Fussball 16.06.2017

Düdingen II von Avenches bös zerzaust

In der Aufstiegsrunde für die 2. Liga gibt Düdingen II weiter kein gutes Bild ab. Die Sensler verloren am Mittwoch beim starken Avenches gleich mit 1:6. Wie im Training dribbelten sich die Waadtländer dabei durch die orientierungslose Gästeabwehr.

Letztes Jahr der FC Tafers, jetzt Düdingen II: Der Meister der Deutschfreiburger 3.-Liga-Gruppe kann seine hohen Erwartungen in den Finalspielen einfach nicht auf den Rasen bringen. Gegen ein allerdings sackstarkes Avenches hatten die Sensler am Mittwochabend nicht den Hauch einer Chance, und sie knüpften nahtlos an die bisher schwachen Vorstellungen in den Aufstiegsspielen an. Allerdings schien man im Lager der Düdinger die theoretischen Hoffnungen schon vor diesem Auswärtsspiel aufgegeben zu haben, denn nicht nur glänzte die Clubleitung mit Abwesenheit, sondern auch der stimmliche Anhang war unter den 262 Fans überschaubar. Anders sah dies im Club des überglücklichen Präsidenten Jean-Michel Bardet aus: Seine Truppe feierte den ersten Aufstieg in die 2. Liga bis weit in die Nacht hinein im eigens aufgestellten Festzelt.

Wie aus einem Guss

Schon nach drei Minuten stand es 1:0, zur Halbzeit 3:1, und zwanzig Minuten vor Schluss 6:1 – der Schnellzug der Einheimischen rauschte wie ein Tornado durch die Abwehrreihen der völlig überforderten Gäste. Einzig Lukas Schneuwly mit seinem zwischenzeitlichen Ausgleichstor (12.) konnte für ein paar Minuten so etwas wie Spannung in dieses einseitige Spiel streuen. «Wir haben den Gegner von A bis Z dominiert, waren technisch, spielerisch und auch sonst hoch überlegen», bilanzierte der erfolgreiche Siegescoach Christian Villommet nach 90 Minuten richtigerweise das Geschehen auf dem Feld. Vor allem im Mittelfeld, wo seit Jahren die meisten solchen Spiele entschieden werden, hatte Avenches mit seinem Duo Furtado/Osmanaj klare Vorteile und schickte die schnellen Spitzen immer wieder mit klugen Zuspielen in die Tiefe. Und sie wussten ihre Chancen fast optimal zu nutzen – alle sechs Tore waren herrlich herausgespielt und für SCD-Goalie Simon Perler unhaltbar. Im Gegenteil, der bedauernswerte Keeper war noch einer der Besten in seinem Team und verhinderte mit guten Paraden ein durchaus mögliches «Stängeli». Nach dem 6:1 nahmen die Waadtländer etwas Tempo raus, und alle sieben Ersatzleute bekamen in den Schlussminuten noch Einsatzzeit. Kleines Detail am Rande: Zur ersten richtigen Torchance seit dem Ausgleichstor kam der SCD erst ein paar Minuten vor Schluss; Ersatzhüter Jordy Lutonadio wehrte den Schuss Messerlis aus kurzer Distanz reflexartig zur Seite.

Mit dem Aufstieg in die 2. Liga ist das «Projekt Villommet» – der Vater steht an der Seitenlinie, der Sohn auf dem Platz – noch lange nicht beendet. Mit zwei, drei Verstärkungen will Avenches in der kommenden Saison auch eine Liga höher ganz vorne mitspielen; die Substanz dazu hat die unglaublich starke Mannschaft alleweil. Den kurzen Aussetzer vom Wochenende zuvor (Niederlage gegen Sarine-Ouest), als einige Stammspieler wegen einer Hochzeit fehlten, hat man jedenfalls mit dem klaren Sieg gegen ein allerdings enttäuschendes Düdingen klar wettgemacht.

Nuhijas Frust

Der Coach der zweiten Mannschaft des SC Düdingen, Nejazi Nuhija, erlebt im Moment die dunkelste Zeit seiner Trainerlaufbahn. Im Interview nach dem wiederum klar verlorenen Match gegen Avenches wirkte er nicht unerwartet sprachlos. «Fragen Sie doch mal den Captain statt mich», sagte er zuerst, bevor er doch noch nach Erklärungen suchte. «Ich weiss nicht, was im Moment passiert, wir können unsere Leistungen aus der Meisterschaft einfach nicht abrufen. Ich habe meine Mannschaft vor diesem starken Gegner gewarnt, aber wir bekamen die technisch hervorragenden Spieler nie in den Griff. Und wenn bei ihnen die Maschinerie mal ins Laufen kommt, wird es schwer.»

In seiner jungen Mannschaft gebe es offensichtlich einige Spieler, die mit dem Druck in solchen wichtigen Spielen nur schwer umgehen könnten. Allerdings bekam der neutrale Zuschauer in den letzten Wochen doch den Eindruck, dass bei der defensiven Zuteilung innerhalb der Mannschaft einiges nicht stimmt. Und vorne läuft (zu) vieles, auch gemäss Coach Hubert Stritt, über Lukas Schneuwly, der sich gegen die aufsässige und gute Abwehr der Waadtländer bis am Schluss immer wieder aufrieb. Ein Weltuntergang sei der Nichtaufstieg für seine Mannschaft nicht, sagte der SCD-Coach, eine weitere gute Saison könnten die vielen jungen Spieler nutzen, um zusätzliche Erfahrungen zu holen. Aber wie man es dreht und wendet, etwas erfolgreicher hätte man Düdingen II in der Aufstiegsrunde schon erwartet; zumindest Rang 3 hätte mit diesem Kader eigentlich dringliegen müssen. Im letzten Heimspiel gegen Aufsteiger Sarine-Ouest wollen die Sensler am Samstag laut der Teamleitung nochmals Vollgas geben.

Telegramm

Avenches - Düdingen II 6:1 (3:1)

Stade Communal: 262 Zuschauer.– SR Kevin Auderset.

Tore: 3. Musy 1:0, 12. Schneuwly 1:1, 31. Osmanaj 2:1, 37. Villommet 3:1, 54. Beciri 4:1, 65. Musy 5:1, 70. Beciri 6:1.

FC Avenches: Vienne (76. Lutonadio); B. Bigler, Corthésy, Bajrami; Hugonnet, Furtado, Villommet, Musy; Osmanaj; Beciri, Corthésy. Eingewechselt: A. Bigler, Kastrati, R. Bajrami, Rossier, Monney, Dos Santos.

SC Düdingen II: Perler; Brülhart, Cipri, Dobrosavljevic, Birbaum; Meuwly, Hashani; Ajdari, L. Schneuwly, Henchoz; Hayoz. Eingewechselt: Spicher, Messerli, Rytz, Schwaller, Lazzara.

Bemerkungen: Avenches ohne den gesperrten Goalgetter Memethay (1 Spielsperre); bei Düdingen G. Dobrosavljevic nach Kopfzusammenstoss verletzt ausgeschieden (16.).