Fussball 22.06.2017

Schneuwly und der FC Sion – das passt

Sion-Präsident Christian Constantin hatte schon lange ein Faible für Marco Schneuwly. Nachdem der Transfer des Freiburgers ins Wallis lange am Veto des FC Luzern gescheitert war, hat es jetzt doch noch geklappt. Gestern trainierte der Stürmer erstmals mit Sion.

Marco Schneuwly ist gerade auf dem Weg ins Wallis zum Trainingsstart des FC Sion, als er den FN gestern für ein Telefoninterview zur Verfügung steht. Tags zuvor war bekannt geworden, dass der 32-jährige Wünnewiler den FC Luzern vorzeitig verlässt und bei den Sittenern einen Zweijahres-Vertrag unterschrieben hat. Der Stürmer ist der einzige Spieler der Super League, der in den letzten fünf Saisons immer zweistellig getroffen hat. In den letzten drei Jahren erzielte er für den FCL in insgesamt 120 Spielen 68 Tore, dazu gab er 20 Assists.

 

Marco Schneuwly, das Interesse des FC Sion an Ihnen war nicht neu. Bereits 2015 lockte sie Präsident Christian Constantin ins Wallis, damals liess Sie der FC Luzern aber nicht gehen. Inwiefern hat sich die Situation jetzt anders präsentiert?

Was letztlich den Ausschlag gegeben hat, weiss ich selbst nicht ganz genau. Tatsache ist, dass sich die Verhandlungen über eine vorzeitige Vertragsverlängerung (Red.: Schneuwly hatte noch einen Vertrag bis 2018) hingezogen haben. Ich bin zum Schluss gekommen, dass die mir unterbreitete Offerte für mich nicht passt. Nach der Saison habe ich dem Club mitgeteilt, dass es für mich in Luzern nicht weitergeht, falls es so bleibt, und dass ich froh wäre, wenn wir im Sommer eine Lösung finden würden. Noch eine Saison länger mit dieser komischen Stimmung anzuhängen, hätte niemandem etwas gebracht.

War es also am Ende eine finanzielle Frage? Haben Sie sich nicht genug wertgeschätzt gefühlt?

Es ist ein bisschen von allem. Vielleicht scheiterte es auch an der schlechten Kommunikation. Ich bin genug lange im Geschäft und kann deshalb mit jeder Begründung umgehen. Es kommt halt darauf an, wie sie mitgeteilt wird. Das Angebot jedenfalls entsprach nicht dem, was zuvor gesagt worden war. Warum wurde mir nicht von Beginn an mitgeteilt, dass der Verein nicht anders kann?

Der FC Luzern muss offensichtlich sparen, wie Medienberichte kolportieren …

Auch hier gilt: Kommuniziert der Club das von Anfang an transparent, dann ist das doch kein Problem. Das wäre ja auch verständlich, wenn es vonseiten des Vereins heisst, schau wir müssen sparen, willst du so weitermachen, ja oder nein? Alles andere ist aber, um den heissen Brei reden.

Vor zwei Jahren stand ein Sechsjahres-Vertrag mit Sion im Raum, nun haben Sie für zwei Saisons unterschrieben. War das Ihr Wunsch?

Damals hatte ich ein Angebot für vier Jahre als Spieler und zwei weitere für eine Weiterbeschäftigung beim Club. Die Anregung für einen Vertrag über zwei Jahre kam von mir aus. Ich will mir offen halten, was danach passiert, je nachdem, wie es mit der Familie und physisch sowie mental bei mir aussieht. Ich will dann nicht gebunden sein und selbst entscheiden können, wie es für mich weitergeht.

Sion ist kein unbekanntes Pflaster für Sie, nachdem Sie in der Rückrunde der Saison 2005/06 die Rückrunde der Challenge League mit den Wallisern gespielt haben. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Nur gute, alles hat damals gepasst. Wir sind in die Super League aufgestiegen und haben den Schweizer Cup gewonnen. Leider durfte ich im Final nicht spielen, weil im Leihvertrag gestanden hatte, dass ich in einem allfälligen Duell gegen die Young Boys nicht eingesetzt werden darf. Prompt ging es dann im Final gegen die Berner, bei denen ich unter Vertrag gestanden hatte.

Sion ist ein spezieller Club, der immer für Schlagzeilen sorgt. Wie haben Sie die Walliser bisher wahrgenommen?

Nun, in den drei Jahren beim FC Luzern war nicht weniger los. Die Probleme waren teils hausgemacht, sogar als es gut lief. Mit Unruhe habe ich Erfahrung. Aber der FC Sion ist sicher erfolgsorientiert und erfolgshungrig.

Das gilt insbesondere für Christian Constantin. Wie haben Sie den charismatischen Club-Präsidenten erlebt?

Wirklich nur positiv. Er ist sehr korrekt und gradlinig – ein echter Patron und Monsieur. Constantin verliert nicht gerne. Würde ich so viel Geld in einen Verein investieren, wäre das bei mir sicher nicht anders und ich wäre auch nicht zufrieden, wenn nicht alle am gleichen Strick ziehen würden. Doch manchmal braucht es eben ein wenig Zeit, bis sich etwas entwickelt.

Constantins fehlende Geduld mit den Trainern ist bekannt. Mit Paolo Tramezzani (von Lugano) hat Sion auf nächste Saison bereits wieder einen neuen. Hatten Sie schon Kontakt mit dem Italiener?

Ja, das Gespräch war sehr gut. Er kommt sehr professionell rüber. Tramezzani ist ein «Chrampfer», ein positiv Verrückter, der alles bis ins Detail anschaut. Wie meine Rolle aussehen wird, kann ich noch nicht sagen. Die Konkurrenz im Sturm ist gross. Die Saisonvorbereitung wird darüber Aufschlüsse geben. Ich kann sicher meine Erfahrung einfliessen lassen.

Denken Sie, dass der FC Sion Serienmeister Basel herausfordern können wird?

Es ist immer alles möglich. Bei den Baslern weiss man nicht genau, wie sie starten werden nach all den Veränderungen im Club. Die Frage wird sein, ob es uns gelingt die Konstanz heranzubringen, die natürlich alle Vereine anstreben. Wir wollen in der Meisterschaft natürlich vorne dabei sein. Ziele sind aber auch die Europa League und – wie jedes Jahr im Wallis – der Schweizer Cup.

Wie sieht Ihr Programm der nächsten Tage aus?

Die Ferien sind vorüber. Heute (Red.: gestern Mittwoch) ist Trainingsauftakt, dann folgt ein neuntägiges Trainingslager in Crans-Montana. Und danach geht es auf Wohnungssuche.

Super League

Ezgjan Alioski auf dem Sprung ins Ausland

Derweil die Zukunft von Marco Schneuwly mit dem Transfer von Luzern zu Sion geregelt ist (wo er Teamkollege des Freiburger Mittelfeldspielers Joaquim Adao wird), steht hinter dem Verbleib seines jüngeren Bruders Christian bei den Zentralschweizern ein Fragezeichen. Der polyvalente Mittelfeldspieler hat zwar noch einen Vertrag mit dem FCL für nächste Saison, aber auch er könnte ein Opfer des Sparkurses der Luzerner werden.

Ein Club-Wechsel steht mit aller Wahrscheinlichkeit dem weiteren Wünnewiler Super-League-Spieler Ezgjan Alioski bevor. Der Offensivspieler, der letzte Saison 16 Tore für den FC Lugano erzielt hat, liebäugelt schon lange mit einem Transfer ins Ausland. Angebote aus Deutschland, Italien und England sollen vorliegen. So soll unter anderen Leeds United (2. englische Liga) an den Diensten des 25-Jährigen interessiert sein.

Vor wenigen Tagen seinen Vertrag verlängert bis 2019 hat der Freiburger Torhüter Thomas Castella mit Lausanne. Gleich lang läuft der Vertrag des Freiburger Mittelfeldspielers Musa Araz mit dem Waadtländer Super-League-Club.

Seit einigen Wochen bereits bekannt ist der Transfer von Goalie Yvon Mvogo. Der einstige Junior des FC Marly hat bis 2021 beim Bundesligisten RB Leipzig unterschrieben.

Die Super-League-Saison 2017/18 startet am 22. Juli.

fs

 

«Constantin ist sehr korrekt und gradlinig – ein echter Patron und Monsieur.»

Marco Schneuwly

Stürmer FC Sion