weisses Stengelbecherchen». In Asien oder Polen wurde er in den 1990er-Jahren zum ersten Mal gesichtet. Seit 2008 ist die Krankheit offiziell in der Schweiz; «ich vermute aber, dass die Schweizer Esche schon länger von dieser Krankheit betroffen ist», sagt Thierry Wieland, Leiter der Stadtgärtnerei Freiburg. Der Wind überträgt die Pilzsporen über grosse Strecken; dies stellt eine ernste Bedrohung dar. Ist eine Esche erst betroffen, sterben zuerst ihre Blätter ab. Dann frisst sich die Krankheit in die Rinde und unterbricht die Saftbahnen. «Das ist, als würde man einem Menschen einen Finger abbinden», so Wieland.

kf